Düsseldorf. Als weitere Maßnahme für mehr Sicherheit wurde am Worringer Platz der Pavillon abgerissen. An weiteren Plänen der Stadt gibt es dennoch Kritik.
- Um für mehr Sicherheit und Sauberkeit am Drogen-Hotspot Worringer Platz zu sorgen, hat die Stadt Düsseldorf mehrere Maßnahmen vorgestellt
- Am Montag wurde der heruntergekommene Pavillon abgerissen
- Auch die grünen Glasbausteinbänke sollen weichen
Die Umsetzung der Maßnahmen, die die Stadt Düsseldorf für die Verbesserung der Situation am Drogen-Hotspot Worringer Platz vorgestellt hat, gehen auch in dieser Woche weiter. Denn am Montag (17. Februar) wurde auf dem berüchtigten Drogenumschlagsplatz der Pavillon abgerissen, in dem 20 Jahre lang die Pizzeria „Grüne Insel Tantuni“ ansässig war. Ein Bagger riss am Morgen die Wände und Schaufensterscheiben des heruntergekommenen Gebäudes ein, außerdem wurde das Gelände wieder mit einem Bauzaun abgeriegelt. Am frühen Montagnachmittag waren die Arbeiten bereits beendet, der Pavillon ist nun Geschichte.
Mit einer ganzen Reihe an Maßnahmen will die Stadt Düsseldorf die desolate Situation am Drogen-Hotspot Worringer Platz endlich in den Griff bekommen. Am vergangenen Dienstag (11. Februar) wurden dafür die Pläne der Landeshauptstadt präsentiert. In einer ersten, kurzfristigen Handlung wurde der Zaun rund um den Pavillon, in dem bis zuletzt die Pizzeria „Grüne Insel Tantuni“ ansässig war, abmontiert. Seit vergangener Woche ist die Stadt zudem wieder in Besitz des kleinen Häuschen, das in den vergangenen Wochen immer wieder Ziel von Vandalismus war.
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Zwar gab es Überlegungen, den Pavillon weiter zu nutzen, doch dazu wird es nicht kommen. Weil das Häuschen weder über eine Toilette, noch über eine Heizung verfügt, wurde es am Montagmorgen abgerissen. Wie die NRZ erfuhr, gab es seitens des Obdachlosenvereins „Fiftyfifty“ und der Düsseldorfer Drogenhilfe zumindest Überlegungen, den Pavillon zu übernehmen. „Nicht aber, wie von vielen befürchtet, für eine weitere Anlaufstelle für Obdachlose und Drogenabhängige, sondern um dort ehemalige Obdachlose für etwa vier Stunden einzusetzen, die Kaffee und Kuchen an Passanten verkaufen und herausgeben. Das würde den Worringer Platz aus meiner Sicht aufwerten und so hätte man zumindest ein Stück weit eine sozial-räumliche Kontrolle über den Platz gehabt“, sagt Fiftyfifty-Sprecher Oliver Ongaro. Ein konkretes Konzept dafür wurde jedoch nicht vorgelegt, räumt er ein.
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Stadt Düsseldorf will grüne Glasbausteinbänke am Worringer Platz abreißen lassen
Dass die Stadt am vergangenen Dienstag vordergründig eher ordnungspolitische Maßnahmen vorgestellt hat, habe ihn „verwundert“, wie er zugibt. Denn neben dem Abriss des Pavillons und der geplanten Entfernung der grünen Glasbausteinbänke, für die neue, offene Sitzgelegenheiten auf dem Worringer Platz installiert werden sollen, sollen Personen, die wiederholt strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, ab sofort Aufenthaltsverbote für das gesamte Bahnhofsumfeld erhalten. Zudem wurde bereits die Präsenz von Einsatzkräften des Ordnungsamtes und der Polizei erhöht. Auch die Beleuchtung am Worringer Platz soll ausgetauscht, verbessert und falls notwendig, durch die Polizei heller gemacht werden.
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Auch die Einführung von individuellen Waffenverboten für Einzelpersonen (Messer und andere Gegenstände) werde derzeit vorbereitet, kündigte die Stadt am Dienstag an. Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sollen laut Stadt künftig durch beschleunigte Verfahren schneller bearbeitet werden. Ziel der Stadt sei es, „die Verfolgung von Drogenkriminalität im öffentlichen Raum noch effizienter zu gestalten und die Sicherheitslage weiter zu verbessern“.
