Kreuztal. Kreuztal hat sich mit der Versicherung über eine Pauschale für die abgebrannte Stadthalle geeinigt. Wenn nicht, hätte das unabsehbare Folgen gehabt.
89 Ordner im internen Verzeichnis, da steht alles drin. Alles rund um die abgebrannte Stadthalle - und die 4,3 Millionen Euro, die Kreuztal von der Versicherung bekommen hat. Über diesen Pauschalabschluss, sagt Stadtbaurätin Christina Eckstein, könne man sich freuen. Nicht nur, weil sie einen Schlussstrich unter den höchst aufwendigen Prozess mit schier endloser Korrespondenz, Videokonferenzen, mindestens wöchentlichen Besprechungen ziehen können. Die Arbeitsstunden haben sie lieber nicht gezählt. „Das würde vermutlich nur frustrieren.“ Sondern vor allem, weil sie jetzt nach vorn blicken können.
Schon am Tag des verheerenden Feuers habe die Stadt Kontakt mit der Versicherung aufgenommen und sich juristisch beraten lassen, erinnert sich die Stadtbaurätin. Zunächst weniger wegen des Brandschadens selbst: Auch die umliegenden Schulgebäude wurden ja in Mitleidenschaft gezogen. Geborstene Scheiben, Brandgase, Ruß, dazu musste die Ruine abgesperrt werden, eine Videoüberwachung wurde in die Wege geleitet. Das musste schnell gehen, bevor noch mehr passiert. Nach ein paar Tagen war das ganze Schadensausmaß zumindest mal grob vermessen, der Ort gesichert. Es konnte losgehen mit der Regulierung.
Abgebrannte Stadthalle Kreuztal: Unendliche viele Details zum Schaden zu klären
Die Stadt Kreuztal beauftragte Gutachter, die Versicherung schickte ihre eigenen Leute. Alles wurde geprüft. Einfach alles. Mehr als 50 Gewerke waren an der Baustelle zur Umwandlung zum Bürgerforum beteiligt; all diese Aufträge waren ausgeschrieben und vergeben worden: Trockenbau, Malerarbeiten, Verputzen, Lüftung. Wie weit war da schon gebaut worden? Erst ein Teil oder schon alles fertig? Das wurde zusammengetragen, minutiös von den Gutachtern und dem städtischen Gebäudemanagement im Detail untersucht und bewertet, erzählt Eckstein: „Sehr viele Details.“ Ziel: Die genaue Schadenshöhe ermitteln. Was ist noch da, was ist weg, wem gehört das Material auf der Baustelle,gibt es die Rechnung vom Handwerker noch, welche Informationen werden benötigt. Es ging so viel Korrespondenz hin und her, dass ein eigener Cloudservice eingerichtet wurde. Und dann ermittelte ja auch noch die Staatsanwaltschaft.
