Kreuztal. „Ambitioniert“ nennt Bürgermeister Walter Kiß das Programm für die nächsten Jahre: Vom Freibad über Bürgerforum und Schulen bis zum „Grünen Ring“.
Duschen und Startblöcke im Buschhüttener Freibad sind abgebaut, die Hecke weggesägt. Das Team der Badeaufsicht arbeitet Spielgeräte und die demontierten Umkleidekabinen auf; sie werden in den drei Naturfreibädern weiter verwendet. Draußen ist die Straße aufgerissen. Für den Mattenbach, der auf dem Freibadgelände offengelegt wird, wird ein neues Rohr verlegt. In den Schwimmbecken im Buschhüttener Freibad dümpelt abgestandenes Wasser. Der Abbruchbagger kann kommen.
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Das Investitionspaket
Acht Millionen Euro investiert die Stadt in die Runderneuerung des Bades. Nach wie vor, so Kämmerer Michael Kass, stehe das „ehrgeizige Ziel“, im Mai 2026 wiederzueröffnen. Das Freibad ist nur eines von mehreren großen Vorhaben, die die Stadt im nächsten Jahr stemmt. 31,3 Millionen Euro stellt der Kreuztaler Haushalt für Investitionen bereit, ungefähr drei Mal so viel wie in den beiden Vorjahren. „Ein ambitioniertes Programm“, sagt Bürgermeister Walter Kiß bei der Vorstellung des Haushalts. Was fast untertrieben klingt.

Abwasserbeseitigung, Erschließung und Straßenbau sind die klassischen Bereiche, in denen viel Geld verbaut wird. In diesem Jahr kommen die Schulen dazu. Die Erweiterungen für den offenen Ganztag an den Grundschulen Eichen, Fellinghausen, Kredenbach, Buschhütten und Dreslers Park schlagen allein mit 11,4 Millionen Euro zu Buche, in den Jahren danach mit weiteren 8,65 Millionen Euro. Weiterer großer Brocken: der „Schwarze Weg“ als Teil der Nord-Süd-Radvorrangroute von Eichen bis Langenau, insgesamt knapp sechs Millionen Euro teuer. Die Stadt beziffert ihren Anteil auf drei Millionen Euro, von denen zwei in 2025 und eine in 2026 bereitgestellt werden.
Feuerwehrgerätehaus, Wasserwerk, Flüchtlingsunterkünfte
Dann der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Ferndorf/Kredenbach auf dem ehemaligen Bub-Gelände, der mit 3,2 Millionen Euro veranschlagt wird. Schließlich der Umbau der ehemaligen Spedition am Aherhammer in Ferndorf für das Wasserwerk, das dorthin umziehen soll. Investieren muss die Stadt in die Flüchtlingsunterkünfte: Das Gebäude der ehemaligen Firma Pospischil am Leyberg wird dazu umgebaut, die Kapazität in der ehemaligen Grundschule Eichen wird erweitert, und auch in die ehemalige Anwaltskanzlei an der Ecke Siegener Straße/Bahnhofstraße werden Geflüchtete einziehen.
Zuversicht für Eichen
Bürgermeister Walter Kiß ist zuversichtlich, was die Zukunft des Thyssenkrupp-Steel-Standorts Eichen angeht: „Ich gehe davon aus, dass unsere Bemühungen Erfolg haben werden.“ Das vom Vorstand des Unternehmens vorgelegte Papier sei „ohne Konzept“. Die Perspektiven seien zudem so langfristig, „dass ich das den Leuten nicht vier Wochen vor Weihnachten vor den Latz knallen muss“, sagte Kiß, der aus seinem Ärger über den Umgang mit der Belegschaft keinen Hehl macht. „Ich bin überzeugt: Da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.“
Ein eigenes Kapitel ist der Wiederaufbau des abgebrannten Bürgerforums, der mit der Erweiterung des Schulzentrums verbunden wird („Kombinationslösung“): Vier Millionen Euro, vor allem für Planungskosten, werden 2025 veranschlagt, weitere 15 Millionen Euro müssen in den Jahren 2026 und 2027 finanziert werden. Von der Gebäudeversicherung kommt dazu ein Beitrag von 4,3 Millionen Euro.

