Tostedt. Schnäppchenjäger, Landfrauen und Einwohner feiern gemeinsam größten Trödelmarkt Norddeutschlands. Die schönsten Bilder vom Mega-Event.
Der Wettergott muss ein Flohmarktfan sein: Mehr als 50.000 Besucher haben sich am Sonnabend zum Töster Flohmarkt im Landkreis Harburg aufgemacht – die Veranstalter hatten (sich) nicht zu viel versprochen. Bei herrlichen Spätsommertemperaturen stöberten die angereisten und heimischen Schnäppchenjäger stundenlang in den Straßen der kleinen Samtgemeinde und ließen sich nach Strich und Faden von den kulinarischen Angeboten verwöhnen, die etwa Landfrauen oder das Backteam des Heimatvereins für sie vorbereitet hatten.
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Darüber hinaus sorgten zahlreiche Imbissstände mit herzhaften und süßen Spezialitäten dafür, dass niemand hungrig über den Markt schlendern musste. Denn das war schon immer so bei diesem Flohmarkt, dessen 50-jährige Geschichte eng mit der von Hannelore Gülck zu tun hat. Sie ist eine der Mitbegründerinnen des Markts.
Töster Flohmarkt 2024: Wieder kamen Zehntausende Trödelfans ins kleine Tostedt
Omas flottes Hütchen auf dem Kopf, schenkte sie am Himmelsweg, der „Keimzelle“ des Töster Flohmarkts, in „Lilos Laube“ Wein und Federweißen aus und bot herrlich duftenden Zwiebelkuchen an. Jahrelang zog der blau gestrichene Gartenpavillon, der nach Hannelores Schwägerin, Lilo Gülck, benannt worden war, dort Leutchen zum Klönschnack an.
„Lilos Laube“ war von Anfang an eine Institution auf dem Flohmarkt in Tostedt
„Lilos Laube“ war von Anfang an eine Institution“, schwärmt Hannelore Gülck. Noch immer ist der Stand ein beliebter Treffpunkt, auch wenn sich im Laufe der Jahre einiges geändert hat: So ist der alte Pavillon mittlerweile durch einen modernen Stand ersetzt, der mit dem Namen „Annes Theke“ auf die aktuelle Wirtin verweist, nämlich Hannelores Tochter Anne-Katrin Gülck. Seit 2019 verkauft sie gemeinsam mit ihrer Ehefrau Dorthe March, Mutter Hannelore sowie einigen Helfern an der Johanneskirche Federweißen, Weißwein und Schmalzbrot.
Im vergangenen Jahr schenkte das Damen-Trio, das all das Schleppen von Getränken zum Stand ohne männliche Hilfe managt, 30 Liter Federweißen sowie 42 Liter Weißwein aus.
Die Einnahmen spendete die Frauen ans Buchholzer Hospiz
Das, was nach Abzug der Kosten übrig bleibt, haben die Betreiberinnen von „Annes Theke“ in den Vorjahren dem Hospiz Buchholz gespendet. In diesem Jahr möchten sie die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) bedenken. Und das aus gutem Grund: Nachdem Dorthe March die Diagnose Leukämie erhalten hatte, fand sie einen passenden Stammzellenspender und ist nun sehr glücklich und erleichtert, von dem grausamen Blutkrebs geheilt zu sein, wie ihr ihre Ärztin bestätigte.
Ihre Frau Anne-Katrin hat sie mit dem Flohmarkt-Virus angesteckt. Sie ist nämlich schon seit ihrer Kindheit Flohmarktfan, verhökerte gemeinsam mit ihrem Vater das, was zuhause nicht mehr gebraucht wurde, und steuerte „Lilos Laube“ an, wann immer sie mit der Mutter, Freunden und Bekannten klönen wollte. Natürlich gab und gibt es bei den verantwortungsbewussten Damen nicht nur Alkoholisches, sondern auch Wasser und Apfelsaft.
„Gerade diese „Staubfänger“ gehen besonders gut weg!“
Gleich in der Nachbarschaft von „Annes Theke“ am Himmelsweg verhökern Maren Beerbohm, ihr Mann Jens Becker und Tochter Ida gemeinsam mit Marens Schwester Meike von Kodolitsch zum nunmehr fünften Mal Klamotten, Bücher, Spielzeug und Nippes von Oma. „Gerade diese „Staubfänger“ gehen besonders gut weg“, schmunzelt Jens Becker, der morgens um 5.30 Uhr den Transport der Waren zum Himmelsweg wuppt und den Stand aufbaut. Maren Beerbohm freut sich, dort immer mal wieder alte Bekannte oder ehemalige Mitschüler zu treffen, die schon lange nicht mehr in Tostedt wohnen.
So kaufte ihr eine ihr zunächst unbekannt erscheinende Frau ein Kleid ab, die sich danach als damalige Mitschülerin zu erkennen gab. Die Freude über das Wiedersehen war auf beiden Seiten groß. „Immer wenn ich es trage, werde ich an dich denken.“ Diese Worte hat Maren in ihr Herz geschlossen. Jens Becker und die 14-jährige Ida unterstützen sie gut gelaunt beim Anpreise ihrer Waren. Die Tochter ist derart begeistert vom Töster Flohmarkt, dass sie seit letztem Jahr auch aktiv im Flohmarktteam mitarbeitet.
Ebenfalls ein Flohmarktfan seit frühester Jugend ist Angela Jende-Voß. Auch sie erinnert sich noch an den Trubel, als der Flohmarkt nur auf den Himmelsweg beschränkt war. Seit der Erweiterung des Marktes baut sie regelmäßig einen Stand an der Bahnhofstraße 3 vor dem ehemaligen Schuhhaus Schröder auf, dessen Inhaberin sie lange gewesen war. Jedes Jahr inspiziert sie zuhause ihre Schränke nach dem, „was so weg muss“, wie sie sagt.
Mehr als 50.000 Flohmarktfans fluten Dorf bei Hamburg: „Es macht großen Spaß“
Lange Zeit gehörte neben Haushaltswaren und aussortierter Kleidung, Spielen und Puzzles auch Kinderspielzeug dazu. „Irgendwann geht alles weg“, fasst die Tostedterin ihre Erfahrungen zusammen. Ihr geht’s aber nicht primär ums Verkaufen. „Es macht großen Spaß, weil man so viele Leute trifft.“
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Dazu zählen viele Bekannte, etliche Ortsansässige, aber auch Freunde von weiter her, die sich den Flohmarkttermin im Kalender markiert haben, denn „der Tostedter Flohmarkt hat Tradition“, so Angela Jende-Voß. Seit rund 35 Jahren genießt sie gemeinsam mit Ehemann Michael Voß alljährlich Verkaufstrubel und Klönschnack – sowie den Après-Flohmarkt in der Tostedter Kneipe „To’n Dieckhof“.