Nur noch zwei Werke sollen künftig das Massenmodell bauen. Ob die Astra-Produktion in Deutschland bleibt, lässt Opel-Chef unbeantwortet.

Rüsselsheim/Bochum. Der gebeutelte Autobauer Opel tritt auf die Kostenbremse: Weil der Absatz stetig sinkt und die Werke bei weitem nicht ausgelastet sind, lässt der defizitäre Autohersteller sein Hauptmodell Astra künftig aus Kostengründen nur noch in zwei Werken bauen. Wo, sagte Unternehmenschef Karl-Friedrich Stracke nach einer Betriebsversammlung am Montag in Rüsselsheim nicht. Es gilt aber als sicher, dass der Opel-Bestseller künftig nicht mehr in Deutschland vom Band rollen wird.

Stracke blieb auch die Antwort schuldig, ob sein Sanierungsplan weitere Werksschließungen oder einen neuerlichen Stellenabbau in Europa vorsieht. Der Unternehmensplan solle dem Aufsichtsrat im Juni vorgelegt werden, betonte Stracke: „Er ist keineswegs ein Sparplan, sondern eine umfassende Strategie, mit der wir schnell wieder in die Gewinnzone fahren werden, ganz egal ob mit oder ohne Rückenwind des Marktes.“ Damit werde Opel bis 2016 seine Margen, Marktanteile und den Umsatz deutlich steigern.

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Nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen überlegt der Konzern, die Astra-Produktion aus Rüsselsheim abzuziehen und dem Stammwerk zum Ausgleich den bisher in Bochum gefertigten Zafira zu geben. Das könnte für das Bochumer Werk mit 3200 Opelanern das Aus bedeuten. Ein Bochumer Firmensprecher wollte zu den Plänen weiter keinen Kommentar abgeben. Für den 21. Mai sei in Bochum eine Betriebsversammlung geplant, zu der auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) eingeladen sei, sagte er.

Bei der Rüsselsheimer Betriebsversammlung mit gut 8000 Beschäftigten soll es am Montag sehr laut geworden sein – vor allem dann, wenn die Belegschaft die Antworten ihres Chefs für unzureichend hielt. „Die Stimmung ist angespannt“, betonte Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug.

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Zunächst präsentierte Stracke einen Zehn-Punkte-Plan, nach dem die Materialkosten gesenkt und die bislang weitgehend auf Europa beschränkte General-Motors-Tochter neue Exportmärkte erschließen soll. Zudem werde aktuell geprüft, ob Modelle der Konzernschwester Chevrolet in Europa gebaut werden könnten.

Beides fordert der Betriebsrat seit Jahren als wichtigen Baustein, um Werksschließungen zu vermeiden. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt allerdings nicht, dass diese Vorschläge viel Aussicht auf Erfolg haben: „GM wird das wegen der Kostenunterschiede nicht machen, denn Chevrolet soll in Europa als Billigmarke etabliert werden.“

Unterstützt wurden die Opel-Arbeitnehmer am Montag von den Ministerpräsidenten aus Hessen und Rheinland-Pfalz, Volker Bouffier (CDU) und Kurt Beck (SPD). Dabei blieb Beck skeptisch: „Von einer positiven Perspektive kann man bei weitem noch nicht sprechen.“

Bouffier forderte eine bessere Zusammenarbeit zwischen Management und Arbeitnehmervertretern: „Man ist stärker, wenn man gemeinsam in die gleiche Richtung arbeitet. Ich bin sicher, dass man diesbezüglich noch Luft nach oben hat.“ Zuvor hatte der Betriebsrat dem Management vorgeworfen, ohne Rücksicht auf Verträge und ohne Rücksprache mit den Sozialpartnern Fakten schaffen zu wollen.

Stracke legte am Montag auch Altbekanntes wie ein 11 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm für neue Modelle abermals auf den Tisch. Die „Modelloffensive“ hatte Stracke-Vorgänger Nick Reilly bereits im Februar 2010 angekündigt – und damals das längst kassierte Ziel ausgegeben, 2012 in die Gewinnzone zurückzukehren. Darüber hinaus will Stracke die komplexe Fertigung vereinfachen und die Kapazitätsauslastung verbessern, um die Kosten zu senken. „Klares Ziel ist es hier, in jedem einzelnen Werk einen Dreischichtbetrieb zu erreichen“, betonte der Opel-Chef.

Bislang wird das aktuelle Astra-Modell in den drei Werken in Rüsselsheim, im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice jeweils im Zweischichtbetrieb produziert. Im Bochumer Werk laufen zudem noch Versionen des Vorgängermodells als „Astra Classic“ für den Export nach Osteuropa vom Band. (dpa/abendblatt.de)