Sowas dauert. Wie es grundsätzlich weitergeht, musste dann irgendwann die Politik entscheiden - auch wenn das mit der Versicherung noch nicht geklärt war, darauf zu warten hätte aber zu viel Zeit gekostet. Es ging außerdem um Städtebaufördermittel, die zurückgezahlt werden sollten, die die Stadt aber nutzen wollte. „Das geht schon sehr ins Klein-Klein“, sagt Christina Eckstein, „da geht ordentlich Zeit ins Land und das dauert dann halt auch zwei Jahre.“ Der Cyberangriff auf die Südwestfalen-IT war auch nicht unbedingt förderlich, um es vorsichtig auszudrücken. „Wir hatten ja anfangs nicht mal einen Computer“, sagt sie. „Das hat wehgetan und uns auch ein Stück weit zurückgeworfen.“ Die Unterlagen waren aber noch da - auf Papier. Was die Sache nicht schneller macht, bei der Masse an Dokumenten, Pläneh, Unterlagen. Es werde ja viel über die Bürokratie geschimpft, so die Dezernentin - aber es war alles noch da. Es lebe der Verwaltungsvorgang. Als dann endlich ein Laptop mit Internet verfügbar wurde: „Das war wie Weihnachten.“
Kreuztal: Pauschal-Einigung mit Versicherung beste Lösung - Stadt kann freier agieren
Die Stadt möchte als Geschädigte des Großbrands möglichst viel Geld bekommen, die Versicherung nicht zu viel zahlen. Das sind beides berechtigte Anliegen und „wir haben in enger Abstimmung zusammengearbeitet“, lobt die Stadtbaurätin, „das lief wirklich sehr gut“. Natürlich gebe es immer wieder unterschiedliche Auffassungen, man sei aber in nahezu allen Punkten letztlich zusammengekommen. Den Abschluss mit der Pauschaleinigung „sehen wir als Stadt als Entgegenkommen, das muss man so sagen.“ Denn es habe bis zuletzt durchaus noch strittige Punkte gegeben. Die hätte man noch weiter untersuchen können, dann hätte es aber noch keinen Schlussstrich gegeben. Und womöglich auch nicht das gewünschte Ergebnis: Jetzt, mit dieser Lösung im Rücken, könne die Stadt beim Kombinationsbau nach vorn blicken, muss sich nicht mehr so eng mit der Versicherung abstimmen.
„ Die Pauschaleinigung sehen wir als Stadt als Entgegenkommen.“
Das hätte durchaus passieren können. Wenn eine Versicherung den Schaden reguliert, darf sie auch mitreden, dass das Geld entsprechend verwendet wird. Wem ein Fahrrad geklaut wird, bekommt von der Versicherung schließlich auch keine neue Uhr ersetzt. Ohne die Pauschal-Einigung hätte die Stadt Kreuztal womöglich im ungünstigsten Fall so etwas wie eine „Bauaufsicht“ im Nacken gehabt, mit der sie sich eng hätte abstimmen müssen - und dann wäre es womöglich auch um die Wiederherstellung des Schadens gegangen. Genau das plant Kreuztal ja aber nicht: Das Bürgerforum wird nicht wieder aufgebaut wie einst geplant, sondern es soll den Kombinationsbau geben. Nun kann die Stadt frei agieren. „Ein großer Gewinn“, bekräftigt Eckstein. Abseits des Finanziellen zumindest.
Kreuztal: Neues Bürgerforum kostet Vierfaches der Summe für abgebrannte Stadthalle
Die 4,3 Millionen Euro sind nicht dazu gedacht, das neue Bürgerforum zu bezahlen. Würde auch nicht reichen - der Kombinationsbau kostet das Vierfache, voraussichtlich 16,9 Millionen Euro. Und der soll ja eben kein wiederaufgebautes Bürgerforum sein, sondern geht deutlich darüber hinaus, bezieht die Umgebung mit ein, bildet einen Eckpfeiler des nächsten Städtebau-Programms. Insgesamt eine „zeitgemäßere Lösung“, sagt Eckstein, flexibler nutzbar für Veranstaltungen und mit Klassenräumen für Gymnasium und Gesamtschule in den beiden Obergeschossen.
In den ersten Wochen und Monaten nach dem Brand kümmerten sich Eckstein und zahlreiche andere Beteiligte aus der Kreuztaler Verwaltung nahezu täglich um das Thema Stadthalle, irgendwann wurde dann der Freitag „Bürgerforum-Tag“, bis das zuletzt immer weniger wurde. Jetzt, sagt sie, „gucken wir im Hochbau sehr deutlich nach vorne.“ Endlich hätten sie nun mehr Zeit, die diversen Projekte nach vorn zu bringen. Das Tagesgeschäft konnte nicht warten - das Feuerwehrgerätehaus für die Löschgruppen Ferndorf und Kredenbach, die Stadt plant und baut an fünf Grundschulen, da sind das Freibad Buschhütten und die Dorfmitte, die demnächst fertig werden soll. An der Kläranlage ist auch immer was zu tun. Dazu kommt noch der Tiefbau. „Den Kollegen und mir wird niemals langweilig, auch ohne Brandschaden nicht.“
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