Essen. . Letztlich sei erst durch „Erbsenzählerei des Insolvenzverwalters“ der Prozess gegen Thomas Middelhoff ins Rollen gekommen, sagte der Essener Richter Jörg Schmitt. Insolvenzverwalter Görg war an Verfahren wie Babcock Borsig oder Agfa Photo beteiligt. Doch Arcandor war für ihn ein spezieller Fall.
Ohne die Insolvenz des einstigen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor hätte es das Strafverfahren gegen den früheren Konzernchef Thomas Middelhoff wohl nicht gegeben. Letztlich sei erst durch „Erbsenzählerei des Insolvenzverwalters“ der Prozess ins Rollen gekommen, sagte der Essener Richter Jörg Schmitt.
Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg war an Verfahren wie Babcock Borsig, Kirch Media und Agfa Photo beteiligt, doch Arcandor sei sein schwierigster Fall gewesen, sagte Görg vor vier Jahren, kurz nach dem Verkauf von Karstadt an den Geschäftsmann Nicolas Berggruen. Frühzeitig machte Görg dem früheren Arcandor-Management rund um Middelhoff schwere Vorwürfe.
Görg hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen
„Es sind auch Investitionsmittel nicht so in die Warenhäuser geflossen, wie es hätte sein müssen. Zum Teil sind sie sogar regelrecht fehlgeleitet worden“, sagte Görg im Gespräch mit unserer Redaktion. Sätze, die heute aktueller denn je klingen.
Aus der Öffentlichkeit hat sich Görg mittlerweile weitgehend zurückgezogen. Arcandor-Insolvenzverwalter ist heute Hans-Gerd Jauch, ein Cousin von Fernsehmoderator Günther Jauch.
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Middelhoffs umstrittene Flüge, Boni und Abfindungen
Nach wie vor laufen juristische Auseinandersetzungen zwischen dem Insolvenzverwalter und Middelhoff. Jauch fordert rund 3,4 Millionen Euro von ehemaligen Arcandor-Konzernchef. Das Landgericht Essen hatte Middelhoff im September 2013 in einem Zivilverfahren dazu verurteilt, diese Summe an die Insolvenzverwaltung zu überweisen. Es geht nicht nur Middelhoffs umstrittene Flüge, sondern auch um Boni und Abfindungen, die er zu Unrecht erhalten haben soll.
Middelhoff verfügt allerdings über eine Managerversicherung, die vermutlich im Fall des Falles einspringt. Am 10. Dezember will sich das Oberlandesgericht Hamm zu dem Fall äußern. Dann wissen auch die „Erbsenzähler“ Görg und Jauch mehr.
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