Duisburg/Kreis Mettmann. . Mehrere Bürgerinitiativen haben nun Einblick in das Rohrbuch der CO-Pipeline erhalten. Sie zeigen sich entsetzt ob “unvorstellbarer Schlampereien“ beim Bau als auch bei der Aufsicht und kritisieren die “Low-Budget-Strategie“ von Bayer.

Selbst eine Pipeline hat ein Stammbuch: das Rohrbuch. Vom Gießen jeder Röhre bis hin zum Verschrotten soll das Rohrbuch bis auf die einzelne Schweißnaht genau dokumentieren, was da wie und wann im Boden verbuddelt wurde.

Dieses Rohrbuch konnten nun die Sprecher der Stopp-CO-Pipeline-Initiativen einsehen. Und sie sind entsetzt: „Da gab es unvorstellbare Schlampereien“, sagte Erich Hennen, Sprecher der Duisburger Bürgerinitiative COntra-Pipeline, im Hildener Bürgerhaus an der Mittelstraße. Und Dieter Donner aus Hilden ergänzte: „Man fragt sich, wieso die Bauaufsicht die Baustelle nicht stillgelegt hat.“

Detaillierte Kritik

Sehr detailliert belegten die Sprecher der Initiativen ihre Kritik an Bayer, der Baufirma Wingas und dem TÜV-Gutachter. Danach sind vor allem unter Straßenkreuzungen und bei Flussunterführungen zu dünne, schwächere Stahlrohre verlegt worden. Die Schweißnähte wurden danach vielfach nicht, wie eigentlich vorgeschrieben, zweifach geprüft. Und statt der sicheren Ultraschallmethode setzten die Ingenieure dabei billigeres Metallpulver ein. Wolfgang Cüppers aus Erkrath: „Damit erkennt man Risse an der Oberfläche, nicht aber Schwach­punkte in der Tiefe einer Schweißnaht.“

Zusammengefasst sehen alle drei Sprecher ihre Kritik an der CO-Pipeline mehr als bestätigt. Im Rohrbuch fehlten zahlreiche Eintragungen. Und es enthalte viele Fehler. Die Bauarbeiter hätten den Abschnitt „Dormagen-Monheim“ ins Baulos 2 „verlegt“, dabei gehöre dies zum südlicheren Baulos 1.

Zudem zeigen Fotos, die Wolfgang Küppers von der Pipeline-Baustelle an der Erkrather Max-Planck-Straße machte, dass die Leitung von einem Bagger „gerade gezogen werden musste“.

"Low-Budget-Strategie"

Fazit der drei Sprecher: Das Rohrbuch offenbare eine „Low-Budget-Strategie“ von Bayer. Und der Gutachter des TÜV Hessen zeichne diese blind ab, ohne die offensichtlichen Fehler zu hinterfragen.

Für die drei Klagen gegen das Planfeststellungsverfahren - ab Montag vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht - kommt diese Kritik nicht zum Tragen. Das Gericht werde nicht die technischen Details prüfen, sondern sich auf den Gutachter des TÜV und seine Unterschrift verlassen.

„Nur die Richter müssen wissen, dass bei einer erneuten Planfeststellung mit vielen hundert Klagen zu rechnen ist“, sagte Erich Hennen. Die Munition dafür liefere das Rohrbuch.