Fröndenberg. Das Theater ohne Rahmen ist zurück in Fröndenberg. Was dem Ensemble beim „Dinner für Spinner“ im Vorfeld Kopfzerbrechen bereitete.

Was für eine Rückkehr auf die Bühne. Mit dem „Dinner für Spinner“ feierte das Theater ohne Rahmen am Wochenende eine Premiere, die völlig zurecht vom Publikum begeistert gefeiert wurde. Und auch der neue Regisseur aus den eigenen Reihen ist zufrieden. Eine schlechte Nachricht gibt es nur für all die, die erst jetzt Lust bekommen haben.

Ungewissheit vor Premiere

Würden die Zuschauer wieder in gewohnter Menge in die Aufführungen strömen? Diese Frage stellte man sich in den vergangenen Jahren nicht nur beim Fröndenberger Laienensemble vom Theater ohne Rahmen. Der nackte Wahnsinn“ musste im März 2020 nach nur zwei Aufführungen abgebrochen werden. Was danach alles auf der Welt folgte, ist mit dem Titel dieses Theaterstücks auch nicht unpassend beschrieben. Die ToR-Truppe versuchte mehrere Anläufe, die ausgefallenen Veranstaltungen nachzuholen. Weil dann über den langen Zeitraum Darsteller zurückziehen mussten und die Lust auf ein so lange gepflegtes Stück irgendwann nicht mehr so groß war, gab es den kompletten Neustart (WP berichtete). Inhaltlich mit dem Stück „Dinner für Spinner“, nach einem langjährigen Fokus auf Werke aus dem angelsächsischen Raum nun etwas französischen Ursprungs.

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Geschrieben von Francis Veber, geht es hier um einige wohlhabende Pariser Bürger, die die seltsame Angewohnheit entwickelt haben, zu ihren regelmäßigen Dinner mutmaßliche Trottel mitzubringen die die ganze Runde dann erheitern. Es gewinnt der, der den schrägsten Vogel mitbringt. Und genau so einen hat der Verleger Pierre Brochant an der Angel, fühlt sich siegesicher weil er den Finanzprüfer Francois Pignon aufgespürt hat der leidenschaftlich große Bauten aus Zahnstochern nachbaut. Und jedem, gefragt oder ungefragt, leidenschaftlich und endlos davon erzählen kann. Als die beiden zum ersten Mal aufeinandertreffen, entwickelt es sich aber gänzlich anders als geplant. Nicht nur wegen Brochants Hexenschuss. Und er muss merken, dass er den schrulligen Pignon vor allem nicht das Telefon in die Hand geben sollte. Denn das macht es nach und nach nur schlimmer und chaotischer. Vorher hatte Brochant noch hochnäsig getönt: "Ich habe für das Treffen heute einen Weltklasse-Trottel". Wenig später weiß er gar nicht, welchen Brand er zuerst löschen soll. Stress droht nicht nur mit der Ehefrau, sondern auch mit einem gehörnten Freund und einem peniblen Finanzprüfer. Gespielt wird Verleger Brochant von Steffen Schuldt, der schrullige Pignon ist Frank Neidert.

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Nicht nur haben die beiden die Riesenaufgabe, fast durchgängig für über zwei Stunden auf der Bühne zu stehen. „Dinner für Spinner“ lebt zu einem großen Teil von Gestik und Mimik, die manchmal mehr sagt als tausend Worte. Und davon, dass sich Stimmung und Ausdruck der Protagonisten in Sekundenschnelle ändern können. Neidert als Francois Pignon bewegt sich dabei immer wieder in einem Minenspiel der Mr.-Bean-Klasse. Zur Freude des Ensembles versiegt auch der Nachwuchs nicht, bei Lauri Schuldt und Joelle Lakrabi stehen und standen auch die Eltern auf der Bühne.

Neuer Regisseur

In Teil zwei vom „Dinner für Spinner“ selber mit einer mittelgroßen Rolle präsent, vor allem aber bei ToR nun auch zum ersten Mal auf dem Regiestuhl, sitzt Marius Grüne. Der Berufsschullehrer ist auch Theaterpädagoge und damit natürlich vom Fach und beim Theater ohne Rahmen seit den ersten Stunden Mitte der 90er dabei. Vor ein paar Jahren studierte er auch mal Aufführungen mit einer ToR-Kindergruppe ein. Auch wenn Marius Grüne kein besonders aufbrausender Zeitgenosse ist, die Aufregung nun vor der Premiere war natürlich schon da – bei ihm und allen anderen. In aller Bescheidenheit erzählte er im Anschluss an die erste Aufführung: „Wir haben schnell gemerkt, dass es gut läuft.“

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In der Tat. Das Stück bietet Potenzial für jede Menge Schenkelklopfer, und das nahm das Publikum gerne an. Nach vielen Skurrilitäten und Chaos gibt es dann auch noch einen nachdenklichen und wirklich berührenden Moment zwischen Brochant und Pignon.

Alle Vorstellungen ausverkauft

Stehende Ovationen und lang anhaltender Applaus waren am Ende der verdiente Lohn. Der geglückte Neustart bei ToR zeigt sich auch darin, dass wenige Tage vor der Premiere schließlich alle gut 1350 Karten für die fünf Aufführungen ausverkauft waren. Interessierte müssten nun auf kurzfristig zurückgegebene Tickets hoffen. In aller Vorsicht über die Resonanz hatte das Ensemble für 2023 zwei statt gewohnt drei Aufführungswochenenden angesetzt. So darf man hoffen, dass es nächstes Jahr wieder das volle Programm gibt.