Duisburg. Was gibt es heute in der Mensa? Findet die Vorlesung statt? An der Uni Duisburg-Essen soll seit einem Jahr die für iOS und Android verfügbare App myUDE diese Fragen beantworten. Der Härtetest auf dem Campus zeigt, ob die App nur digitale Spielerei ist oder ob man sie als Student gut gebrauchen kann.
Noch haben sie sich nicht an allen Hochschulen etabliert, aber vereinzelt gibt es sie bereits: Uni-Apps. Da laut der aktuellen Onlinestudie von ARD und ZDF inzwischen zwei Drittel der 14-29-Jährigen auch mit ihrem Smartphone ins Internet gehen, stellen einige Universitäten wichtige Informationen und Funktionen auch mobil zur Verfügung. An der Uni Duisburg-Essen gibt es seit Oktober 2012 die eigens entwickelte Campus-App myUDE.
Bislang wurde die App, die für Smartphones und Tablet-Computer mit Apples iOS-Software oder dem Android-Betriebssystem bereit steht, 16.500-mal runtergeladen - eine Version für das Windows-Phone ist in Planung. "Zum Wintersemester werden wir die 17.000er Marke knacken", hofft Guido Kerkewitz vom Zentrum für Informations- und Mediendienste (ZIM), den Informatik-Dienstleistern an der Uni Duisburg-Essen. Mit einer Handvoll Mitarbeiter hat er neun Monate an der App getüftelt: "Idee, Design, Inhalte und Programmierung stammen komplett von uns", sagt der Projektleiter stolz.
Ungefähr jedes Vierteljahr bringen die Entwickler ein Update heraus. Das nächste folgt mit Beginn des Wintersemesters Mitte Oktober. "Die wichtigste Neuerung in der nächsten Version der App wird die Einbindung eines persönlichen Stundenplans sein, in dem die Studenten ihre Kurse einsehen können", verspricht Entwickler Guido Kerkewitz.
Was die App bisher schon alles kann, nehmen wir auf dem Campus in Duisburg im Härtetest mit einem iPhone 4S unter die Lupe. Für jede der zwölf Rubriken in der App wird eine Schulnote: Von "Bibliothek" über "Studium" bis "Freizeit". Benutzerfreundlichkeit und Bedienung fließen ebenfalls mit in die Bewertung ein.
App myUDE der Uni Duisburg-Essen - Aktuelles
Der Bereich "Aktuelles"
Im Bereich "Aktuelles" finder der Nutzer News rund um die Universität. Die Rubrik beinhaltet unter anderem Pressemitteilungen, Nachrichten und Ankündigungen aus den einzelnen Fakultäten, der Bibliothek, der Studienberatung und dem Asta. Die Bereiche sind jedoch nicht alle gleich aktuell gehalten. In einigen gibt es zwei neue Nachrichten-Einträge pro Tag, in anderen tut sich wochenlang nichts. "Das liegt aber nicht an der App selbst, sondern daran, dass einzelne Bereiche nicht regelmäßig Neuigkeiten veröffentlichen", betont Guido Kerkewitz.
Diese Funktion ist also nur so aktuell wie die eingestellten Meldungen und wird von vielen Studierenden nur selten genutzt. Zudem fehlt eine Suchfunktion für den schnellen Zugriff auf eine bestimmte Nachricht. Alles in allem aber ein brauchbares Tool, wenn man über das Geschehen an der Uni auf dem Laufenden bleiben will.
- Note: 2-
Test der Campus-App myUDE - Speisepläne, Personensuche, Orientierung
Speisepläne
Die mit Abstand beliebteste und am meisten genutzte Funktion der App ist der Speiseplan: Von unterwegs können die Studenten so nachgucken, was in den Mensen und Cafeterien serviert wird und sich spontan entscheiden, wo sie essen wollen. Der Speiseplan ist für die jeweils aktuelle Woche abrufbar.
Die App zeigt bei Hauptgerichten und Beilagen die unterschiedlichen Preise für Studenten, Mitarbeiter und Gäste an. Bei den Hauptgerichten sieht man, ob das Essen vegetarisch ist oder welches Fleisch es beinhaltet.
