Hagen-Ischeland. Zwei Medizinstudenten haben ein Kind (5) nach mehreren Minuten leblos aus dem Becken des Westfalenbades in Hagen gezogen. Die Polizei ermittelt.
Das kleine Mädchen, das am Sonntag, 23. Juni, gegen 19.10 Uhr im Westfalenbad am Ischeland in Hagen einen tragischen Badeunfall hatte, schwebt noch immer in Lebensgefahr. Polizeisprecherin Ramona Arnold teilt auf Nachfrage der Stadtredaktion mit, dass sich die junge Hagenerin nach derzeitigem Stand in einem sehr kritischen Zustand befindet.
Die Fünfjährige war im Wasser des Freizeitbeckens untergegangen und drohte zu ertrinken. Nach derzeitigem Ermittlungsstand der Polizei befand sich das Kind zuvor (also vor der Rettung) mehrere Minuten lang unter Wasser. Zwei Zeugen - beide Medizinstudenten - sowie Mitarbeiter des Bades zogen das hilflose Kind aus dem Becken; auf den Fliesen am Beckenrand leisteten die jungen Männer Erste Hilfe und reanimierten das Kind.
Auch ein Hubschrauber war gerufen worden
Währenddessen waren Rettungskräfte angefordert worden. Ein Hubschrauber landetet vor dem Gebäude, außerdem fuhr ein Rettungswagen vor. Auch ein Kinderarzt war vor Ort. Die Fünfjährige wurde schließlich vom Rettungswagen in die nahe gelegene Kinderklinik im Agaplesion-Krankenhaus (früher Allgemeines Krankenhaus am Buschey) gebracht. „Familienangehörige des Mädchens waren zur Zeit des Vorfalls anwesend; sie werden professionell betreut“, hatte Polizeisprecher Tim Sendler am Sonntagabend erklärt.
Nach Informationen von Zeugen, die am Sonntag, 23. Juni, ebenfalls das Westfalenbad aufgesucht hatten, war das Bad aufgrund des schönen Wetters gut besucht.
Vier Fachkräfte der Bäderaufsicht vor Ort
Alicia Pieper, Sprecherin von Hagenbad, zu dem auch das Westfalenbad gehört, teilt auf Nachfrage der Redaktion mit: „Am Sonntag waren - wie üblich an Wochenenden - vier Fachkräfte der Bäderaufsicht vor Ort. Im Freizeitbadbereich hielten sich in der Spitze gleichzeitig 721 Besucher auf, das bedeutet eine Auslastung zu Dreivierteln.“
Die Kapazität des Westfalenbades liegt für den Sport- sowie den Freizeitbadbereich bei 1500 Besuchern. „Am Sonntag haben uns über den ganzen Tag verteilt 1430 Leute besucht“, so Alicia Pieper.
Auch Familie Kocak war zu Besuch
Auch Bayram Kocak war mit seiner Familie am Sonntag im Westfalenbad. Der 38-Jährige besucht Schwimmbäder in der ganzen Region, „wir nutzen die Ruhr-Top-Card“. Gegen 15 Uhr sei er mit seinen beiden Töchtern (7 und 11) sowie seinem kleinen Sohn (eineinhalb Jahre alt) im Bad in Hagen angekommen.
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„Kurz vor Schließung des Bades bin ich mit dem Kleinen vom Kinderbereich zum Freizeitbereich gegangen. Dort hab‘ ich eine Stimme gehört, die sagte, dass ein Kind ertrunken sei. Eine Frau, die neben mir stand, hat auf meinen Sohn aufgepasst, und ich bin sofort zum Beckenrand gelaufen, wo das Mädchen lag. Mehrere Leute kümmerten sich um das Kind, und ich bin Richtung Ausgang gerannt und hab‘ geschrien ,Hilfe! Da ist ein Kind ertrunken!‘ Eine Mitarbeiterin des Bades hat dann den Rettungsdienst informiert.“
Noch immer erschüttert
Der gebürtige Deutsche mit türkischen Wurzeln fügt noch immer erschüttert an: „Ich bin selbst Vater. Wie fürchterlich ist das Ganze. Hoffentlich schafft es das kleine Mädchen.“
Aufmerksamkeitsparadoxon
Gerade in der Sommerzeit ploppt der Begriff „Aufmerksamkeitsparadoxon“ häufig auf. Damit ist gemeint, dass die Aufmerksamkeit ungewollt nachlässt, je mehr Leute um einen herum sind.
Beispiel Schwimmbad, See oder Teich: Wenn viele Erwachsene beisammen sind, insbesondere Angehörige eines Kindes, nimmt die Aufmerksamkeit für Gefahren ab – man verlässt sich unbewusst auf die anderen Anwesenden. Daher die Botschaft des Aufmerksamkeitsparadoxons: Kinder dürfen in Wassernähe niemals unbeaufsichtigt sein.
Polizei ermittelt
Der tragische Vorfall hatte sich 45 Minuten vor der regulären Schließung des Westfalenbades zugetragen (an Sonntagen schließt das Bad um 20 Uhr). „Wie es zu dem Vorfall kam, ist derzeit Bestandteil der polizeilichen Ermittlungen. Weitere Auskünfte können zum jetzigen Zeitpunkt nicht erteilt werden“, heißt es in einer Pressemeldung, die die Polizei Hagen am Montagvormittag herausgegeben hat.
Ob sich aus dem tragischen Vorfall noch der Anfangsverdacht für staatsanwaltliche Ermittlungen ergibt, lässt sich nach Angaben von Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli, Sprecher der Hagener Behörde, zu diesem frühen Zeitpunkt der polizeilichen Untersuchungen noch nicht sagen.