Berlin. Der US-Präsident hat mit beiden Kriegsparteien telefoniert. Trump strebt Friedens-Verhandlungen an und will Putin in Saudi-Arabien treffen.

US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin werden sich „in nicht allzu ferner Zukunft“ treffen, kündigte Trump am Mittwoch im Weißen Haus an. Das Treffe werde vermutlich in Saudi-Arabien stattfinden, es soll um eine Lösung für ein Ende des russischen Kriegs gegen die Ukraine gehen.

Zuvor hatten Trump und Putin telefoniert und unter anderem über den Krieg in der Ukraine gesprochen. Das teilte Trump im Anschluss an das Gespräch auf der Online-Plattform Truth Social mit. Die beiden hätten sich über die Vorteile einer zukünftigen Zusammenarbeit ausgetauscht. „Zunächst aber, da waren wir uns beide einig, wollen wir das Sterben von Millionen im Krieg zwischen Russland und der Ukraine beenden.“

Beide Seiten wollen sofort mit den Verhandlungen beginnen. „Und wir fangen mit einem Anruf bei Präsident Wolodymyr Selenskyj an, und informieren ihn von unserem Gespräch.“ Das wolle Trump „jetzt gleich“ machen.

Weitere Themen seien der Nahe Osten, Energie, Künstliche Intelligenz und der US-Dollar gewesen. „Wir haben vereinbart, dass wir zusammenarbeiten wollen, sehr eng, da gehört auch ein gegenseitiger Besuch dazu“, schrieb Trump weiter.

Donald Trump und Wladimir Putin
Wladimir Putin (l), Präsident von Russland, und Donald Trump, damals Präsident der USA, unterhalten sich auf dem G20-Gipfel 2017. © DPA Images | Evan Vucci

Kreml bestätigt Gespräch zwischen Trump und Putin

Aus dem Kreml hieß es, Putin habe seine Bereitschaft erklärt, Repräsentanten des Weißen Hauses in Russland zu empfangen – auch zur Lösung des Ukraine-Konflikts, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Putin und Trump haben auch die Fortführung persönlicher Kontakte verabredet, darunter auch die Organisation eines persönlichen Treffens.“ Putin habe Trump nach Moskau eingeladen.

Er verwies in dem Telefonat aber darauf, dass Russland auf eine Beseitigung der Ursache des Konflikts bestehe. Nach Darstellung Moskaus wurde der russische Angriffskrieg durch das Streben der Ukraine in die Nato und die angebliche Unterdrückung der russischsprachigen Minderheit verursacht.

Selenskyj und Trump telefonieren – ebenfalls Treffen in Aussicht

Knapp eine Stunde später bestätigten beide dann bei X und Truth Social, dass sie miteinander telefoniert hatten. „Wir haben eine ganze Reihe von Themen im Zusammenhang mit dem Krieg besprochen“, schrieb Trump. „Vor allem aber ein Treffen, das für Freitag in München angesetzt werden soll“, so der US-Präsident weiter.

In der bayerischen Landeshauptstadt beginnt am Freitag die Münchener Sicherheitskonferenz. US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident J.D. Vance sollen dort den ukrainischen Präsidenten treffen. „Ich bin voller Hoffnung, dass dieses Treffen einen positiven Ausgang hat.“ Es sei Zeit, „diesen lächerlichen Krieg zu beenden“, schrieb Trump.

Ukraine-Krieg - Bessent
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hat ebenfalls mit Donald Trump telefoniert. © DPA Images | Volodymyr Tarasov

Selenskyj schrieb seinerseits über das Telefonat, er habe eine „bedeutungsvolle Konversation“ mit dem US-Präsidenten geführt. Sie hätten „lange über Möglichkeiten, einen Frieden zu erzielen“ gesprochen. Dabei sei es auch um die Bereitschaft der Ukraine gegangen, auf „Teamebene mit den USA zusammenzuarbeiten“. Er danke Trump für sein Interesse am gemeinsam Erreichbaren. Der US-Präsident habe zudem über Details aus seinem Telefonat mit Putin gesprochen.

„Niemand will den Frieden mehr als die Ukraine“, so Selenskyj. Zusammen mit der US-Regierung plane man die nächsten Schritte, „die russische Aggression zu stoppen und einen dauerhaften, zuverlässigen Frieden sicherzustellen“.

Der Chef der ukrainischen Präsidialverwaltung, Andrij Jermak, sagte, Selenskyj habe „den Standpunkt der Ukraine bekräftigt, nämlich, dass es wichtig ist, dass dieser Krieg mit einem gerechten Frieden endet“. Trump und Selenskyj hätten vereinbart, dass ihre Teams „unverzüglich“ beginnen sollten, zusammenzuarbeiten, fügte Jermak an. Dieser „tägliche Arbeitsprozess“ werde nach der am kommenden Wochenende stattfindenden Münchner Sicherheitskonferenz beginnen. Es werde „sehr bald“ ein persönliches Treffen Trumps mit Selenskyj geben. Die Ukraine werde aber weiterhin jeglichen Kompromiss zu ihrer Unabhängigkeit, territorialen Integrität und Souveränität ablehnen.  