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Getränkepreise sind nicht aufgeführt und eine Angabe von Inhaltsstoffen in den Speisen wäre für Allergiker hilfreich. Dennoch ist die Funktion zurecht unter den Studenten beliebt und eines der wichtigsten Features, die myUDE zu bieten hat.
- Note: 1-
Personensuche
Unter "Person" können die Studenten Dozenten und andere Mitarbeiter der Universität suchen und auch relativ problemlos finden. Neben dem Namen zeigt die App zur direkten Anwahl Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse für den Kontakt an. Daneben ist der Standort des Büros auf dem Campus angegeben, zu dem einen praktischerweise die Navigationssfunktion der App (siehe unten) hinführt.
Die Sprechstundenzeiten der Dozenten sind leider nicht angegeben. In Verbindung mit einer Anmeldungsfunktion über die App wäre dies ein praktisches und sicherlich oft genutztes Feature.
Weiterer kleiner Nachteil: Es gibt kein vollständiges Namensregister zum Durchstöbern, Namen findet man nur über die Suchfunktion. Im Suchergebnis steht (noch) nicht, welche Funktion der Gesuchte hat oder in welchem Bereich der Uni er arbeitet. Halb so schlimm - meistens kennt man die Person, nach der man sucht, ja sowieso. Oft gesuchte Personen können sogar zu einer persönlichen Favoritenliste hinzugefügt werden.
- Note: 2-
Orientierung
Eines der wichtigsten Werkzeuge der App ist die "Orientierung" mit eingebauter Navigationsfunktion. Wer sich noch nicht auf dem Campus auskennt, wird sie schnell zu schätzen wissen. Mit ihr findet der orientierungslose Student unter anderem Uni-Gebäude, Bus- und Bahn-Haltestellen, die Mensa oder PC-Pools. Ausgehend vom eigenen Standort führt die App den Nutzer per GPS-Signal zum gewünschten Ziel.
Praxistest: Die Fußgängernavigation der App soll uns von der Bibliothek zum ME-Gebäude führen. Manko: Anders als bei gängigen Navigationsfunktionen auf Smartphones zeigt die Orientierung von myUDE beim Start leider nicht an, wie weit der Weg bis zum Ziel ist.
Auf der Lotharstraße angekommen springt der rote Orientierungspfeil, vermutlich wegen eines schwachen GPS-Signals, manchmal in verschiedene Richtungen, was leicht verwirrend sein kann. Wer sich mit Navigations-Apps schon etwas auskennt, kommt aber problemlos ans Ziel.
Sucht man im Uni-Alltag schnell einen Computer, zeigt die App sogar die Auslastung der PC-Pools an und wo es noch freie Plätze gibt. Allerdings sieht man nicht direkt in einem Überblick, welcher der vielen PC-Pools der nächstgelegene ist - sondern muss jeden einzeln anwählen, um die Entfernung zu sehen. Auch ist die Bibliothek nicht als eigenes Ziel ausgewiesen. Die App kann den Nutzer aber zum LK-Gebäude führen, in dem die Bibliothek unterebracht ist.
Besonders für Erstsemester ist die Orientierungsfunktion sehr praktisch. Ihren Zweck erfüllt sie mit den genannten Einschränkungen zufriedenstellend.
- Note: 2-
Infos zu Studium und Bibliothek in der Campus-App myUDE
Studium
In der Rubrik "Studium" gibt es alle relevanten Informationen für die Studenten an der Uni Duisburg-Essen: Beispielweise Fristen und Termine, Kontakt zu den Fachschaften, Service-Nummern und Prüfungsordnungen.
Nützlich ist besonders die Übersicht "Was fällt heute aus". Hier wäre es vorstellbar, dieses Feature direkt im geplanten persönlichen Stundenplan anzuzeigen, damit man nicht extra unter allen ausfallenden Kurse nachschauen muss, ob der eigene dabei ist.
Auf Wunsch vieler Studierender wurde mittlerweile das Hochschulinformationssystem LSF, das unter anderem das Vorlesungs- und Raumverzeichnis beinhaltet, in die App integriert. Momentan wechselt die App noch in die eher unschöne Web-Ansicht des LSF-Systems, so auch bei vielen Unterrubriken. Sie sollen auf lange Sicht aber optisch ansprechender in die App integriert werden.
