Siegen. Auch wenn manch Schreihals Ängste schürt: Gut, dass Siegen die Sorgen der Menschen ernst nimmt. Aber was darf sowas kosten, fragt sich Hendrik Schulz
Schon amüsant, wenn gewisse Anhänger gewisser sehr rechter Parteien auf Social Media jaulen, man könne ja in Siegen nirgends mehr hingehen, sei ja nirgendwo mehr sicher. Einer dieser „Trolle“ - es sind alles Männer, auch die, die sich hinter einem vermeintlichen Frauen-Profil verschanzen - forderte letztens sogar einen Mann dazu auf: „Gehen sie mal als Frau durch Siegen!“ Dabei lehnen diese Leute es doch vehement ab, wenn andere Menschen ihren Geschlechtseintrag ändern...
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Es sind nicht diese Dauerunzufriedenen allein, die im Zweifel die Siegener Innenstadt seit Jahren nicht mehr betreten haben, die das „subjektive Sicherheitsgefühl“ prägen. Aber es wird seit Jahren so sehr herbeigeschrien, dass Siegen ja nicht sicher sei und man quasi von „ausländischen Messermännern“ abgestochen werde, sobald man als unbescholtener Bürger auf die Straße tritt, dass es sich inzwischen in handfester Politik manifestiert. Es ist einerseits gut, dass die Stadt nicht nur auf Fakten pocht, sondern auch die Sorgen ihrer Bevölkerung ernst nimmt und darauf reagiert. Es gibt diese Straftaten ja auch, unbestritten. Aber nicht in der Menge und und noch weniger gegen unbescholtene Bürger. Das reden die Schreihälse nur herbei, weil es ihren politischen Zielen dient.
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Andererseits: Wieviel darf es sich eine Kommune mit den finanziellen Nöten Siegener Ausmaßes eigentlich kosten lassen, auf „Gefühle“ zu reagieren? Für Miete und Personal ist, noch hinter vorgehaltener Hand, von einer hohen sechsstelligen Summe die Rede. Es gibt die, die Angst haben in der Innenstadt, vor allem abends und am Wochenende. Das ist nicht wegzudiskutieren. Es gibt aber auch die, die keine Angst haben. Vor allem an den vielen, vielen Stunden, die die Woche außerhalb von abends und am Wochenende hat. Präsenz ist gut - und bereits vorhanden, auch ohne teure ASS. Vielleicht ist die Anlaufstelle genau das richtige Instrument, um das Gefühl von Sicherheit wiederherzustellen. Vielleicht zeigt sich nach einer gewissen Zeit aber auch, dass in der Innenstadt allermeistens einfach nur viele Menschen unterwegs sind.