Mittwoch, 10 Uhr in Duisburg: Die Temperatur 9 Grad, sonnig. Die Streikbereitschaft: groß, denn es brodelt im Öffentlichen Dienst. Aus der gesamten Region zwischen Moers und Emscher-Lippe kamen Mitarbeiter aus Verwaltungen, Sparkassen, Verkehrsbetrieben, Müllabfuhr und Stadtwerken, städtischen Schwimmbädern und Kindertagesstätten nach Duisburg, um am Burgplatz an einer der zentralen Streikkundgebungen teilzunehmen.
Zwischen 10- bis 15.000 Teilnehmer kamen, so schätzte die Gewerkschaft kurz vor Beginn der Kundgebung. Darunter allein 6000 Müllwerker, die die Tonnen stehen ließen, um am Warnstreik teilzunehmen. In dem rot-weißen Fahnenmeer der Gewerkschaft Verdi verpasste die Gewerkschaftsjugend in ihren grünen T-Shirts und mit grünen Hüten auf dem Kopf der Demonstration einen Farbtupfer mit ernstem Hintergrund: Sie kämpfen für eine unbefristeten Übernahme nach der Ausbildung „ohne Pi-Pa-Po“, also ohne Bedingungen.
In der Innenstadt wurde es eng
Die Polizei hatte den Burgplatz weiträumig abgesperrt. Eine weise Entscheidung, denn es kamen so viele Teilnehmer nach Duisburg, dass es schon am Ende des Kuhtors an der Steinschein Gasse eng wurde. Und rechnet man all diejenigen hinzu, die sich schon während der Kundgebung wieder auf den Weg machten, um in einem der Straßencafés der Einkaufsmeile einen Sitzplatz zu ergattern, wäre es noch enger geworden. Die Geschäftsleute wünschen sich wohl jeden Tag so viele Besucher in der Stadt.
Arbeitgeber sollen ein Angebot vorlegen
In seiner Rede mahnte Achim Meerkamp vom Verdi-Bundesvorstand die Arbeitgeber, ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen. Diesmal funktioniere es nicht, sich in die Schlichtung zu retten. „Wenn es nächste Woche kein Ergebnis gibt, wird es eine Urabstimmung geben“, sagte er unter dem Beifall der Teilnehmer.
Streik in Duisburg und Oberhausen
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„Das wird vielen weh tun, aber dann sehen die Leute auch, was der Öffentliche Dienst leistet.“ Die Arbeitgeber hätten noch nicht erkannt: „Wir meinen es ernst!“ Über das bisherige Angebot, das umgerechnet auf 24 Monate nur eine Lohn- und Gehaltssteigerung von 1,77 Prozent bedeute, „verhandeln wir nicht weiter!“
Das Argument der „armen Kommunen“ ließ Meerkamp nicht gelten: „Dafür sind ganz andere Verantwortlich, die sollen die Zeche bezahlen.“ Die Kommunen hätten immer mehr Soziallasten zu tragen und Bund und Länder wunderten sich darüber, dass die Kommunen immer ärmer werden.
In den Kitas gibt es einen Notdienst
Bereits nachts um drei Uhr hatten die ersten Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe und wenig später auch der DVG die Arbeit niedergelegt, um sich an dem 24-stündigen Warnstreik zu beteiligen. Die städtischen Kindertagesstätten hatten einen Notdienst organisiert. Die städtischen Schwimmbäder blieben gestern geschlossen, wie Verdi-Geschäftsführer Thomas Keuer berichtete.
Am Morgen staute sich der Verkehr an den neuralgischen Punkten. In der Innenstadt reichte die Autoschlange auf der Mülheimer Straße während der Hauptverkehrszeit am Morgen von der Kreuzung Oranienstraße/Mercatorstraße bis zum Lutherplatz nach Neudorf, weil Arbeitnehmer, die sonst mit Bus und Straßenbahn in die Innenstadt fahren, aufs Auto umgestiegen waren. Durch die Absperrungen rund um den Burgplatz gab es noch bis zur Mittagszeit Staus rund um die Innenstadt.
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