Essen. . In Nordrhein-Westfalen gab es am Wochenende Temperaturen von bis zu 35 Grad. In Gütersloh ist am Samstag eine Frau bei einem Unwetter unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt worden. Die Hitze hat auf einer S-Bahn-Strecke am Sonntag sogar die Gleise verformt.
Wetter-Wechselbad am Wochenende in Nordrhein-Westfalen: Eine durchziehende Gewitterfront brachte am Samstag nur kurzfristig Abkühlung - und ließ mancherorts entwurzelte Bäume und überflutete Straßen zurück. Erst am Sonntag brachten dicke Wolken angenehmere Temperaturen.
Nachdem es am Samstagmorgen im Raum Aachen wie aus Eimern geschüttet hatte, zog die Unwetterfront nach Osten weiter und entlud sich am Mittag zwischen Münster und Bielefeld. Dort fielen bis zu fünf Zentimeter große Hagelkörner, sagte Fabian Ruhnau vom Wetterdienst Meteomedia.
Insbesondere in Ostwestfalen ließen die Sturmböen zahlreiche entwurzelte Bäume zurück, die Autos beschädigten oder Straßen unpassierbar machten. In einem Gütersloher Park wurde eine Frau unter der Krone eines umstürzenden Baumes eingeklemmt und schwer verletzt. Glimpflicher kamen die Besatzungsmitglieder eines Segelbootes am Niederrhein davon: Bei dem Gewitter waren sie auf dem Weseler Auesee gekentert, konnten sich aber auf ihr umgekipptes Boot retten. Andernorts, wie im niederrheinischen Goch oder in Vlotho im Kreis Herford, setzten Blitzeinschläge Dachstühle in Brand.
<blockquote class="twitter-tweet"><p>Endlich mal nicht ganz so heiß heute hier in <a href="https://twitter.com/search?q=%23NRW&src=hash">#NRW</a>. Alle Fenster sind schon sperrangelweit offen. ;-)</p>— Rebekka Krampitz (@rkrampitz) <a href="https://twitter.com/rkrampitz/statuses/361403030039576576">July 28, 2013</a></blockquote>
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Erst am Sonntag setzte nach Gluthitze und Gewittern Entspannung ein: Endlich sei es in NRW nicht ganz so heiß, twitterte Meteomedia-Meteorologin Rebekka Krampitz am Sonntagmittag: "Alle Fenster sind schon sperrangelweit offen." Angenehmere Luft konnte in die aufgeheizten Räume strömen. Die Temperaturen blieben am Sonntag überall im Land unter der 30-Grad-Marke, so der Deutsche Wetterdienst. Eine dichte Wolkendecke, aus der vereinzelte Regentropfen niedergingen, hielt die Sonne davon ab, das Land so aufzuheizen wie südöstliche Teile Deutschlands. Dort schwitzten die Menschen bei mehr als 35 Grad.
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Zwischen Eifel und Münsterland könne es in den nächsten Tagen noch gewittern, sagte Andreas Würtz vom Deutschen Wetterdienst in Essen am Sonntag voraus. "Die Gewitter fallen aber nicht mehr so dramatisch aus, wie an diesem Wochenende." Und schon Ende der Woche könnte es wieder wärmer werden, so der Meteorologe.
Hitze verformt Bahngleise - Münchner S-Bahn-Linie gesperrt
Die Hitze hat auf einer S-Bahn-Strecke in München am Sonntag die Gleise verformt. Ein Zugverkehr auf dem betroffenen Abschnitt im Osten Münchens sei nicht mehr möglich, teilte die Deutsche Bahn mit. Eine derartige Verformung kommt nach Angaben eines Sprechers äußerst selten vor: "Ich hatte noch keinen vergleichbaren Fall."
Eine Gefahr für Bahnreisende auf anderen Strecken gebe es aber nicht. Die Bahn kontrolliere die Gleise regelmäßig. Selbst geringfügige Veränderungen des Schienenstrangs werden dabei nach Angaben des Sprechers erkannt.
Rheinfelden heißester Ort Europas
Das bislang heißeste Wochenende des Jahres hat Deutschland kräftig zum Schwitzen gebracht. Mit 38,6 Grad wurde im südbadischen Rheinfelden (Kreis Lörrach) am Samstag die höchste Temperatur in ganz Europa gemessen. Zwar habe die gesamte Republik unter der Sahara-Hitze gelitten, aber so schweißtreibend wie in der Stadt an der Schweizer Grenze sei es am Samstag nirgendwo sonst gewesen, teilte der Deutsche Wetterdienst am Sonntag in Offenbach mit. Eine Tropennacht mit 25,8 Grad machte den Menschen in Kubschütz in Sachsen (Kreis Bautzen) zu schaffen.
Hitze, Hagel und Gewitter
Der zunächst für Sonntag in der Lausitz oder Bayern erwartete Rekordwert von etwas über 40 Grad werde aber doch nicht erreicht, sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Den Spitzenwert von 40,2 Grad haben Meteorologen 1983 im oberpfälzischen Gärmersdorf (Bayern) sowie 2003 in Freiburg und Karlsruhe gemessen. "Die Bewölkung ist schneller reingekommen als erwartet", sagte Paetzold am Sonntag. Dennoch sei es das heißeste Wochenende 2013 gewesen. "Das nächste wird allerdings zumindest auch wieder sehr warm."
Durchatmen zum Wochenbeginn: Mehrere Gewitter sorgen an diesem Montag zunächst für Abkühlung. Die Temperaturen klettern nicht über 27 Grad. Mit kräftigen Gewittern muss vor allem im Südosten gerechnet werden. Von Mittwoch an wird es dann allmählich wieder heißer.
Unwetter bereiten Campern in Belgien unruhige Nacht
Unwetter haben in Belgien in der Nacht Festivalgänger und Pfadfinder aus ihren Zelten vertrieben. Heftiger Wind habe in der Nacht zum Sonntag Bäume im Südosten des Landes umgerissen und Stromleitungen zerstört, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Mehrere Pfadfinderlager seien evakuiert worden.
Im Örtchen Boechout bei Antwerpen wurden knapp 100 Camper vom Gelände des Musikfestivals "Sfinks Mixed" in ein Sportzentrum gerettet. Wegen starker Regenfälle befürchteten die Organisatoren Überflutungen. Das Festival ging aber weiter - nach Angaben auf der Website hat es in der Regel etwa 40.000 Besucher.
Auch beim Festival "Tomorrowland" zwischen Brüssel und Antwerpen litten die Besucher unter heftigem Regen. Der Wind habe zwar keine Schäden angerichtet, erklärten die örtlichen Behörden. Etwa 100 Zelte standen aber im Wasser, 300 Camper seien in einem großen Zelt mit Decken und Kaffee versorgt worden. Die übrigen 35 000 Festival-Camper seien von den Überflutungen nicht betroffen gewesen. (we/dpa)