- Note: 2
Bibliothek
Auf der Suche nach Literatur in der Bibliothek kann man mit der myUDE-App schnell recherchieren, wo sich ein Buch befindet. Mit der eingebauten Suchfunktion entfällt also der Gang zum nächsten Computer. Die App zeigt an, in welchem Gebäude und Stockwerk das Buch steht. Auf der richtigen Etage angekommen, findet man das gewünschte Werk dann anhand seiner Signatur im Regal. Am Computer wird das Suchergebnis allerdings naturgemäß etwas ansehnlicher angezeigt. In der App öffnen sich mehrere Seiten, bis der Nutzer alle Informationen gesammelt hat.
Unerfahrene Nutzer können mit einem Audioguide - ähnlich wie in einem Museum - die Bibliothek kennenlernen. Die gesprochene Anleitung umfasst kurze Kapitel unter anderem zum Eingangsbereich, dem PC-Pool oder der Lehrbuchsammlung. Der Audioguide ist leicht verständlich und beantwortet den Großteil der Fragen. Falls es dennoch Unklarheiten geben sollte, kann man immer noch die Mitarbeiter der Bibliotheks-Information fragen.
Auf dem Weg durch die Bibliothek fällt leider ab und an das Uni- WLAN aus, die Buchsuche funktioniert aber ebenso gut über das Mobilfunknetz. Das WLAN der Universität wird aber kontinuierlich ausgebaut und auch in der Bibliothek zum Semesterstart erweitert, berichtet Guido Kerkewitz. Der Audioguide sollte allerdings aufgrund des hohen Datenvolumens im WLAN benutzt werden.
- Note: 2
Service
Unter "Service" findet der myUDE-Nutzer Hilfestellungen zu verschiedenen Themen. Das A-Z bietet eine Übersicht zu fast allen relevanten Institutionen und Fragen rund um die Uni Duisburg-Essen. Zudem können Studenten und Uni-Mitarbeiter in der Service-Rubrik von unterwegs ihre Uni-Mails checken. Ein Mail-Konto und eine "digitale Identität" erhalten die Studenten automatisch durch ihre Einschreibung. Bei allgemeinen Fragen erhalten die Studierenden telefonische Hilfe bei der Infoline der Uni.
Die weiteren Hilfestellungen im Service-Bereich sind technischer Natur: Erklärungen und Kontaktmöglichkeiten rund um PC, WLAN, eigene Uni-Kennung und weitere IT-Dienste.
Beliebte Ort auf dem Campus Uni Duisburg
Der Service-Bereich ist umfassend und hat auf viele Fragen eine Antwort oder den passenden Ansprechpartner parat. Es fehlt allerdings ein eigenes Portal für Erstsemester, das auf bestehende Informationen und Ansprechpartner, beispielsweise im Akademischen Beratungs-Zentrum Studium und Beruf, verlinkt.
- Note: 3
Moodle
Über die Lernplattform Moodle können die Studenten in Duisburg und Essen auf über 3000 Kurse und Material zugreifen. Kursmaterial als PDF auf einen Tablet-PC runterzuladen, ist sicherlich sinnvoll. Die Dateien dürften sich aber nur die wenigsten auf dem kleinen Bildschirm ihres Smartphones anschauen wollen.
- Note: 2-
Campus-App myUDE - Stellenmarkt, Kalender und Freizeitangebot
Stellenmarkt
Der uni-eigene Stellenmarkt ist auch in der myUDE-App abrufbar. Ob Studentische Hilfstkraft, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Sekretärin - die Stellenangebote sind bequem als PDF-Datei in der App lesbar. Samt Anschrift und Telefonnummer für den Erstkontakt.
- Note: 1
Mobilität
Die App hilft auch dabei, den Campus zu finden. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Uni fährt, findet unter "Mobilität" die Abfahrtszeiten von Bus und Bahn und des Shuttle-Busses zwischen den Campi in Essen und Duisburg. Ebenso wie die Apps des VRR und der Deutschen Bahn, zeigt myUDE sogar aktuelle Verspätungen an.
Klarer Vorteil von myUDE: Die App hat alle unirelevanten Haltestellen im Schnellüberblick parat, eine kleinteilige Suche ist nicht nötig. Zusätzlich gibt es Informationen zum Semesterticket.
