Klagenfurt. . Sie schoben sich den Ball zu, trabten dabei und scherzten beim Torschuss: In der letzten Trainingseinheit in Klagenfurt am Freitagmorgen durften die Spieler des FC Schalke 04 Muskeln und Gelenke lockern, gut gelaunt flog der Tross am Nachmittag wieder nach Hause.

Es ist erst ein halbes Jahr her, als die Schalker mit mieser Laune und einer gehörigen Portion Ungewissheit das Winter-Trainingslager in Katar verließen. Das von Medienschelte begleitete 0:5 im Test gegen den FC Bayern hatte Spuren und Fragezeichen hinterlassen. Es war ein Fehler, ein solches Spiel mit damals ungleichen Vorzeichen in die Rückrunden-Vorbereitung eingebettet zu haben.

Daraus haben die Schalker Verantwortlichen gelernt, die Vorbereitung in diesem Sommer wurde entsprechend dosiert. Während diesmal Borussia Mönchengladbach (1:5) und der Hamburger SV (0:4) am vergangenen Wochenende beim Telekom-Cup in Gladbach die Erfahrung machen durften, dass man gegen diese Überbayern allenfalls seine Frustgefühle steigern kann, probten die Schalker in Österreich gegen Besiktas Istanbul (1:1) und den FC Southampton (2:0) ohne laute Begleittöne. Kein Torwart, der bereits vor der Saison auf die Abwehr sauer wäre. Keine Verteidiger, die auf fehlende Torgefahr der Offensiv-Abteilung verweisen könnten. Kein Trainer, der sich krampfhaft darum bemühen müsste, das Positive zu suchen.

Nach der harten Trainingswoche will Schalke jetzt an der Spritzigkeit arbeiten

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Schalke 04 ist aus Klagenfurt mit der Gewissheit heimgeflogen, die Woche am Wörthersee richtig gut genutzt zu haben. Es wäre verwunderlich, wenn die vielen taktischen Hinweise, die Cheftrainer Jens Keller gab, und die extrem intensiven Pass-Übungen, die der neue Co-Trainer Peter Hermann leitete, folgenlos verpuffen würden. „Wir haben ein gutes Team, haben gut gearbeitet und hatten auch Spaß dabei“, bilanziert Jens Keller.

Ein Defizit hat er auch erkannt, aber das hält er derzeit noch für normal. „Die Spritzigkeit ist noch nicht da, weil sie noch nicht da sein kann nach dem sehr harten Training“, meint Keller. „In der nächsten Woche werden wir deshalb die Intensität herunterschrauben.“

Keller will nicht zwangsläufig rotieren

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Dem Trainer ist es besonders wichtig, dass „die gute Stimmung beibehalten wird“. Dass momentan alle so gut drauf seien, überrascht ihn aber nicht. Wenn Schalke jetzt schon atmosphärische Probleme hätte, „dann hätten wir etwas falsch gemacht“. Der durch die Neuzugänge verschärfte Konkurrenzkampf kann erst mit Saisonbeginn zu Komplikationen führen.

Keller kündigt an, dass er von Fall zu Fall entscheiden werde. „Es gibt keine Ersatzspieler“, sagt er. „Es wird immer mal gewechselt. Damit sage ich aber nicht, dass es immer eine Rotation geben wird. Es werden die spielen, die zum jeweiligen Zeitpunkt die Besten sind.“

Zugänge werden wohl nicht sofort zum Zug kommen

Die Neuen haben bereits wie gewünscht versucht, Druck auf die Etablierten auszuüben, doch nicht alle waren dabei rundum erfolgreich. Leon Goretzka, gerade erst 18 geworden, muss zwangsläufig erkennen, dass zwischen Bochum und Schalke ein Unterschied besteht. Felipe Santana gesteht taktische Eingewöhnungsprobleme ein. Adam Szalai und Christian Clemens rackern eifrig und ehrgeizig, werden sich aber vermutlich auch noch gedulden müssen. „Aber alle Neuen haben sich gut präsentiert, und die Mannschaft hat sie auch gut integriert“, betont Jens Keller.

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Manager Horst Heldt findet es fast schon unheimlich, dass es bisher nicht den geringsten Grund zur Klage gibt. „Man hat ja immer ein bisschen die Angst, dass es auch nicht gut ist, wenn es zu rund läuft“, sagt er und meint damit vor allem die Befürchtung vor unerwarteten Rückschlägen durch Verletzungen: „Das Wichtigste ist in der Vorbereitung immer, dass alle gesund durchkommen.“

Lieber zu viel Auswahl als viele verletzte Spieler

Jens Keller jedenfalls fürchtet sich nicht vor schweren Entscheidungen, die sich durch ein großes Aufgebot ergeben können. Die durch Verletzungen reduzierten Alternativen in der vergangenen Rückrunde fand er wesentlich unangenehmer: „Ich habe lieber ein Luxusproblem, als dass ich nicht weiß, wie ich elf Spieler auf den Platz bekomme.“