Gladbeck. Von Bologna ins Ruhrgebiet: Beatrice Grava (16) macht in Gladbeck ein Auslandsjahr. Warum, was sie erlebt - und wie der TV Gladbeck ihr dabei hilft.

  • Beatrice Grava, eine 16-jährige Austauschschülerin aus Bologna, lebt seit August in Gladbeck.
  • Viele Freunde hat sie schnell beim TV Gladbeck gefunden. Dort spielt sie für die Regionalliga-Frauen.
  • Neben dem Volleyballsport erkundet Beatrice das Ruhrgebiet. Von Deutschland, sagt sie, sei sie fasziniert.

Dieser Wechsel ließ aufhorchen. Der TV Gladbeck meldete vor Beginn der Volleyball-Saison 2024/2025 die Verpflichtung einer Spielerin aus Italien. Beatrice Grava stammt aus der 400.000-Einwohner-Metropole Bologna im Norden, Trainer Waldemar Zaleski bezeichnete das Talent als „sehr starke Libera“. Anders als zu Zweitliga-Zeiten, als ja immer mal wieder Ausländerinnen für den TVG aktiv waren, handelt es sich bei der 16-Jährigen aber nicht um eine Profispielern. Klar, der Klub spielt ja auch längst nur noch in der Regionalliga um Punkte.

Ältere Anhängerinnen und Anhänger des TV Gladbeck dürften sich noch an Maud van Koot aus den Niederlanden erinnern. Oder auch an die beiden US-Amerikanerinnen Courtney „The Wall“ Windham und Kendall Cleveland, die allesamt in der 2. Liga für die Blau-Weißen am Ball waren. Doch das war einmal und das dürfte niemals wieder kommen. Beatrice Grava ist vielmehr als Gastschülerin nach Gladbeck gekommen.

„Alle helfen mir“: Beatrice Grava ist begeistert von Gladbeck

Seit Ende August lebt Beatrice Grava in Gladbeck bei Andrea und Thomas Verjé. Die Gasteltern wurden, weil dem Sport in ihrer Stadt sehr verbunden, sofort aufmerksam, als sie in Beatrices Bewerbung lasen, dass sie in der 5. italienischen Liga Volleyball spielt. Quasi sofort stellten sie den Kontakt zum Turnverein her. Waldemar Zaleski erkannte auf einem Video auf Anhieb das Talent der Schülerin, die das Ratsgymnasium besucht.

Es ist eine Win-Win-Situation: Der TVG hat für diese Meisterschaftsrunde eine starke Libera gewonnen und Beatrice rasch Freundinnen, Freunde und Bekannte. „Alle im Verein helfen mir“, erzählt Beatrice Grava, die bereits an ihrem vierten Tag in Gladbeck erstmals mit der Regionalliga-Mannschaft unter Regie von Zaleski in der Artur-Schirrmacher-Halle trainiert hat. „Das hat den Start in Deutschland sehr einfach gemacht“, sagt die junge Italienerin.

Die Artur-Schirrmacher-Halle ist schon so etwas wie die zweite Heimat von Beatrice Grava (Mitte) geworden. Hier ist das Volleyballtalent aus dem italienischen Bologna an der Konrad-Adenauer-Allee mit ihren Gasteltern Andrea und Thomas Verjé sowie TVG-Trainer Waldemar Zaleski (Mitte hinten) zu sehen.
Die Artur-Schirrmacher-Halle ist schon so etwas wie die zweite Heimat von Beatrice Grava (Mitte) geworden. Hier ist das Volleyballtalent aus dem italienischen Bologna an der Konrad-Adenauer-Allee mit ihren Gasteltern Andrea und Thomas Verjé sowie TVG-Trainer Waldemar Zaleski (Mitte hinten) zu sehen. © FUNKE Foto Services | Oliver Müller

Seitdem stehen dreimal in der Woche Trainingseinheiten auf dem Programm, an den Wochenenden spielt Grava sowohl für die Frauenmannschaft als auch in der U20 des Klubs. Waldemar Zaleski ist begeistert: „Bea hat sich schnell ins Team integriert, die Mannschaft und sie schwimmen auf der gleichen Welle.“ Und sie sind erfolgreich: Der TVG hat schließlich fünf der ersten sechs Meisterschaftsspiele gewonnen.

Warum hat sich Beatrice Grava überhaupt dazu entschieden, für ein Schuljahr nach Deutschland zu kommen? „In Italien lerne ich Deutsch in der Schule, ich möchte mich verbessern.“ Ihre Lieblingsfächer am Ratsgymnasium? „Geschichte, Philosophie und Englisch.“ Außerdem sei sie, verrät die junge Libera, von Deutschland fasziniert.

Zeche Zollverein, Tetraeder Bottrop & mehr: Beatrice Grava kommt rum

Folgerichtig hat die 16-Jährige, wenn sie nicht das Ratsgymnasium besucht oder mit dem TV Gladbeck unterwegs ist, auch schon einiges unternommen und gesehen. Die Zeche Zollverein in Essen hat sie besichtigt, am Tetraeder in Bottrop ist sie gewesen, aber auch in der Düsseldorfer Altstadt und im Centro Oberhausen - zum Shoppen, versteht sich.

Einen konkreten Berufswunsch hat Beatrice Grava noch nicht. „Profivolleyballerin“, sagt sie, „wäre ein Traum. Aber es ist in Italien wirklich schwer.“ Und noch etwas verrät sie über den Volleyballsport in ihrer Heimat: „Die Trainer in Italien sind viel strenger.“ Über ihren aktuellen Coach sagt sie lachend: „Waldi ist ein super Trainer.“

Waldemar Zaleski ist der Trainer des Volleyball-Regionalligisten TV Gladbeck.
Waldemar Zaleski ist der Trainer des Volleyball-Regionalligisten TV Gladbeck. © FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Der freut sich über den Zufallszugang aus Bologna. „Bea“, sagt er, „kann das Spiel sehr gut lesen, sie versteht das Spiel sehr gut. Sie macht das exzellent und hätte sich auch in der 3. Liga durchgesetzt.“ Dass Beatrice Grava, die sich auf ihrer Position mit Dilay Kaya abwechselt, nur bis zum Ende des Schuljahres für den TV Gladbeck spielen wird, sei schade. „Wenn sie uns wieder verlässt, werden einige traurig sein. Und wir müssen uns dann Gedanken machen über die Liberoposition. Aber das tun wir erst im neuen Jahr.“

TV Gladbeck fühlt sich in seine Zweitliga-Zeit zurückversetzt

Als der TV Gladbeck sich im Mai um die Spielgenehmigung für Beatrice Grava zu kümmern begann, fühlte der Klub sich in seine Zweitliga-Zeit zurückversetzt. Denn es war gar nicht so einfach, das erforderliche internationale Spielzertifikat zu erhalten. Der Westdeutsche Volleyball-Verband war in diesem Prozess involviert, der Deutsche Volleyball-Verband und natürlich auch der Federazione Italiana Pallavolo, also der italienische Dachverband. „Das alles“, verrät Zaleski und schüttelt darüber immer noch ungläubig seinen Kopf, „hat zwei Monate gedauert, es war wie bei der Verpflichtung einer Profispielerin.“

Immerhin: Schon jetzt können Beatrice Grava und der TV Gladbeck sagen, dass sich dieser bürokratische Aufwand gelohnt hat!

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