Hallenberg. Elvis Presley würde am 8. Januar 90 Jahre alt. Der Sauerländer Künstler Carsten Hesse verdankt ihm viel und spielt alle seine Songs.
Er gilt als eine der größten kulturellen Ikonen des 20. Jahrhunderts. Er ist „The King“. Seine Platten erhielten 159 Mal Gold und Platin. Insgesamt verkaufte er über eine Milliarde Tonträger. Mit Songs wie „Hound Dog“ oder „Jailhouse Rock“ hat er Musikgeschichte geschrieben. Heute auf den Tag genau würde Elvis Presley 90 Jahre alt. Aber der am 8. Januar 1935 in Tupelo (Mississippi) geborene und 1977 in Memphis (Tennessee) gestorbene Rock’n’Roll-Star hat nicht nur in den Staaten seine Spuren hinterlassen. Er hat viele Musiker geprägt: Einer von ihnen ist Carsten Hesse aus Hallenberg. In den vergangenen Jahren hat der 53-Jährige mit seinem Hans-Albers- und Freddy-Quinn-Programmen bundesweit Bekanntheit erlangt. Aber bereits vorher hat Hesse immer wieder als Elvis-Interpret auf sich aufmerksam gemacht. Ohne den „King“ wäre Carsten Hesse nie zur Musik gekommen.
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Schon häufiger hat die WP über den Hallenberger Künstler berichtet. Zuletzt vor rund fünf Jahren, als seine Frau Marion ihm aufgrund einer Erbkrankheit eine Niere gespendet hat. Ihm geht es gut, er arbeitet nach wie vor beim Felgenhersteller Borbet und macht noch einige wenige Freiluft-Konzerte im Jahr. Die geballte Ladung an Auftritten als Kapitän der guten Laune an der Waterkant sind Geschichte. Wenn man Carsten aber heute auf das Thema Elvis anspricht, sprudelt es nur so aus ihm heraus. „Mitte der 80-er Jahre versuchte mein Vater, mich für ,seine‘ Musik zu begeistern; er hat mir Musikkassetten mit Oldies bespielt. Dabei waren auch immer mal Lieder von Elvis. Irgendwann habe ich dann den Wunsch geäußert, mal nur eine Kassette mit Elvis-Songs zu bekommen. Ich weiß noch genau: Es waren 27 auf einem Band.“ Die hörte Carsten rauf und runter: „Wie das halt so war ohne Youtube und irgendwelche Streaming-Plattformen.“

Zu Elvis‘ zehntem Todestag 1987 kommt sein zweiter Spielfilm „Loving You“ das erste Mal ins Fernsehen. Er erzählt von einem Lastwagenfahrer, der als Rock’n’Roll Star entdeckt wird. Und es gibt die Aufzeichnung seines Konzertes „Aloha from Hawaii“ vom Januar 1973. Hesse: „Das war dann wohl eine weitere Initialzündung, weil die beiden Meilensteine eigentlich zwei verschiedenen Künstler bzw. zwei völlig verschiedene Facetten von Elvis zeigen. Eigentlich gab es derer sogar ja drei, und das macht ihn auch so besonders: den Schauspieler, Sänger und Entertainer.“
„Ich würde mir einerseits niemals anmaßen, Elvis nachzuahmen. Das hat etwas mit Respekt zu tun. Und ich möchte ja auch als Künstler Ich selbst bleiben und meinen eigenen Stil nicht verbiegen. Es gibt unzählige Elvis-Imitatoren; das Spektrum reicht von schlecht bis noch schlechter. Und es gibt zwei, drei Freaks, die wirklich gut sind. Aber je echter die klingen wollen, desto weniger sind sie sie selbst. Das wäre nichts für mich.“
Für Carsten Hesse fällt die Zeit der Entdeckung von Elvis‘ Musik auch in die Zeit, in der er sich selbst die ersten Gitarrengriffe beibringt. „Damals kaufte man eine LP vom Taschengeld und da das ziemlich begrenzt war, dauerte es naturgemäß länger, bis eine weitere Scheibe die Sammlung bereicherte. Und so hörte man die Musik eben viel, viel intensiver als die jungen Leute das heute wahrscheinlich tun. Unter Anleitung meiner Mutter, die selbst viele Jahre lang Musik gemacht hatte, begann ich die ersten Gitarrenakkorde zu lernen. Und ich lernte beim Hören von Presleys Musik, zu spielen und zu verstehen, wie Tonarten und Akkorde zusammenhängen. Irgendwie ging das ganz von selbst. Später hat mir das auch geholfen, ein wenig Klavier zu lernen sowie - übrigens in nur einem Tag - Ukulele. Und ganz von selbst sang ich dazu irgendwann mit.“
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Und wie es der Zufall will, wird Carsten Hesse 1991 nach einer spontanen Session auf einer Nachfeier in der Nachbarschaft einer Band empfohlen. 1994 wechselt er zu den „Wanderers“ aus Frankenberg – mit denen er viele Jahre unterwegs ist. U.a. gibt es Auftritte mit den Rocklegenden Ted Herold und Suzie Quattro. Und besonders spitzt das Publikum die Ohren, wenn Carsten Hesse Elvis Songs interpretiert – wobei die Gewichtung wirklich auf dem Begriff „Interpretieren“ liegt. „Ich würde mir einerseits niemals anmaßen, Elvis nachzuahmen. Das hat etwas mit Respekt zu tun. Und ich möchte ja auch als Künstler Ich selbst bleiben und meinen eigenen Stil nicht verbiegen. Es gibt unzählige Elvis-Imitatoren; das Spektrum reicht von schlecht bis noch schlechter. Und es gibt zwei, drei Freaks, die wirklich gut sind. Aber je echter die klingen wollen, desto weniger sind sie sie selbst. Das wäre nichts für mich.“

