Videokunst trifft Industriekultur im Gelsenkirchener Nordstern-Turm
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Gelsenkirchen. Bisher wies der 18 Meter hohe Kunst-Herkules von Markus Lüpertz den Weg zum Gelsenkirchener Nordstern-Turm auf dem ehemaligen Bundesgartenschau-Gelände am Rhein-Herne-Kanal. Jetzt findet man auch im Turm selbst Kunst, überall gibt es Monitore, Leinwände, Bodenprojektionen.
Die mächtige Fördermaschine im Innern des Nordsternturms hat ihre letzte Schicht schon lange gefahren. Schicht im Schacht ist aber noch nicht. Im Gegenteil: Ab sofort bietet die Maschinerie der einstigen Zeche Nordstern in Gelsenkirchen die spektakuläre Kulisse für ein neues Videokunstzentrum und seine Ausstellung „Schichtwechsel“.
Aus der 11. Etage hinunter
Das ehemalige Bundesgartenschau-Gelände am Rhein-Herne-Kanal, Heimat des Wohnungsunternehmens Vivawest (ehemals Evonik Wohnen und THS), sorgt mit seinem Turm bereits seit 2010 für Aufsehen. Seitdem weist der 18 Meter hohe Kunst-Herkules von Markus Lüpertz weithin sichtbar den Weg zum Nordsternturm. Nur wenige Etagen unter den Füßen des Riesen investierte die Vivawest-Tochter Nordsternturm GmbH nun einen „höheren sechsstelligen Betrag“, so Sprecherin Marie Mense, um der Videokunst einen außergewöhnlichen Rahmen zu geben.
Räume sind dunkel wie im Kino
Vergangenes trifft auf moderne Medienkunst: Mit dem Aufzug geht es sekundenschnell hoch in die 11. Etage des Turms und mitten hinein in die historische Industriekulisse. Hier macht noch kein Kunstwerk der imposanten Fördermaschine Konkurrenz, eine Hommage an die Vergangenheit. Erst der Weg hinunter über die stählernen Treppen gibt den Blick frei auf Monitore, Leinwände, Bodenprojektionen. Die Räume sind dunkel wie im Kino, Filme flimmern auf großen und kleinen Flächen, Kopfhörer liegen bereit, Hocker laden zum Verweilen ein.
Herkules auf Nordstern
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Das Videokunstmuseum zeigt hochkarätige Exponate der Sammlung Goetz München und des Neuen Berliner Kunstvereins Medienkunst. Die frühesten Werke stammen aus den 60er- und 70er-Jahren, als die Videokunst noch in den Kinderschuhen steckte, andere sind gerade abgedreht. Die Werke aus Berlin konzentrieren sich auf die Durchleuchtung von Räumen, während aus München Videos zu sehen sind, die sich mit dem Arbeitsalltag auseinandersetzen.
Prominente Künstler vertreten
Prominente Künstler sind vertreten. Rosemarie Trockel etwa, die in ihrem Kurzfilm Fragen von Moral seziert. Richard Serra ist dabei, Nam June Paik, Bruce Nauman. Manche Videos sind nur wenige Sekunden lang, andere anderthalb Stunden. Mit beiden Leihgebern ist eine Kooperation für drei Jahre unterzeichnet. Die Ausstellungen sollen im halbjährlichen Rhythmus wechseln.
Wer der Kunst noch näher kommen will, fährt auf die 18. Etage: Hier wurde gerade die Besucherterrasse in 83 Metern Höhe eröffnet, mit einem weitem Blick über das Ruhrgebiet – und einem direkten auf die Hinterseite des Herkules. Den Menschen nun zusätzlich die Videokunst nahe zu bringen: eine echte, lohnende Herkules-Aufgabe. Nicht zuletzt darum ist der Eintrittspreis mit 3 Euro niedrig gehalten. Öffnungszeiten: samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr. Es dürfen immer nur 100 Besucher gleichzeitig in den Turm. Info: 0209/35 9792 40
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