Wittgenstein. Hilfsbereitschaft der Wittgensteiner überwältigt die Organisatoren der Sammelstellen. Es gibt gute Gründe für den Annahmestopp, der folgte.

Die Hochwasserkatastrophe hat eine Welle der Hilfsbereitschaft erzeugt. Auch in Wittgenstein formierten sich seit Freitag spontan private Initiativen, die Kleidung, Lebensmittel, Tiernahrung, Möbel aber auch Geld für die Menschen in den Katastrophengebieten gesammelt haben. Dabei wurden die Helfer in den schnell eingerichteten Sammelstellen wie im Gemeindehaus in Raumland, bei René Marburger in Girkhausen, aber auch in Puderbach, der Mehrzweckhalle Banfe, dem Soldatenheim in Erndtebrück an ihre Grenzen gebracht. Schnell machte deshalb auch der „Spendenstopp“ die Runde.

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Spenden für Flutopfer in Erndtebrück: Am ehemaligen Soldatenheim und in der Schützenhalle wird auf private Initiative in Erndtebrück gesammelt. Bereits am Mittag sind die Kapazitäten am Soldatenheim erschöpft und leiten in die Schützenhalle um. Die Helfer sind von der Spendenbereitschaft überwältigt.
Spenden für Flutopfer in Erndtebrück: Am ehemaligen Soldatenheim und in der Schützenhalle wird auf private Initiative in Erndtebrück gesammelt. Bereits am Mittag sind die Kapazitäten am Soldatenheim erschöpft und leiten in die Schützenhalle um. Die Helfer sind von der Spendenbereitschaft überwältigt. © WP | Lisa Klaus

„Vor etwas mehr als 30 Stunden haben sich ein paar Menschen Gedanken gemacht, wie sie mit ihren Mitteln den Flutbetroffenen helfen können. Und es wurde der Plan gefasst einen Kleinbus, vielleicht sogar mit Anhänger, mit Sachspenden Richtung Krisengebiet zu bringen. Aus der leisen Hoffnung, genug Spenden für diesen Kleinbus zusammen zu bekommen ist etwas Überwältigendes geworden“, schreiben die Organisatoren Matthias Spornhauer und Nick Zode und sagen damit zugleich Danke und entschuldigen via WhatsApp sich dafür, dass sie am Samstagabend die Annahme stoppen mussten. Vor allem über die Sozialen Netzwerke wie Facebook oder WhatsApp-Gruppen organisierte sich diese Sammelaktion, bei der der Erndtebrücker Matthias Spornhauer und der Puderbacher Nick Zode oder Martin Vahland aus Banfe oder Andreas keil aus Erndtebrück zum Spenden aufgerufen haben. Die Burschenschaft Beddelhausen rief via Instagram zu Geldspenden auf. Dafür stellt sie Spendenboxen in der Bäckerei Hüster aber auch am Sonntag am Sportplatz in Beddelhausen auf.

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Spontane Hilfsbereitschaft

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Kaum waren die Spendenaufruf am Samstagabend auf vielen sozialen Netzwerken online, setzten sich zahlreiche Menschen in Bewegung, um den Opfern in der von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten in Nordrhein-Westfalen mit Gütern zu helfen. Gesammelt wurden haltbare Lebensmittel, Tierfutter, gut erhaltene Bekleidung, Kinderspielzeug, Heimtextilien oder Pflegemitteln. Schon bald stapelten sich die Güter in den Sammelstellen.

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Vor dem Soldatenheim und der Schützenhalle in Erndtebrück stauen sich teilweise die Autos – die Menschen wollen unbedingt spenden und sprengen damit schon wenige Stunden nach Sammelbeginn an der Talstraße die Kapazitäten der privat organisierten Sammlung. „Wir schließen uns der Sammlung in Puderbach an. Wir sind jetzt schon überwältigt von der Spendenbereitschaft der Menschen und ich bin froh, dass wir jetzt noch die Schützenhalle als Zwischenlager bekommen haben“, berichtet Andre Keil, der die Sammlung organisiert hat. In die Schützenhalle leiten die Helfer bereits am Vormittag die Autos um, die Kleidung, Spielsachen, Lebensmittel und Tiernahrung zur Sammelstelle bringen. „Von der Schützenhalle aus holen dann die Puderbacher die Güter ab und bringen sie in die betroffenen Gebiete“, so Keil.

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Schnell stapeln sich auch dort die Säcke und Kartons für die Flutopfer. Spontan bot auch Ofenbau Birkelbach seine Hilfe an und sprang mit seinen Transportern ein, um die Hilfsgüter zur Schützenhalle zu bringen.

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Am Gemeindehaus in Raumland ist es das gleiche Bild. Hier sind in kürzester Zeit zehn Tonnen Hilfsgüter zusammengekommen - Vom Volumen her genug um zwei 40-Tonner zu beladen: „Die Hilfe ist überwältigend!“, sagt Christian Schneider vom evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein. Eingeklinkt in die spontane Aktion haben sich unter anderem der Hagebau-Markt Bad Berleburg, der eine große Menge Umzugskartons zur Verfügung gestellt hat, die Initiative „Perspektive Zukunft“ des evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein, der Jugendförderverein, sowie eine Vielzahl an Privatpersonen, die ihre Mithilfe beim Transport in die Katastrophengebiete erklärt haben.

Gute Gründe für Annahmestopp

Im Gemeindehaus in Raumland stapeln sich die Hilfsgüter. Kleidung, Spielzeug, Tiernahrung. Alles wird gebraucht. Allerdings sind die Lagerkapazitäten der privaten Initiative von Matthias Spornhauer und Nick Zode schnell erschöpft.
Im Gemeindehaus in Raumland stapeln sich die Hilfsgüter. Kleidung, Spielzeug, Tiernahrung. Alles wird gebraucht. Allerdings sind die Lagerkapazitäten der privaten Initiative von Matthias Spornhauer und Nick Zode schnell erschöpft. © WP | Christiane Sandkuhl

Noch im Laufe des Samstagnachmittags musste die Annahmestelle in Raumland geschlossen werden, denn so die Organisatoren: „Mit derartiger Hilfsbereitschaft haben selbst wir nicht gerechnet, darauf war hier vor Ort niemand gefasst.“ Die Gegenstände, die für das Notstandsgebiet in und um Ahrweiler gedacht sind und dort nicht benötigt werden, werden in andere Flutkatastrophengebiete transportiert, was aber auch in diesem Fall erst später entschieden werden soll.

Während die einen mit der Annahme und Sortierung beschäftigt waren, haben sich anderem weiter um „Kontakte in die Krisengebiete“ bemüht, berichten Zode und Spornhauer auf WhatsApp. Es wurden Kontakte auf allen Ebenen ausgespielt, über DRK, THW, Politik, Kreise- und Kommunalverwaltungen, Katastrophenschutz, Bundeswehr und anderen Hilfsorganisationen. Dabei kam immer wieder die gleiche Rückmeldung: „Danke, aber bringt uns erstmal keine Sachspenden mehr. Natürlich ist diese Nachricht für alle Helfer und Spender erst einmal frustrierend, aber sie hat gute Gründe. Wer die Bilder der Zerstörung und die Nachrichten gesehen hat, dem ist nicht entgangen, dass nicht nur private Haushalte betroffen sind, sondern unter anderem ganze Landstriche und damit auch die Infrastruktur weggeschwemmt wurde. Einige Orte sind mit Fahrzeugen immer noch nicht erreichbar, die wenigen großen Gebäude, die noch nutzbar sind, reichen als Notunterkunft gerade so um die Menschen unterzubringen.“