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US-Engagement in Europa wird deutlich zurückgefahren

Was genau Trump und Putin im Zusammenhang mit einem möglichen Ende des Krieges in der Ukraine besprochen haben, hatte Trump nicht gesagt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte am Mittwoch allerdings, es sei unrealistisch, dass Kiew in die Nato aufgenommen werde.

Jegliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine müssten zudem von „fähigen europäischen und nicht-europäischen Truppen“ gewährleistet werden. US-Soldaten würden dafür nicht in die Ukraine entsandt werden. Einen Nato-Einsatz in dem von Russland angegriffenen Land schloss Hegseth aus.

Zwar bekennt sich Trumps Regierung zum transatlantischen Bündnis, fordert aber ein weitaus größeres Engagement der Europäer – vor allem höhere Verteidigungsausgaben. Die europäischen Verbündeten müssten die Verantwortung für die Sicherheit auf ihrem Kontinent übernehmen.

Hegseth kündigte an, Europa müsse künftig den überwiegenden Teil der militärischen Hilfen für die Ukraine stemmen. Die USA hätten sich auf andere Herausforderungen zu konzentrieren - etwa darauf, die eigenen Grenzen zu sichern und einen Krieg mit China zu verhindern.

Ebenso deutete der US-Verteidigungsminister an, dass die ukrainischen Grenzen von vor 2014 nicht wieder hergestellt würden. „Dieses illusorische Ziel zu verfolgen, wird den Krieg nur verlängern und mehr Leid verursachen“, sagte er.

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Herber Rückschlag für die Ukraine

Für die Ukraine sind die Ansagen ein herber Rückschlag, der sich allerdings seit längerem angedeutet hat. Kiew hat zwar nie offiziell das Ziel der Rückholung aller von Russland kontrollierten Gebiete aufgegeben, aber zuletzt rückten Selenskyj und sein Team zunehmend eine diplomatische statt militärische Lösung des Konflikts in den Vordergrund.

Ein faktischer, aber juristisch nicht anerkannter ukrainischer Gebietsverzicht kursiert bereits seit Wochen als Variante für eine mögliche Friedenslösung. Ein von Russland geforderter und jetzt von den USA formulierter Verzicht auf einen Nato-Beitritt des unbesetzten Teils der Ukraine wurde in Kiew ebenso bereits als Gefahr erkannt. 

In Europa bestätigt sich eine düstere Ahnung

Für viele europäische Partner der Ukraine bestätigen sich mit den Ansagen der US-Regierung die schlimmsten Befürchtungen. In Brüssel und anderen Hauptstädten ging bereits zuvor die Sorge um, dass die USA ihre Unterstützung drastisch zurückfahren und eine Friedenslösung erzwingen könnten, aus der Russland faktisch als Sieger hervorgehen könnte.

Besonders problematisch ist der Kurs der USA, weil er auch die EU spalten könnte. Schon in den vergangenen Monaten hatte Ungarn immer wieder auf europäischer Ebene Unterstützungsentscheidungen für die Ukraine blockiert. Ministerpräsident Viktor Orban dringt wie Trump auf schnelle Verhandlungen.

Zudem gilt es als höchst unwahrscheinlich, dass die EU finanziell und militärisch überhaupt in der Lage wäre, der Ukraine alleine eine erfolgreiche Fortsetzung des Abwehrkampfes gegen Russland zu ermöglichen. In Berlin und anderen europäischen Hauptstädten wurde bislang nicht einmal eine Ukraine-Friedenstruppe ohne US-Beteiligung für denkbar gehalten. 

Trump: „Niemand darf mehr sterben“

US-Präsident Trump sprach bei Truth Social davon, dass er seinen Außenminister Marco Rubio, CIA-Chef John Ratcliffe und Sicherheitsberater Michael Waltz angewiesen habe, die Verhandlungen zu führen. „Ich glaube sehr fest daran, dass sie erfolgreich sein werden“, so Trump. „Millionen Menschen“ seien in dem Krieg ums Leben gekommen. „Niemand darf mehr sterben.“

Trump hatte im Wahlkampf immer wieder behauptet, er könne den Ukraine-Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden – unter anderem wegen seiner guten Kontakte zu Putin. Die Frist verstrich nach seinem Start im Amt jedoch ohne Ergebnis. Seit seinem Amtsantritt hatte Trump wiederholt auffallend ausweichend auf Nachfragen reagiert, ob er seit seiner Vereidigung bereits mit dem Kremlchef telefoniert habe. Er hatte jedoch auch da schon ein baldiges persönliches Treffen mit Putin ins Gespräch gebracht. 

Trump war in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) immer wieder ein Schmusekurs mit Putin vorgeworfen worden. Traditionelle US-Verbündete wie Deutschland hatte er dagegen immer wieder düpiert und damit auch dem Kremlchef in die Hände gespielt.