Dahlbruch. Dr. Martina Taubenberger soll ein Nutzungskonzept für den Kulturellen Marktplatz entwickeln. Bei ihrem ersten Besuch lobt sie die Voraussetzungen

„Für uns ist es ein großer Moment, endlich hier zu sein“, sagt Dr. Martina Taubenberger. Die selbstständige Konzeptentwicklerin aus München hat den Auftrag, ein Nutzungskonzept für den Kulturellen Marktplatz Dahlbruch zu entwickeln. Obwohl sie sich nun schon viele Wochen mit dem Projekt beschäftigt, konnte sie wegen Corona erst jetzt persönlich nach Hilchenbach kommen und sich die Begebenheiten vor Ort anschauen.

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Die Pläne zu studieren, das sei noch einmal etwas ganz anderes, als über das Gelände zu gehen. Bürgermeister Kyrillos Kaioglidis und weitere Verantwortliche der Stadt begleiten Martina Taubenberger und ihr Team beim Baustellenspaziergang, auch dieser Austausch ist wichtig für die Expertin. „Wir könnten so ein Projekt ohne die persönliche Begegnung gar nicht machen.“

Einzigartige Kombination in Dahlbruch

Der Kulturelle Marktplatz sei ein besonderes Projekt, „das sage ich von ganzem Herzen“, schwärmt die Kulturexpertin. Nach der ersten Besichtigung ist diese Begeisterung nicht abgeflacht, ganz im Gegenteil. Eine „optimale Ausgangssituation“ habe sie vorgefunden. „Allein dieser Saal hier“, sagt Taubenberger und schaut sich im Viktoria-Kino um. Es gäbe nicht mehr viele Filmpaläste mit richtiger Bühne. Dass so viele verschiedene Formen der Freizeitgestaltung – Kino, Theater, Jugendzentrum und Sport – und so viele unterschiedliche Generationen an einem Ort zusammenkommen, und dass diese Struktur in Dahlbruch auch noch organisch gewachsen sei, hätte sie sich nicht besser wünschen können. „Das sehen wir als große Chance.“

Namensänderung?

Die Frage, ob der Name des Projekts beibehalten wird, kann Dr. Martina Taubenberger noch nicht beantworten, sie wolle „ergebnisoffen“ in die kommenden Gespräche gehen.

Ihr Team war von der Idee eines kulturellen Marktplatzes von Anfang an begeistert – man müsse allerdings überlegen, ob der Name für die Menschen vor Ort dieselbe Bedeutung habe.

„In der Mischung habe ich es noch nicht erlebt“, stimmt Angelika Schindel zu. Sie ist im Team, das Martina Taubenberger speziell für die Anforderungen in Dahlbruch zusammengestellt hat, für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Komplettiert wird das Trio von Norbert Hoffmann, Fachmann für die Einbindung des Projekts in die allgemeine Stadtentwicklung und die Begleitung von kommunaler Seite aus. „Kultur geht deutlich über das hinaus, was sich in den Räumen abspielt“, sagt Hoffmann.

Zufällige Begegnungen in Hilchenbach

Ein Haus der Begegnung soll der Kulturelle Marktplatz werden, sagt Martina Taubenberger, genauer gesagt für zufällige Begegnungen – „ohne dass ich immer gleich ein Projekt mit Senioren oder Jugendlichen machen muss“. Die Besucherströme sollen so gelenkt werden, dass sich Menschen unterschiedlichster Generationen und Kulturen treffen, eigene Eingänge für jede Interessensgruppe wären genau das falsche Signal. Damit diese Begegnungen gut gelingen, sollen eine positive Gesamtatmosphäre und Möglichkeiten geschaffen werden, zu Verweilen – Zum Beispiel Sitzkissen auf der Treppe.

Potenzielle Konflikte sollen zunächst identifiziert werden, um dann entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Eine Herausforderung – die Taubenberger erst bei dem Rundgang so richtig klar geworden ist – sei die Verbindung zwischen dem Neubau und den vorhandenen Gebäuden.

Dramaturgie bis zur Eröffnung des Kulturellen Marktplatzes

Um herauszufinden, was die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer des Kulturellen Marktplatzes eigentlich wollen, hat Martina Taubenberger bereits mit Fokusgesprächen begonnen, bisher jedoch ausschließlich digital. Nun folgen persönliche Treffen mit Vereinen, Migranten, Jugendlichen, Senioren, Menschen mit Behinderung und Verwaltungsmitarbeitern. „Ein bisschen ist es wie Schnitzeljagd“, erklärt Taubenberger, wie sie von einem Gesprächspartner zum nächsten kommt.

Ab Juli sollen drei Workshops stattfinden, bei denen es unter anderem um Schnittstellen und die Selbstorganisation des Marktplatzes gehen soll.

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Im Schul- und Kulturausschuss am 29. September möchte das Team um Martina Taubenberger die Ergebnisse mitsamt Handlungsempfehlungen präsentieren. Dabei geht es dann auch darum, die „kommunikative Dramaturgie“ für die kommenden zwei Jahre festzulegen – bis der Kulturelle Marktplatz endgültig fertig ist.