Auch wenn Carsten Hesse später Swing-Musik u. a. mit einer Big-Band in Wiesbaden macht und solo mit 70er-Schlagern bzw. mit dem Projekt „Freddy Albers“ andere musikalische Wege einschlägt, so gibt es doch in fast jeder Show mindestens ein Elvis-Lied. Und ganz ehrlich: Wer die Augen schließt und dabei Carsten Hesse singen hört, der hat schon das Gefühl, ganz nahe bei Elis zu sein.
Das sind der Hallenberger und seine Frau Marion dann auch 2018, als die beiden bei einer USA-Reise die Geburtsstadt des „Kings“ besuchen. Und natürlich stehen dabei auch Nashville und Memphis mit der Presley-Villa Graceland und den angrenzenden Anlagen auf dem Programm, wo seine Autos, Gitarren, Bühnenanzüge und unzählige Erinnerungsstücke ausgestellt sind.
Jede Menge Erinnerungsstücke
„Okay, es hatte damals sogar geschneit und war wenig gemütlich – aber: Graceland war außerhalb von Saison und Ferien so leer, dass man überall unendlich Zeit hatte für Fotos und den Besuch seiner Grabstätte. Das geht im Sommer eher nicht. Das Ganze dort ist natürlich schon ziemlich kommerziell. Doch zu sehen gibt es viel, da jede Menge Erinnerungsstücke erhalten bzw. gelagert worden sind.“
Was macht die Musik von Elvis für Carsten so besonders und unsterblich: „Es ist wohl das Gesamtpaket. Die Stimme, die Optik, die Tatsache, wie sich beides in nur zwei Jahrzehnten verändert hat … und vielleicht auch die Tragik seines frühen Todes“, sagt Hesse, der sich nie wie Elvis gekleidet oder versucht hat, irgendwelche Hüftschwung-Bewegungen zu kopieren oder die Stimme zu verstellen. Und gerade das schätzen viele Elvis-Fans. Der Leibwächter und gute Freund von Elvis, Dick Grob, sagt nach einem Konzert in Rostock wörtlich zu Carsten Hesse: „Wenn ich Dich jemals in einem weißen Strampelanzug sehe, trete ich Dich in den A….“ Carsten und Marion sowie der frühere Bodyguard haben sich später in Las Vegas getroffen. Hesse: „Und er hat mir da auch den Kontakt vermittelt, im legendären Hotel ,Golden Nugget‘ immer wieder mal mit einer Band Elvis-Songs zu singen.“

Nach der Nierentransplantation macht Carsten Hesse nur noch eine Handvoll Auftritte im Sommer und draußen. Aber zu Elvis‘ Todestag im August gibt es immer ein Festival in Bad Nauheim, wo der „King“ während seiner Zeit beim Militär gewohnt hat. „Und da singe ich dann immer vor der ,Villa Grunewald‘, dem Hotel, in dem er die ersten Monate wohnte, bevor er sich ein Haus in der Goethestraße mietete.“ Das Zimmer 10 dort, in dem er vorübergehend residierte, ist weitestgehend im Originalzustand erhalten und kann regulär gemietet werden. Nur nicht zum Festival – da wäre die Übernachtung im Elvis-Zimmer eigentlich unbezahlbar - und da ist das Zimmer auch Jahr für Jahr bereits im Voraus gebucht – von Carsten Hesse. „Der Besitzer führt tagsüber Fans durch den Raum, aber nachts darf ich darin schlafen – das ist dann auch Teil meiner Gage.“ Um dieses Privileg beneiden ihn viele Fans.
Elvis hat den Grundstein dafür gelegt, dass die Musik Carsten Hesse jeden Tag begleitet: „Mal sitze ich am Klavier, habe andauernd die Ukulele zur Hand oder singe etwas. Vielleicht wäre ich ohne Elvis‘ Inspiration nie Musiker geworden. Und wen habe ich in diesen 30 Jahren nicht alles getroffen oder kennengelernt. Letzten Endes habe ich durch Elvis – beziehungsweise durch die Internet-Seite des Elvis-Clubs-Berlin, der mich auch öfters zu Veranstaltungen buchte - auch meine Frau kennengelernt. Ohne deren Niere ich heute seit fast fünf Jahren dialysepflichtig wäre. Danke Elvis!