Siegen. Die DRK-Kinderklinik ist gerettet - nun warnt der Kreis Siegen-Wittgenstein vor einer potenziell „existenzbedrohenden Gefahr“ fürs Diakonie Klinikum.

Der Siegener Rat wird am Mittwoch, 20. November, über eine Resolution „zum Erhalt der hochwertigen kinder- und jugendmedizinischen Versorgung in Siegen“ beraten. „Eine eigenständige Kinderklinik ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer regionalen Gesundheitsversorgung und darf durch strukturelle Planungen nicht gefährdet werden“, heißt es in dem von SPD, Grünen, UWG und Volt eingebrachten Entwurf.

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Minister und Landtag sollen darauf hingewiesen werden, dass es in NRW nur wenige Kinderkliniken mit so vielen spezialisierten Fachabteilungen gibt. „Gerade bei Notfällen gewährleistet das große interdisziplinäre Team, insbesondere in Bereichen wie der Allgemeinpädiatrie und Kinderchirurgie, eine deutlich schnellere und gezieltere Versorgung.“ Fachabteilungen wie Kinderdiabetologie oder Neuroorthopädie böten spezialisierte Behandlungen an, die andernorts nur mit langen Anfahrtswegen erreichbar seien. Besonders in Fällen, die eine engmaschige Betreuung erfordern – wie bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen, von denen in Siegen jährlich über 150 behandelt werden – sei eine ortsnahe Versorgung von herausragender Bedeutung. „Ein solches Behandlungszentrum darf daher nicht gefährdet werden. Ebenso gilt dies für die Versorgung von kleinsten Frühgeborenen und von Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen.“

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Sorgen um den Fortbestand der Kinderklinik wurden für den Fall laut, wenn die Neonatologie an das Jung-Stilling-Klinikum übertragen werden müsste und damit eine Intensivstation an der Kinderklinik nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben wäre. Daran hält das Gesundheitsministerium allerdings nicht mehr fest. Die vier Ratsfraktionen betonen den Standortvorteil, den die Kinderklinik für die Region darstellt: „Junge Familien können sich darauf verlassen, dass ihre Kinder im Notfall schnell und hochwertig medizinisch betreut werden.“ Zudem leiste die Klinik durch die Möglichkeit zur Facharztausbildung in Kinder- und Jugendmedizin einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Versorgung mit niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzten in Siegen und Umgebung.

Grüne Siegen-Wittgenstein: „Kinderklinik ist aus dem Gröbsten raus“

„Die DRK-Kinderklinik ist aus dem Gröbsten raus“, freuen sich denn auch Ulrich Schmidt-Kalteich und Meike Menn, die beiden Vorsitzenden der Grünen-Kreistagsfraktion. Die perinatale Versorgung verbleibe bei der DRK-Kinderklinik in Zusammenarbeit mit dem Jung-Stilling Klinikum. „Die Wegnahme hätte einen katastrophalen Dominoeffekt in der Kinderklinik ausgelöst, der in der Folge die Umsetzung großer Teile des Leistungsspektrums unmöglich gemacht und die Finanzierung der Kinderklinik mehr als nur in Frage gestellt hätte.“ Letztlich wäre der Versorgungsauftrag, den die Kinderklinik bisher erfüllt habe, nicht mehr umsetzbar gewesen. In ihrer Pressemitteilung verweist die Kreistagsfraktion auf die Unterstützung durch die Landtagsabgeordneten Simon Rock und Gregor Kaiser und durch Bundestagsabgeordnete Laura Kraft. „Den Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein dürfte eine Sorge genommen worden sein.“

Kreis: „Existenzbedrohende Gefahr“ für Siegener Diakonie-Klinikum Jung-Stilling

Für den Kreis Siegen-Wittgenstein hat sich Gesundheitsdezernent Thiemo Rosenthal mit einer zweiten Stellungnahme an das NRW-Gesundheitsministerium gewandt. „Sehr erfreulich“ seien die in der Planung vorgenommenen Änderungen: Die DRK-Kinderklinik bleibt Trägerin der Neonatologie und gibt sie nicht an das Diakonie-Klinikum Jung-Stilling ab, das Jung-Stilling-Klinikum behält die interventionelle Kardiologie. Das trage dazu bei, „den Status Quo der stationären Versorgung der Menschen im Versorgungsgebiet im Wesentlichen zu erhalten und langfristig zu sichern“.

Allerdings könne das Herauslösen von 16 Leistungsgruppen für das Diakonie-Klinikum zu einer existenzbedrohenden Gefahr werden. „Aus Sicht der Kreisverwaltung wäre es sinnvoll, vor allem die Leistungsgruppen aus den Disziplinen Kardiologie, Neurologie, Onkologie, Gynäkologie und Viszeralchirurgie dem Grunde nach zu erhalten, um die Versorgungssicherheit sicherzustellen.“ Die im Plan nicht mehr ausgewiesenen Leistungsgruppen hätten zu einem Zuwachs an fachlicher Expertise, der weiteren Etablierung moderner medizinischer Standards und damit auch zu einer Steigerung der Attraktivität des Standorts Siegen-Wittgenstein geführt. „Es ist zu befürchten, dass es zu einer Verschlechterung des Umfangs der medizinischen Versorgung der Region kommen wird.“

CDU drängt Siegener Landrat: „Auf den letzten Metern Position beziehen“

Die CDU-Kreistagsfraktion hatte die „dringende Bitte“ an Landrat Andreas Müller gerichtet, bei der Krankenhausplanung des Landes „auf den letzten Metern im derzeitigen Planungsprozess Position zu beziehen“. Anders als in anderen Regionen werde für Siegen der überregionale Einzugsbereich nicht berücksichtigt; im Gesundheitsausschuss hatten Politik und Klinikvertreter auf die Versorgung von Patienten aus den Nachbarländern Hessen und Rheinland-Pfalz in Siegen hingewiesen. „lnsofern ergibt sich aus unserer Sicht für Siegen-Wittgenstein eine Ungleichbehandlung innerhalb der Regionen.“  

Wichtig sei der Erhalt des kardiologisch-neurologischen Spektrums am Diakonie-Klinikum Jung-Stilling, „damit die bisherige umfassende Notfallversorgung erhalten bleibt“. Darüber hinaus verweist die CDU auf vorgesehene Kürzungen bei der Vamed-Klinik in Bad Berleburg sowie in den Bereichen Psychiatrie und Psychotherapie. „Hier wurde vielfältig der hohe Behandlungsbedarf von Patientinnen und Patienten thematisiert, weshalb es notwendig erscheint, hier die Kapazitäten weiter auszubauen.“

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In einem Schreiben an Gesundheitsminister Laumann dankt die CDU für die bisherigen Zugeständnisse, die den Erhalt der Neonatologie in der Trägerschaft der Siegener DRK-KInderklinik betreffen. „Das nun eröffnete Fenster und damit verbundene Option für eine weitere erfolgreiche gemeinsame Zukunft in der Kooperation von Kinderklinik und Jung-Stilling-Krankenhaus kann in seiner regionalen und überregionalen Versorgungs-Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden.“

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