Gladbeck. An der Spitze der Volleyball-Regionalliga geht es eng zu. Der TV Gladbeck ist Erster. Der Trainer hat vor allem einen Außenseiter auf dem Zettel.
Nein, damit war nicht zu rechnen. Der TV Gladbeck führt am Ende des Jahres 2024 die Tabelle der Volleyball-Regionalliga an. Dabei hatte der Klub vor der Saison mehrere Toptalente an Zweitligisten aus der Umgebung verloren. Blau-Weiß holte dafür Spielerinnen aus tieferen Spielklassen - und bewies dabei ein äußerst glückliches Händchen.
„Sarah Welters“, sagt Trainer Waldemar Zaleski, „war ja der einzige Zugang, der schon in der Regionalliga gespielt hat.“ Er sei daher mit Blick auf seine neu formierte Mannschaft ein wenig skeptisch gewesen, gibt er nun zu. „Ich war mir nicht sicher“, so der erfahrene Coach, „aber die Vorbereitung ist dann schon vielversprechend verlaufen.“
Das setzte sich in der Meisterschaft fort. Zaleski: „Einige haben seit dem Sommer einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.“ Ergebnis: Der TVG belegt nach dem jüngsten glatten 3:0-Erfolg über den VV Humann Essen mit 26 Punkten auf dem Konto Rang eins. Der Vorsprung vor dem VC SFG Olpe und dem TuS Herten beträgt jeweils drei Zähler. Für die SG Langenfeld auf dem vierten Rang stehen 22 Punkte zu Buche, das Team hat allerdings ein Spiel weniger ausgetragen als das Führungstrio.
TV Gladbeck musste vier Toptalente ziehen lassen
Zaleski erwartet im Kampf um den Aufstieg in die Dritte Liga aber sogar einen Sechskampf. Denn auch der MTV Köln und der VV Humann Essen seien mit jeweils 20 Punkten noch im Geschäft. Der Gladbecker Coach glaubt, dass Außenseiter MTV Köln im neuen Jahr „eine immer größere Rolle spielen wird“. Dieses Team sei von vielen unterschätzt worden, sagt Zaleski.

Das gilt auch für seine Mannschaft. Er habe in der Szene durchaus vernommen, dass der TVG als Abstiegskandidat gehandelt worden sei. Was durchaus verständlich ist. Denn, siehe oben, die Gladbeckerinnen verloren in Emma Neukirchen, Emilia Pissarski, Mayomi Olikagu und Melisa Nafia Demirer nicht weniger als vier Toptalente. Neukirchen und Olikagu wechselten nach Dortmund zum TV Hörde in die 2. Liga, Pissarski und Demirer an den Niederrhein zum SV Blau-Weiß Dingden.
Der TV Gladbeck verpflichtete im Gegenzug Sarah Welters (Hildener AT), Chayada Wohlfeil (TuS Herten II), Linda Hillebrand (Bayer Leverkusen U20), Jill Wieczorek (VV Humann Essen) und die junge Italienerin Beatrice Grava.
TV Gladbeck bietet gegen Humann Essen eine starke Leistung
Zum letzten Spiel des Jahres gegen den VV Humann Essen: „Damit“, gestand Gladbecks Trainer Waldemar Zaleski mit Blick aufs glatte Ergebnis, „habe ich nicht gerechnet.“ Die Essenerinnen hätten schließlich zuletzt auf einem konstant hohen Niveau gespielt. „Aber“, so der überraschte Coach weiter, „ich denke, das 3:0 entspricht dem Geschehen auf dem Feld.“
Tatsächlich bot der Turnverein eine insgesamt starke Leistung. Vor allem der Aufschlag funktionierte einmal mehr richtig gut, gleiches gilt für die Feld- und die Blockabwehr. Der TVG schaffte es immer wieder, den Ball im Spiel zu halten. „Wir haben Essen zur Verzweiflung getrieben“, sagte Zaleski.
Lara Bittner knickt um und kann nicht weiterspielen
Der Vergleich mit dem VV Humann Essen zeigte aber auch, wie zerbrechlich das Gebilde TV Gladbeck letztlich doch ist. Denn am Ende des dritten Satzes passierte es: Lara Bittner knickte um und konnte nicht weiterspielen. Zaleski: „Damit standen wir plötzlich ohne Mitte da.“

Der TV Gladbeck, der ja sowieso nur über einen kleinen Kader verfügt, hatte gegen Essen nicht mit voller Kapelle antreten können. Mittelblockerin Maren Vierhaus fehlt bereits seit längerer Zeit verletzungsbedingt, außerdem galt es in der Begegnung mit dem VV Humann die beruflich verhinderte Chayada Wohlfeil zu ersetzen. Die ist Diagonalangreiferin, sie kann aber auch auf der Mitte eingesetzt werden.
Was tun? Waldemar Zaleski warf Romy Wormland aus der Zweitvertretung ins kalte Wasser. Das Problem war dabei laut dem Trainer: „Romy hat diese Position noch nie gespielt.“
MVP: Essens Trainer wählt die Gladbeckerin Ellen Plonowski
Der VV Humann holte auf. 23:15 hatte der TVG geführt, auf einmal stand es nur noch 24:20. Zaleski nahm eine Auszeit, Essen verkürzte auf 21:24. „Dann hat“, beschrieb der Gladbecker Coach die letzte Szene des Spiels, „Gina die Geschichte beendet.“ Gina Remmers, die ehemalige Zweitliga-Spielerin, sorgte also für den 25. Punkt und damit für den neunten Sieg im elften Spiel.
Als wertvollste Spielerin der Partie wählte Essens Trainer Markus Dieckmann TVG-Zuspielerin Ellen Plonowski. Laut Waldemar Zaleski war das die richtige Entscheidung: „Ellen hat unser Spiel gestaltet.“
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