Meschede/Hochsauerlandkreis. Fünf getötete Tiere können der Wölfin im Arnsberger Wald nachgewiesen werden. Ist das Raubtier möglicherweise doch nur auf Durchreise?
Was ist aus dem Wolf geworden, aus GW3199f? Dieses Kürzel hat die Wölfin, die im Arnsberger Wald leben soll. Ihretwegen ist der Westen des Arnsberger Waldes auf 902 Quadratkilometern, von Meschede bis Arnsberg, mit Möhnesee und Warstein, zum „Wolfsterritorium“ eingestuft worden.
Über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten waren genetische Nachweise von diesem Wolf entdeckt worden. Das führte dann zu der Einschätzung durch das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), dass dieses Tier standorttreu geworden ist. Nachweisbar verantwortlich ist das Raubtier für vier Risse von Sikawild (im März 2023 bei Warstein, zweimal im August 2023 bei Arnsberg, im März 2024 in Möhnesee) sowie im Mai 2024 für ein gerissenes Lamm in Warstein.
Zwei Fälle noch ungeklärt
Seitdem aber: Es ist Ruhe um den Wolf, es gibt keine offiziell bekannt gewordenen neuen Fälle – weder von Wildtieren noch von Nutztieren. Im Mescheder Stadtgebiet waren am 13. August ein totes Schaf und am 20. September ein totes Lamm entdeckt worden – nach solchen Entdeckungen gibt es Untersuchungen, ob ein Wolf der Täter gewesen sein könnte. In beiden Fällen spricht das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Arnsberg allerdings im Ergebnis von Falschmeldungen – hier würden die Befunde gegen die Tötung durch ein Raubtier sprechen, es fehlte zum Beispiel der für einen Wolf typische Biss in die Kehle.
Ein Raubtier, das nicht auffällt?
Ist die Wölfin vielleicht also gar nicht mehr hier? War sie vielleicht doch nur eine Einzelgängerin auf Durchreise? Die Antworten: Man weiß es nicht. Mehr Spuren finden sich nicht auf GW3199f, bestätigt Wilhelm Deitermann, Sprecher des LANUV.
„Eine Wölfin, die ein Territorium besetzt und über einen längeren Zeitraum hinweg keine Nutztiere gerissen hat, sich also offenbar für uns Menschen unauffällig verhält, beschreibt zudem den Zustand, den sich viele wünschen.“
Das Territorium Oberer Arnsberger Wald wurde eingerichtet, da die Wölfin mindestens sechs Monate an einem Ort verbrachte „und somit als territorial gilt“: „Dies gilt auch weiterhin.“ Es bleibt bei der Einstufung des Gebietes als Wolfsterritorium. Diese Wölfin reiße offenbar kaum Nutztiere, an denen entsprechende Nachweise geführt werden könnten. Deitermann sagt: „Es ist auch in NRW nicht ungewöhnlich, dass zu einzelnen Individuen über einen Zeitraum von einigen Monaten kein Nachweis geführt wird oder dies insgesamt nur sehr unregelmäßig gelingt. Einmal umgekehrt gedacht: Es liegen keine Hinweise vor, dass die Wölfin dieses Territorium derzeit nicht mehr besetzt.“
Die Wölfin könnte damit auch ein Idealtyp sein – ein Raubtier, das nicht auffällt. Der LANUV-Sprecher sagt: „Eine Wölfin, die ein Territorium besetzt und über einen längeren Zeitraum hinweg keine Nutztiere gerissen hat, sich also offenbar für uns Menschen unauffällig verhält, beschreibt zudem den Zustand, den sich viele wünschen. Wünschen in dem Sinne, da in diesen Fällen die Zielkonflikte zwischen Weidetierhaltung und Prädator nicht so stark im Vordergrund stehen und ein Zusammenleben erheblich erleichtern können.“ Prädator ist ein anderes Wort für Räuber/Raubtiere.
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Wolf nähert sich spielerisch
Bekannt wurde in der Zwischenzeit ein älteres Video von einem Landwirt aus dem Bereich des Arnsberger Waldes. Der Landwirt ist mit dem Trecker bei der Arbeit, als sich von hinten ein Wolf nähert – Angst hat dieses Raubtier nicht vor dem Trecker. Im Gegenteil, es nähert sich ihm, wirkt fast spielerisch.
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Für Christian Otto (Eslohe-Wenholthausen), stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland und selbst Mutterkuhhalter, der wegen der Gefahr durch Wölfe besorgt ist, hat dieses Video vor allem eine Aussagekraft: „Der Wolf hat keine Angst vor dem Menschen. Warum sollte er auch? Man tut ihm ja nichts.“ Ob es sich im Video um die Wölfin GW3199f handelt, ist nicht bekannt.
„Der Wolf hat keine Angst vor dem Menschen. Warum sollte er auch? Man tut ihm ja nichts.“
Im benachbarten Hessen hat der Landtag gerade schon einmal die mögliche Bejagung von Wölfen erleichtert und das Jagdrecht geändert. Dies muss aber auch noch auf EU-Ebene beschlossen werden: Der Schutzstatus müsste von streng geschützt auf geschützt gesenkt werden. In Hessen hat auch die bisher zuständige Naturschutzverwaltung des Landes die Zuständigkeit für den Umgang mit Wölfen verloren und an den Forst abgeben müssen. Die Wölfin GW 3199f war von der Gohrischheide im Landkreis Meißen in Sachsen aus über Hessen (wo sie bei Fulda ein Reh tötete) nach NRW in den Arnsberger Wald gelangt.
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