Wattenscheid-Mitte. Durch die neuen Fahrradstreifen auf der Berliner Straße in Bochum-Wattenscheid ist hier jeweils eine Fahrspur für den Kfz-Verkehr entfallen.

Was ist denn hier los? Das fragen sich zahlreiche Autofahrer, die derzeit auf der Berliner Straße im Bereich zwischen Steeler Straße und Propst-Hellmich-Promenade aus/in Richtung Innenstadt unterwegs sind und sich erstmal neu orientieren müssen.

Nur noch eine Spur für den motorisierten Verkehr

Denn für den Kfz-Verkehr steht hier jetzt nur noch auf eine Fahrspur statt der beiden zuvor zur Verfügung – da in beiden Richtungen vor einigen Tagen jeweils eine Radspur eingerichtet worden ist.

Bei einer Stichprobe am Dienstag vor Ort zeigt sich: Auf der sehr breiten Fahrradspur ist trotz des guten Wetters kein Radler zu sehen. Aber die Autos stauen sich auch angesichts der neuen Situation am ehemaligen Stadion Beckmannshof, es kommt sogar fast zu Unfällen, da einige Autofahrer die neue Einspurigkeit an dieser Stelle nicht sofort erkennen.

Strecken für Radler

Die Berliner Straße samt Zeppelindamm gilt als Nord-Süd-Hauptverkehrsachse.Die Strecke ist durch viele Kfz (auch Schwerlastverkehr) stark befahren – und wird deshalb von Radfahrern eher gemieden, zumal es andere Wege gibt.Doch die rot-grüne Politik will sie seit einigen Jahren zur Radstrecke ausbauen – was nur zulasten des Kfz-Verkehrs geht.

Nadelöhr an Bushaltestelle in Wattenscheid

Und ein Nadelöhr für Radfahrer ist an der Bushaltestelle zur Propst-Hellmich-Promenade entstanden, „aber darüber werden sich diejenigen Lokalpolitiker, die dieses Problem erst geschaffen haben, dann ja noch lange unterhalten können und nach einer Lösung suchen“, sagt Autofahrer Fritz Master. Und: „Den Teil einer verkehrsökologischen Wende sehe ich hier nicht. Das ist eher Ideologie oder Abgreifen von Fördermitteln“, meint er. „Vor allem in der Dunkelheit ist das hier unübersichtlich“, so der 55-Jährige weiter, der hier täglich unterwegs ist und gerade von der Tankstelle auf die Berliner Straße abbiegen will.

Gefährliches Nadelöhr: Die kurze Radspur auf der Berliner Straße endet in Richtung Wattenscheid-City vor der Bushaltestelle Propst-Hellmich-Promenade.
Gefährliches Nadelöhr: Die kurze Radspur auf der Berliner Straße endet in Richtung Wattenscheid-City vor der Bushaltestelle Propst-Hellmich-Promenade. © FUNKE Foto Services | Gero Helm

Berliner Straße: Kritik von Autofahrern

Und er sagt: „Radfahrer in Richtung Wattenscheid-City können doch völlig ungefährdet ab dem Sportzentrum Berliner Straße am Hotel Beckmannshof und Tennisclub vorbei Richtung Wattenscheid-Innenstadt kommen.“

Idee der rot-grünen Koalition vor zwei Jahren

Diese Idee, vor zwei Jahren von der SPD/Grünen-Koalition angestoßen – es gab 2019 einen Ratsbeschluss zur Umgestaltung der Berliner Straße für die Radnutzung –, wurde im Vorfeld bereits kontrovers diskutiert – und stößt aktuell angesichts der Fertigstellung auf kritische Nachfragen, ob diese Umgestaltungsmaßnahme Sinn mache angesichts zusätzlicher Ampeln für den Toom-Baumarkt auf und der alternativen Fahrradwege in der Umgebung.

Lob von Anwohnern

Aber es gibt auch positive Stimmen dazu, so sagte eine Anwohnerin am Dienstag gegen 13 Uhr aus ihrem Wohnungsfenster Richtung Berliner Straße heraus: „Ich verstehe diese gesamte Aufregung nicht, es funktioniert doch alles gut hier. Der Verkehr läuft.“

Maßnahme der Stadt Bochum

Die Stadt Bochum hatte zuvor zu der Umgestaltung auf dieser Hauptverkehrsachse in Wattenscheid erklärt: „Eine vergleichsweise kleine Neumarkierung von Radfahrstreifen wird das Radfahren auf der Berliner Straße zwischen Steeler Straße und Propst-Hellmich-Promenade verbessern.“