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Oliver Ongaro hält Maßnahmen wie Vertretungsverbote jedoch für problematisch: „Sobald man Drogen konsumiert, ist man straffällig. Damit hilft man auch den Suchterkrankten nicht. Mir ist bewusst, dass es sich bei der Szene am Worringer Platz um ein anstrengendes Klientel handelt, gerade für die Anwohnerschaft und die Geschäftsleute. Dennoch brauchen die Menschen vor Ort dringend Hilfe“, so der Sozialarbeiter weiter. Und Personen aus der Drogenszene mit solchen Maßnahmen vom Worringer Platz zu verdrängen, könne auch keine langfristige Lösung sein, meint Ongaro. „Denn dann werden sie in andere Stadtteile gehen, was mit Sicherheit dann dort für Konflikte sorgen wird. Deswegen müssen alle Akteure gemeinsame Lösungen vor Ort finden.“
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Statusbericht macht mehrere Probleme im Bahnhofsviertel aus
Im städtischen Sozialausschuss stand das Thema „Worringer Platz“ am Dienstag ganz oben auf der Agenda. Dort wurden die Maßnahmen, die durch einen Statusbericht im Rahmen des Projektes „Sicherheit im Bahnhofsumfeld“ (SiBu) erarbeitet worden sind, vorgestellt. Dabei wurden der „Anstieg der Personen mit Lebensmittelpunkt Straße“, die „Verschärfung Drogenhandel und -konsum“, Vermüllung und Vandalismus, Konflikte im öffentlichen Raum, das sinkende subjektive Sicherheitsgefühl für viele Anwohner sowie die ansteigende Kriminalität als größte Probleme ausgemacht. Als Ziel verfolgt das Projekt SiBu daher langfristig die „Schaffung eines sicheren, sozial stabilen und sauberen Bahnhofsumfelds“.
Dafür wollen die Stadt und alle anderen beteiligten Akteure, die bei SiBu mitwirken, nicht nur auf ordnungspolitische Instrumente zurückgreifen. Denn neben der als Teilziel formulierten „Reduzierung von Tatgelegenheitsstrukturen, Straftaten und Ordnungswidrigkeiten“ sowie der Erhöhung des Sicherheitsgefühls und der Beseitigung von Angsträumen ist auch geplant, zielgerichtete und bedarfsorientierte Hilfsangebote für Suchterkrankte zu schaffen und die Obdachlosen- und Suchthilfemaßnahmen im gesamten Bahnhofsumfeld anzupassen.
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„Der öffentliche Crack-Konsum ist nach wie vor das größte Problem am Worringer Platz und im gesamten Bahnhofsviertel“, weiß auch Oliver Ongaro. Der Streetworker wünscht sich daher eine weitere Räumlichkeit neben dem Konsumraum bei der Drogenhilfe, „wo Suchterkrankte Crack rauchen können. Denn der öffentliche Konsum muss aufhören.“
Arbeitsgruppen sollen weitere Maßnahmen erörtern
Um zu erörtern, welche weiteren Maßnahmen notwendig sind, wurden nun fünf themenspezifische Arbeitsgruppen gegründet. Fiftyfifty, die Düsseldorfer Drogenhilfe, Flingern Mobil und die Diakonie sollen nun gemeinsam mit Vertretern der Stadt in der AG „Suchthilfe, Suchtprävention, Suchtausstieg und Streetwork“ weitere Maßnahmen besprechen. Wie Michael Harbaum, Vorsitzender der Düsseldorfer Drogenhilfe, erklärte, fand bereits am Freitag (14. Februar) ein erstes AG-Treffen statt.
Projektgruppen SiBu in Düsseldorf
Im Rahmen des Projektes „Sicherheit im Bahnhofsumfeld“ SiBu sind von der Stadt Düsseldorf, der Polizei Düsseldorf, der Bundespolizei sowie Akteuren aus dem Bereich der Obdachlosenhilfe fünf Arbeitsgruppen gegründet worden, die wissenschaftlich begleitet werden, und für Verbesserungen im Bahnhofsviertel sorgen sollen. So gibt es nun die Arbeitsgruppe „Infrastruktur und Stadtgestaltung“, die Arbeitsgruppe „Kultur“, die AG „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“, die AG „Sauberkeit und Licht“ sowie die AG „Suchthilfe, Suchtprävention, Suchtausstieg und Streetwork“. Diese Gruppen sollen nun gemeinsam mit der Stadtpolitik weitere Maßnahmen erarbeiten.
Erste Ergebnisse aus dem AG-Treffen sollen demnächst evaluiert und dann bekanntgegeben werden. Dass nun endlich gegen die Situation am Worringer Platz und im Bahnhofsviertel vorgegangen wird, sei jedenfalls „gut“. Dennoch ist sich Harbaum sicher, dass „uns dieses Thema in den nächsten Wochen und Monaten weiterhin begleiten wird.“ Auch Oliver Ongaro geht davon aus, dass es dauern wird, bis mittel- bis langfristige Maßnahmen erkennbar greifen werden. „Das wird auf jeden Fall ein Prozess, der viel Zeit brauchen wird.“
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Doch im Rahmen des Projektes SiBu werden auch weitere, neue Ansätze verfolgt. Das Förderprojekt „KreativRaum D“ soll nun im Rahmen eines „Reallabors Worringer Platz“ die Entstehung kreativer Räume initiieren, „um damit einen Beitrag zu Stadt- bzw. Quartiersentwicklungsprozessen zu leisten“, wie die Stadt mitteilte. Dafür wurde bereits am Dienstag ein leerstehendes Lokal an der Worringer Straße bezogen. Künftig soll es nach Angaben der Stadt direkt vor Ort regelmäßige Veranstaltungen und Angebote geben. Die Workshops und Arbeitsgruppen werden ab April regelmäßig in diesen Räumen tagen, so die Stadt weiter. Und: Seit Anfang des Jahres ist für das Bahnhofsviertel auch ein Quartiersmanagement im Einsatz, das als wichtige Anlaufstelle für Anwohner und Geschäftsbetreiber fungieren soll.