St. Moritz/Winterberg. Platz eins im Gesamtweltcup – diese Premiere durfte Bob-Pilotin Laura Nolte (BSC Winterberg) knapp nicht feiern. Warum sie ganz andere Ziele hat.

Sieben Hundertstelsekunden sind ein sehr geringer Rückstand, wenn Bobs 1722 Meter durch einen Eiskanal gerast sind und Pilotin samt Anschieberin dabei in 19 Kurven hin und her geschüttelt wurden. Lediglich sieben Hundertstelsekunden fehlten Laura Nolte zu ihrem ersten Weltcupsieg in der Wiege des Bobsports in St. Moritz – und zum ersten Triumph ihrer jungen Karriere im Gesamtweltcup. Doch der Ärger darüber hielt sich bei der Athletin des BSC Winterberg in Grenzen.

Natureisbahn in St. Moritz: Laura Nolte schafft „Versöhnung“

„In St. Moritz soll jetzt endlich auch mal im Weltcup ein Podiumsplatz her“, sagte die 23-Jährige vor dem Weltcupfinale auf der ältesten und einzigen Natureisbobbahn der Welt, das sie im Zweierbob auf Rang drei beendete. „Im ersten Jahr hatten wir keine Medaille, weil ich fahrerisch noch nicht so gut war. Letztes Jahr hatten wir uns ein bisschen im Material vergriffen“, erklärte Nolte weiter, um darauf zu verweisen, dass sie bei den anschließenden Junioren-Weltmeisterschaft aus diesen Fehlern bereits gelernt hatte. „Bei der Junioren-WM hat alles gepasst“, sagte die amtierenden Junioren-Weltmeisterin.

Doch nicht nur dieser Titel versüßte ihr bereits im Vorfeld die Gedanken an das Weltcupfinale in der Schweiz. „Es macht total Spaß, dort zu fahren, es ist ein ganz anderes Gefühl. Auch die Umgebung, es ist einfach echt schön dort“, sagte Nolte – und eröffnete die Generalprobe für die Olympischen Winterspiele in Peking mit einem fünften Platz im Monobob.

Auch interessant

Nur um eine Hundertstelsekunde verpasste sie in dieser Konkurrenz den Titel bei der parallel gewerteten Europameisterschaft, den sich ihre Teamkollegin Mariama Jamanka mit Rang vier sicherte, da die Siegerin Kaillie Humphries ebenso wie die zweitplatzierte Elana Meyers Taylor aus den USA stammt. Rang drei belegte die Kanadierin Cynthia Appiah. „Ein Rennen mit einer Hundertstel zu verlieren, ist natürlich ärgerlich“, sagte Nolte, um anzudeuten, was wirklich wichtig für sie ist: „Am Ende sind alles Zwischenschritte auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen.“

Deshalb lag ihr Fokus offiziell auch nicht auf dem Duell mit Meyers Taylor um dem Sieg im Gesamtweltcup im Zweierbob. Mit nur 35 Punkten Rückstand ging die Pilotin des BSC in das Finale. Ein Sieg und höchstens Rang fünf der Konkurrentin – und Nolte hätte sich über den Triumph freuen dürfen.

Kalicki gewinnt mit Buckwitz

Doch Kim Kalicki gewann das Rennen samt EM-Titel mit Anschieberin Lisa Buckwitz vor Mariama Jamanka und Kira Lipperheide. Laura Nolte und Deborah Levi mussten sich mit Rang drei sowie EM-Bronze begnügen. Drei Hundertstelsekunden fehlten zum zweiten Platz. Im Gesamtweltcup hätte dieser zwar den Abstand verkürzt, aber nicht zum Gesamtsieg geführt, obwohl Meyers Taylor tatsächlich nur auf den fünften Platz kam.

Auch interessant

„An den Gesamtweltcup haben wir aber gar nicht gedacht“, erzählte die Winterberger Pilotin: „Es wäre schön, ihn zu gewinnen, aber die Priorität liegt auf etwas anderem: Fit und gesund für die Olympischen Spiele zu bleiben.“ Diese gehen vom 4. bis 20. Februar in Peking über die Bühne. Nolte/Levi zählen als Zweite des Gesamtklassements zu den Medaillenkandidatinnen.

Wie wichtig die nun anstehende kurze Erholungsphase vor dem Quarantänetrainingslager ist, verriet Nolte später. „Ich hatte Probleme mit der Wade“, sagte sie über ihre etwas verhaltenen Starts im Monobob und im Zweierbob. Zwar lobte Anschieberin Deborah Levi sie dennoch und sprach von einem „tollen Job“, aber in China darf kein Zipperlein stören.

„Es war eine tolle Vorstellung von allen sechs Mädels: Es war wirklich grandios, zum Abschluss noch so ein Ergebnis hinzulegen“, sagte Chef-Bundestrainer René Spies. Er warnte aber auch mit Blick auf Olympia: „Kaillie Humphries wird uns das Leben schwer machen.“ Es wird in Peking also wieder – um Hundertstelsekunden gehen.