Düsseldorf. Nach dem Abriss des Pavillons sollen am Worringer Platz die Glasbausteinbänke verschwinden. Welche weiteren Pläne die Stadt für den Ort hat.
Die Veränderungen am Drogen-Hotspot Worringer Platz in der Düsseldorfer Innenstadt sind nach den ersten umgesetzten Maßnahmen bereits deutlich zu sehen. Erst wurde im Frühherbst vergangenen Jahres das Glashaus, das als Ausstellungsraum der hiesigen Kunstszene zur Verfügung gestellt wurde, demontiert. Nachdem der Zaun und der Pavillon dann in den vergangenen Wochen abgerissen wurden, wirkt der Platz nun offener. Und es scheint, als sei zumindest etwas Ruhe am größten Drogenumschlagsplatz der Landeshauptstadt eingekehrt. Den Eindruck haben zumindest Mitglieder der Bezirksvertretung 1 (BV), die unter anderem für Belange in der Stadtmitte zuständig ist.
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In der Sitzung der BV 1 am Freitag (21. Februar) berichteten Vertreter, dass sich das subjekte Sicherheitsgefühl vor Ort nun „leicht verbessert“ habe, wie Bezirksvertreter Missagh Ghasemi von der CDU sagte. Außerdem gibt es durch den Abriss der ehemaligen und heruntergekommenen Pizzeria und den dazugehörigen Zaun nun „keine versteckten Ecken mehr am Worringer Platz“.
Wie aus dem umfassenden Maßnahmen-Paket, dass im Rahmen des Projektes „Sicherheit im Bahnhofsumfeld“ (SiBu) erarbeitet wurde, hervorgeht, soll nun zeitnah mit dem Rückbau der markanten grünen Glasbausteinbänke der nächste Schritt unternommen werden, um die weiterhin schlimme Lage am Drogenkiez endlich in den Griff zu kriegen.
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SiBu-Projektleiter: „Stadt darf sich nicht erpressbar machen“
Die Essener Architektin Christiane Voigt, die den Worringer Platz vor 20 Jahren umgestalten ließ und die grünen Sitzmöglichkeiten entwarf und errichten ließ, sprach sich jedoch deutlich gegen den Abriss der Glasbausteinbänke aus. Als „Urheberin der Platzgestaltung“ wendete sie sich nun sogar mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU), um den geplanten Rückbau zu verhindern.
Für Michael Hüttermann, Projektleiter von SiBu, sei diese Maßnahme jedoch alternativlos, wie er in der BV-Sitzung erklärte. „Die Bänke sind in einem desolaten Zustand. Eine Reparatur, und das hat die Vergangenheit oft gezeigt, ist kostenintensiv mit einer geringen Halbwertzeit.“ Denn die Bänke wurden in der Vergangenheit von Dealern als Drogenverstecke genutzt. Dafür wurden die Glasbausteine immer wieder demoliert, was oftmals auch für Schnittverletzungen bei Passanten und Konsumenten sorgte.
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Vertreter der BV1 befürchten nun, dass Christiane Voigt juristisch gegen die Pläne der Stadt Düsseldorf vorgehen könnte. Wie Hüttermann auf Nachfrage des Gremiums erklärte, soll die Architektin jedoch in das geordnete Verwaltungsverfahren, in dem der geplante Abriss der grünen Bänke vorangetrieben werden wird, beteiligt werden. „Wir wollen natürlich kein weiteres Gerichtsverfahren. Die Stadt darf sich aber auch nicht erpressbar machen. Und es ist ganz klar, dass am Worringer Platz und im Bahnhofsumfeld noch weitere Maßnahmen umgesetzt werden müssen.“
Soziale Einrichtung am Bertha-von-Suttner-Platz geplant
Dem Vernehmen nach soll der Rückbau der Bänke über 350.000 Euro kosten. Mit inbegriffen sind dabei auch die geplanten neuen, offeneren Sitzmöglichkeiten, die dann parallel zu den Abrissarbeiten auf dem Worringer Platz installiert werden sollen. „Wir wollen den Platz ja nicht leer räumen, damit dort niemand sitzen kann. Deswegen ist es wichtig, dass die Arbeiten gleichzeitig laufen“, meint SiBu-Projektleiter Michael Hüttermann. Denn: „Wir wollen ja nicht, dass die Drogenkonsumenten verdrängt werden und dann in umliegende Straßen, auf Spielplätze oder in die angrenzenden Stadtteile verschwinden.“
Deswegen sei es wichtig, dass weitere Ausweichstandorte geschaffen werden, um die desolate Lage im gesamten Bahnhofsviertel zu entzerren. Wie Hüttermann der BV1 weiter berichtete, laufen in der Verwaltung gemeinsam mit Vertretern der Wohlfahrtsverbände und Trägern der Sucht- und Obdachlosenhilfe, die in das Projekt SiBu ebenfalls involviert sind, bereits die weiteren Planungen. „Das Problem sind nicht die Konsumenten, sondern die Verkäufer“. Deswegen müssen auch weitere soziale Angebote für die Szene geschaffen werden, so der Projektleiter weiter.
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Die Stadtverwaltung plant daher, am Bertha-von-Suttner-Platz, auf der Rückseite des Düsseldorfer Hauptbahnhofs, eine soziale Einrichtung für Drogenabhängige und Obdachlose entstehen zu lassen. Die beteiligten SiBu-Akteure befinden sich dazu bereits in enger Abstimmung. Wann der alternative Treffpunkt jedoch öffnen wird, ist noch offen. Zudem müsse geklärt werden, welche Bedarfe gedeckt werden müssen, wie lange die Öffnungszeiten sind und wie viel Personal vor Ort für den Betrieb einer solchen Einrichtung nötig sind, stellt Michael Hüttermann klar.
Quartiersmanagement will nun durchstarten
Ab kommenden Montag (24. Februar) soll dann auch das installierte Quartiersmanagement am Worringer Platz „endlich durchstarten“, kündigt Oliver Targas, zuständiger Sozialarbeiter bei der Diakonie Düsseldorf, an. Der Wohlfahrtsverband ist für das Quartiersmanagement verantwortlich. Auch für die Besetzung der Stellen. Bereits seit Anfang des Jahres ist das Gremium im Einsatz und soll als Anlaufstelle für die leidgeplagte Anwohnerschaft und die Geschäftsbetreibenden vor Ort fungieren und eine Schnittstelle zur Stadtverwaltung sein.
Die Hälfte aller zu vergebenen Stellen für das Quartiersmanagement seien auch bereits besetzt, erzählt Oliver Targas im Gespräch mit der NRZ. „Nun sollen die Mitarbeiter ihr Netzwerk vor Ort ausbauen und sich bei den Menschen bekanntmachen“, so der Sozialarbeiter. Vor allem die Belange der Anwohnerschaft sollen nun in den Fokus gerückt werden.
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Dennoch betont Targas, „dass es bei den Maßnahmen und auch bei der Aufgabe des Quartiersmanagement nicht darum geht, dass Suchterkrankte verdrängt werden. Deswegen ist es auch eine gute Idee, dass alle involvierten Akteure gemeinsam nach Lösungen suchen, um die vielfältigen Probleme am Worringer Platz und im Bahnhofsviertel in den Griff zu kriegen. Bei der NUB hat man ja gesehen, dass dies sehr viel bringt“.