BVB-Trainer Klopp schlichtete Streit zwischen Reus und Weidenfeller
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Dortmund. Obwohl Borussia Dortmund durch ein 2:0 gegen Wolfsburg das DFB-Pokalfinale gegen Berlin erreicht und Ilkay Gündogan seinen Vertrag verlängert, brach in den Katakomben des Signal Iduna Parks keine schwarz-gelbe Euphorie aus. Das lag wohl auch am Streit zwischen Weidenfeller und Reus, den Klopp schlichten musste.
Feierlich war die Stimmung im BVB-Kabinentrakt nicht nach dem 2:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg, der den Einzug ins DFB-Pokalfinale bedeutete. Eher erleichtert schlurften die Dortmunder Profis im gelben „Finale“-Shirt durch die Gänge. Business as usual, wie nach einer ganz gewöhnlichen Bundesliga-Pflichtaufgabe. Ein Berlin-Fieber war nicht zu spüren, schon gar nicht bei Torwart Roman Weidenfeller, der „besser nichts“ sagen wollte, als er an den wartenden Journalisten vorbeischnaubte in Richtung Kabine, aus der Hip Hop mittleren Tempos dröhnte.
In der Nachspielzeit hatte sich der BVB-Keeper ein äußerst hitziges Wortgefecht mit Marco Reus geliefert, das selbst anhielt als der Offensiv-Wirbler ausgewechselt wurde. Über gut vierzig Meter warfen sich Weidenfeller und Reus, der sowohl das 1:0 durch Mkhitaryan (12.), als auch das 2:0 durch Lewandowski (25.) vorbereitete, noch weiter Worte an den Kopf. Eine irritierende Szene so kurz vor Schluss eines hochklassigen Spiels, in dem doch alles rund lief für Borussia Dortmund.
Was war passiert? Sowohl Weidenfeller, als auch Reus waren im Anschluss in den Katakomben nicht zu sprechen. Wahrscheinlich monierte der Dortmunder Schlussmann die lasche Zweikampf-Haltung seines Nationalmannschaftskollegen in der Nachspielzeit, in der Wolfsburg fast der Anschlusstreffer gelungen wäre. „Ich habe versucht, mich einzumischen. Das hat so gut geklappt, dass nach dem Spiel wieder alles okay war“, beruhigte Dortmund-Trainer Jürgen Klopp. „Marco spielt seit drei Wochen auf einem Niveau, das ist unglaublich. Da hatte er bei den letzten drei Bällen keinen Sauerstoff mehr im Kopf.“
Auch die Teamkollegen spielten die Angelegenheit herunter, Emotionalität gehöre eben bei Vollprofis zum Fußball dazu. „Das haben die schon wieder vergessen“, kommentierte Kapitän Sebastian Kehl die „Lappalie“. „Die beiden verstehen sich sonst ganz gut.“
Auch die vor dem Anpfiff verkündete Vertragsverlängerung Ilkay Gündogans sorgte backstage nicht für Euphorieströme. Erst als Reporter Mats Hummels und Sebastian Kehl darauf ansprachen, erfuhren sie überhaupt, dass sich der seit August verletzte Mittelfeldspieler bis 2016, also ein Jahr länger, an den Verein gebunden hat.
Dabei bot das 2:0 gegen die Niedersachsen durchaus genügend Anlass zur Freude. „Wir stehen jetzt drei Jahre hintereinander in einem Finale - zweimal in Berlin, einmal in London“, strahlte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Nachhaltiger kann man nicht beweisen, dass man mit uns rechnen muss.“ Doch auch spielerisch knüpfte der BVB an die starken Auftritte gegen Real Madrid (2:0) und Bayern München (3:0) an.
Vor allem Henrikh Mkhitaryan spielte wie entfesselt. Dem Armenier gelang wie schon gegen den FCB ein Tor. Dortmunds Rekordeinkauf hat den Nackenschlag nach den entscheidend vergebenen Chancen im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid bereits verdaut. Der Spielmacher ist nicht mehr der, der er noch vor ein paar Wochen war. Die Körpersprache strotzte gegen Wolfsburg vor Selbstbewusstsein.
Milos Jojic machte erneut Werbung in eigener Sache
Ob es daran lag, dass Klopp ihn erneut flexibel außen und nicht fixiert zentral im Mittelfeld aufbot? Mkhitaryan glänzte mit starken Sololäufen, Hackentricks, Tempo, präzisen Pässen und Kreativität. Ihm gelang gegen den VW-Klub einfach alles. Ist der Knoten beim einstigen Teilzeit-Sorgenkind nun endgültig geplatzt? Die Süd-Tribüne feierte den Armenier nach seiner Auswechslung bereits mit lauten „Mkhitaryan“-Rufen.
Auch Winter-Neuzugang Milos Jojic machte erneut Werbung in eigener Sache. Unbekümmert kombinierte der Serbe mit dem formstarken Reus, Mkhitaryan und Lewandowski, der sein 100. Tor im Trikot der Schwarz-Gelben erzielte und feierte. Klopps taktische und personelle Variabilität der vergangenen Auftritte hat seine Mannschaft sichtlich beflügelt. So ist auch in Berlin der Titel drin, der eine Saison voller Verletzungspech doch noch krönen würde.
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