Witten. Der islamistische Anschlag von München wirkt sich bis nach Witten aus. So will die Polizei die Demo gegen rechts an diesem Samstag schützen.

Die Polizei zieht aus dem jüngsten Anschlag in München gewisse Konsequenzen für die geplante Demo gegen rechts an diesem Samstag (15.2.) in Witten. Ein Mann aus Afghanistan war bekanntlich während einer Verdi-Demonstration in die Menge gefahren und hatte zahlreiche Menschen verletzt, teilweise lebensgefährlich.

Ein Polizeifahrzeug fährt vorneweg, ein weiteres folgt am Ende des Zuges in Witten

„Wir sind wegen München noch mal zusätzlich sensibilisiert und haben das Sicherheitskonzept noch mal geprüft“, sagte ein Polizeisprecher für Witten am Freitag (14.2.) auf Anfrage. „Wir werden mit entsprechenden Kräften vor Ort sein.“ Wie bei solchen Demonstrationen üblich werde ein Polizeifahrzeug vorneweg fahren, ein weiteres folgt wie in München am Ende.

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Zwei uniformierte Motorradpolizisten werden den Protestzug zusätzlich schützen. „Die Kollegen auf den Krädern sind superflexibel“, so der Sprecher. Die Beamten werden unterwegs Kreuzungen und Straßen kurzzeitig sperren. Es ist davon auszugehen, dass außer den Polizisten, die den Zug durch die Innenstadt direkt begleiten, zahlreiche Einsatzkräfte im Hintergrund für den Fall der Fälle bereitstehen. Das ist normal und steht in keinem direkten Zusammenhang mit den Ereignissen in München.

AfD baut Info-Stand am Rathausplatz in Witten auf

Die Polizei wird bei der um elf Uhr beginnenden Demo darauf achten, dass es keine direkte Begegnung mit der AfD gibt, gegen die sich der Protest unter anderem richtet. Die Rechtspopulisten haben einen Info-Stand im Bereich Rathausplatz angekündigt. Wo genau die Demonstranten auf ihrer Route durch die City dreimal für Redebeiträge stoppen, will der Veranstalter aus Sicherheitsgründen im Vorfeld nicht bekanntgeben. Man habe weniger Angst vor möglichen Islamisten als vor „einem Angriff von Rechtsextremen“, sagt Demo-Anmelder Stefan Borggraefe vom Bündnis „Ennepe-Ruhr stellt sich quer“ (ENSSQ).

Demonstration gegen AfD und gegen rechte Extremisten in Witten
Eine große Menschenmenge hatte sich am 24. Januar 2024 vor dem Saalbau gebildet, aus Protest gegen den „Bürgerdialog“ der AfD in Wittens guter Stube. © FUNKE Foto Services | Jürgen Theobald

Nach Schwelm und Herdecke trägt ENSSQ den Protest unter dem Motto „Herz statt Hetze. Deine Stimme zählt“ nun nach Witten. Zu dem bunten Bündnis gehören neben zivilgesellschaftlichen Kräften Parteien wie SPD, Grüne, Linke, Die Partei und das Bürgerforum. „Die CDU ist leider nicht dabei“, so Borggraefe, der lange für die Piraten im Wittener Stadtrat saß. Beim Plakatemalen hätten auch die Caritas und das Kijami-Café geholfen.

Demo in Witten ist gar keine direkte Reaktion auf die Abstimmung mit der AfD im Bundestag

Der 48-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass man mit der Demo gegen rechts bewusst noch Einfluss auf die Bundestagswahl in einer Woche nehmen wolle. „Wir rufen dazu auf, zur Wahl zu gehen und eine Partei zu wählen, die sich für demokratische Werte wie Solidarität und Menschenrechte einsetzt.“ Anders als Beobachter vielleicht dachten, ist die Demo ursprünglich gar keine direkte Reaktion auf die heftig kritisierte Asyl-Abstimmung der CDU mit AfD-Stimmen vor zwei Wochen im Bundestag.

Demonstration gegen AfD und gegen rechte Extremisten in Witten
Ein starkes Polizeiaufgebot schützte den Veranstaltungsort für den AfD-Bürgerdialog vor einem Jahr in Witten. Der Platz vor dem Saalbau wurde damals abgesperrt. © FUNKE Foto Services | Jürgen Theobald

„Wir hatten die Demonstration schon vorher geplant, wegen des allgemeinen Rechtsrucks“, sagt Stefan Borggraefe. Da habe man aber nur um die 100 Teilnehmer erwartet - und den Platz vor der Stadtgalerie als Startpunkt für ausreichend gehalten. Erst mit dem von vielen als „Tabubruch“ empfundenen Abstimmungsverhalten der Merz-Fraktion im Bundestag zog die geplante Demo in Witten immer größere Kreise. Nun erwartet ENSSQ mindestens 500 Menschen, die auf die Straße gehen - und am Saalbau loslaufen.

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