Grüner Ring für die Kreuztaler Erlersiedlung
In die Zukunft reicht das Stichwort „Grüner Ring“: Nach dem Abschluss des integrierten Stadtentwicklungskonzepts arbeitet die Verwaltung an einem Nachfolgeprogramm, um damit Fördermittel des Landes einzuwerben. Dazu gehört der Ausbau des Eggersten Rings in der Erlersiedlung, der zum Grünen Ring werden soll. „Das wird sehr umfangreich“, kündigt Bürgermeister Walter Kiß an. Mit ins Programm aufgenommen werden sollen auch die Schulhöfe im Schulzentrum und die Erweiterung der P&R-Anlage am Bahnhof – auf der Lokschuppenseite, die durch eine neue Unterführung erreicht wird.
Zwei andere große Projekte spielen im 2025er Haushalt keine große Rolle: die Ortsmitte Buschhütten nicht mehr. Der überwiegend mit Landesmitteln finanzierte Dorfplatz wird im Frühjahr eröffnet, das Konzept für das Wohnquartier mit rund 40 Wohnungen auf dem Noch-Sportplatz wird gerade überarbeitet – angesichts gestiegener Preise soll die Fläche intensiver genutzt werden. „Es ist mein Bestreben, dass wir die Fläche in einem Zug bebauen“, betont Bürgermeister Walter Kiß, und nicht verteilt auf mehrere Bauabschnitte. Das andere Vorhaben steht – immer – noch nicht oben auf der Investitionsliste: Ende 2025 soll mit der Altlastensanierung auf dem Ferndorfer Bender-Gelände begonnen werden. Ab 2027 könnte dann mit der Erschließung des Wohnviertels mit über 110 Wohnungen begonnen werden.
Die Jahre des Schuldenabbaus in Kreuztal sind auf längere Sicht vorbei. Der Schuldenstand für Investitionen wird sich von 66,5 Millionen Euro Ende 2024 auf 109,7 Millionen Euro Ende 2028 erhöhen. Der Schuldendienst für Zinsen und Tilgung erhöht sich von 5,4 Millionen Euro im nächsten Jahr auf 7,1 Millionen Euro 2028. Ab 2026 muss die Stadt zudem 11,7 Millionen Euro finanzieren, die sie während der Pandemie isoliert hat, verteilt auf 50 Jahresraten.
„Wir sehen dem Defizit relativ gelassen entgegen.“
Der Haushalt
Den neuen Haushalt 2025 wird Kreuztal mit einem Defizit von knapp sieben Millionen Euro abschließen. Ob dazu die allgemeine Rücklage angegriffen werden muss oder die Ausgleichsrücklage ausreicht, ist ein finanztechnisches Detail. Dahinter stehen allerdings unerwartet hohe Gewerbesteuereinnahmen in diesem Jahr, mit denen die Ausgleichsrücklage noch einmal aufgefüllt werden könnte. Auch 2023 wird es nicht bei dem Defizit von 4,1 Millionen Euro bleiben. Der Jahresabschluss weist nun einen Überschuss von rund einer Million Euro aus. „Wir sehen dem Defizit relativ gelassen entgegen“, sagt Bürgermeister Walter Kiß denn auch. Die sonst übliche Kritik an der Kreisverwaltung ist diesmal verhalten. Es sei „ erkennbar, dass die ersten zarten Schritte zur kommunalfreundlichen Veranschlagung gegangen werden“, sagte Kiß, „ aber da ist sicher noch Luft nach oben.“
Die Umstellung der Grundsteuer-Berechnung sollte für die Stadt „aufkommensneutral“ sein. Dazu haben die Kommunen sich selbst verpflichtet. Entsprechend sind für 2025 wie für 2024 9,6 Millionen Euro Einnahmen veranschlagt, für 2026 und folgende Jahre allerdings 11,5 Millionen Euro, was auf eine beabsichtigte Erhöhung der Hebesätze ab 2026 schließen lässt. Kämmerer Michael Kass: „Wir müssen das Defizit um drei Millionen drücken. Das kann auch über Sparmaßnahmen erfolgen.“
Grundsteuer könnte 2026 wieder steigen
Der Hauptausschuss hat sich für Hebesätze von 1810 Prozent für Nicht-Wohngrundstücke und 905 Prozent für Wohngrundstücke ausgesprochen. In der Folge sinken die Einnahmen der Stadt von Zweifamilienhäusern, Teileigentum, Miet- und Geschäftsgrundstücken, während die Einnahmen von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen steigen. Damit ist nichts darüber gesagt, was das für die einzelnen Steuerzahler an Mehr- oder Minderbelastung bedeutet. Die Hebesätze mussten verändert werden, weil die Stadt sonst, nach der Neuermittlung der Grundstückswerte, fast 30 Prozent weniger eingenommen hätte.
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