Wer dagegen lieber mit dem Auto zur Uni fährt, kann sich über das Stauradar von autobahn.nrw.de informieren, ob die Autobahnen frei sind. Die An- und Abreise mit dem ÖPNV klappte beim Praxistest tadellos - die App zeigte zuverlässig die Verbindungen samt Verspätungen an. Diese Funktion lässt keine Wünsche offen.
- Note: 1+
Kalender
Im Kalender sind die wichtigsten Veranstaltungen an der Uni eingetragen. Ob Vortrag, Ringvorlesung oder Informationsveranstaltung - die App zeigt an, was an der Uni los ist. Oder los war: Der Kalender bietet auch die Möglichkeit, in der Vergangenheit zu stöbern. Mit der Suchfunktion kann man zudem gezielt nach einer Veranstaltung suchen.
- Note: 1-
Freizeit
Zum Zeitvertreib können die Studenten über die App das Campus-Radio hören. MyUDE weist den Nutzer vorab darauf hin, dass er hierbei mit einem WLAN verbunden sein sollte. Zudem ist das Programm des Campus-Kinos abrufbar. , Wer möchte, kann sich auch das Wetter für Duisburg und Essen anzeigen lassen. Echte Freizeittipps (bspw. der angrenzende Zoo, Sport treiben an der Regattabahn oder die besten Kneipen der Umgebung) würden die Rubrik bereichern.
Dafür hat die Rubrik mit dem Hochschulsport noch eine wichtige Funktion integriert. Studenten können sich nicht nur über die Angebote informieren, sondern Sport-Kurse direkt über die App buchen.
- Note: 2
Die Benutzerfreundlichkeit der Campus-App myUDE und Gesamtnote
Benutzerfreundlichkeit
Die myUDE-App ist sehr übersichtlich gehalten. Die zwölf Kategorien bieten dem Nutzer ein übersichtliches Bild und überfordern ihn nicht. Einige Funktionen sind jedoch etwas versteckt. Wenn man die App erkundet, erschließt sich ihre Systematik aber sehr schnell. Ein Favoritenordner in einem persönlichen Bereich der App wäre wünschenswert, sodass man oft genutzte Funktionen schneller anwählen kann.
Mit dem Home-Button oben rechts gelangt man aus den Untermenüs immer wieder zur Startseite. Dort gibt es oben rechts einen Info-Button, über den man mit dem Entwickler-Team des ZIM in Kontakt treten und Feedback geben kann - per Facebook, Twitter und Mail.
Abstürze oder Programmfehler traten während des Praxistests auf dem Campus nicht auf.
- Note: 2
Fazit
Fast 17.000 Mal ist die myUDE-App runtergeladen worden. Bei fast 40.000 Studenten nutzt sie also rein rechnerisch schon beinahe jeder zweite - und das durchaus zurecht. Die nützlichen Features können das Studentenleben erleichtern. Vor allem der digitale Mensaplan ist beim akademischen Nachwuchs beliebt. Auch die Orientierungs- und Mobilitätsfunktion helfen den Studenten auf dem Campus weiter. Auf ihre Nutzung der angesprochen, wird klar, dass die Studenten einige Rubriken - beispielsweise "Aktuelles" - fast gar nicht nutzen. "Sie dienen vor allem dazu, die App als Gesamtpaket zu vervollständigen", sagt auch Guido Kerkewitz.
Was Studenten von der myUDE-App halten
An einigen Stellen sollte die App künftig noch ergänzt werden. Ein persönlicher Stundenplan folgt mit dem nächsten Update. Ein Infobereich für Erstsemester sollte möglichst bald folgen und in die App integriert werde, da gerade die "Erstis" zur Zielgruppe gehören. Den Vergleich mit anderen Uni-Apps, wie sie die Ruhr-Uni in Bochum oder die WWU in Münster haben, muss myUDE aber nicht scheuen.
Das wird auch im iOS App Store deutlich: Dort glänzt myUDE bei - zugegeben nur 27 Bewertungen - mit vier von fünf Sternen. Die Rezensionen lesen sich fast durchweg positiv.
Viele Studenten komme auch ohne myUDE aus, das ging ja früher schließlich auch. Ein Download lohnt sich aber trotzdem - sowohl für Erstsemester als auch für alte Hasen. Denn die App kann mehr als nur den Weg zur nächsten Mensa anzeigen.