Arnsberg. Drei Schicksalsschläge und eine Hochzeit: Manuela Yalcin kämpft weiter und unterstützt nebenbei das Arnsberger Hospiz mit Spendenaktionen.
An diesen Mittwoch im Mai vergangenen Jahres erinnert sich Manuela Yalcin (49) ganz genau: „Frühstückspause in der Neheimer Caritas-Werkstatt.“ Die 49-Jährige arbeitet dort in der Montage. „Ich nahm noch ein Brötchen mit vor die Tür und wollte mit meinem Freund eine Zigarette rauchen.“
Plötzlich wird es ihr schwarz vor Augen. Das Letzte, an das sich Manuela erinnern kann: „Meine Chefin sagte, ich sollte mich hinlegen und ausruhen.“ Dann ging alles ganz schnell: Krankenwagen, Rettungssanitäter und ab in die Notaufnahme nach Hüsten. „Der Schlaganfall hat meine ganze Welt verändert“, sagt Manuela Yalcin.
Ein Tumor unter der Schädeldecke
Mithilfe einer Computertomographie stellten die Ärzte zudem fest, dass ein Tumor unter ihrer Schädeldecke wuchs. Zum Glück „gutartig“ - dennoch musste operiert werden. Wieder ins Krankhaus, wieder Angst und Ungewissheit. „Zum Glück habe ich Menschen um mich herum, die mir Kraft geben“, sagt die 49-Jährige. Sie ist sehr beliebt bei den Arbeitskollegen, hat viele Freunde und Familie. Auch die Seelsorgerin Corinna Reiter sowie das medizinische und pflegerische Team der Caritas stehen Manuela zur Seite.
„Es ist mir eine Herzensangelegenheit, etwas für andere Menschen zu tun, denen es noch viel schlechter geht als mir.“
Manuelas große Liebe
Und dann gibt es noch diesen ganz besonderen Menschen in ihrem Leben: Burhan - Manuelas große Liebe. „Noch bevor die erste Reha-Maßnahme beginnen sollte, wollten wir heiraten“, verrät sie. Warum lange warten - das Leben kann so kurz sein. Das hatte die 49-Jährige gerade am eigenen Leibe erfahren. Am 26. Juli will das Paar nun seinen ersten Hochzeitstag feiern.
„Ja, Manuela Yalcin hatte großes Glück“, sagt Iris Blache. Sie ist Gruppenleiterin in den Caritas-Werkstätten und war an jenem Morgen dabei, als Manuela den Schlaganfall erlitt. „Wir hatten in dieser Zeit zudem einen Todesfall im Kollegenkreis“, sagt sie. Die Themen `Hospiz und Tod´ schwebten also aktuell in den Räumen der Werkstatt. „Die Gruppe wollte mehr darüber wissen, daher haben wir gemeinsam einen Besuch im Hospiz Raphael absolviert und anschließend eine VHS-Dozentin eingeladen, die einen Vortrag über Vorsorgevollmachten hielt.“
Das alles war Manuela Yalcin trotzdem nicht genug. Wo sie dem Tode quasi von der „Schippe gesprungen“ war, ließ sie das Thema nicht mehr los. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, etwas für andere Menschen zu tun, denen es noch viel schlechter geht als mir“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.
Der Weg zur Genesung ist für die Arnsbergerin noch nicht abgeschlossen, doch sie beweist außergewöhnliche Stärke und Mitgefühl. Vor zwei Wochen musste sie erneut operiert werden. Eine hartnäckige Entzündung unter der Schädeldecke wollte nicht weichen. Manuela hatte große Schmerzen. „Im Augenblick fühle ich mich gut“, sagt sie tapfer.
Außergewöhnliche Spendenaktion fürs Hospiz
Eine weiter Reha-Maßnahme beginnt für sie Anfang Februar. „Was mir passiert ist, war sehr schlimm. Das Leben kann sich von einem Moment auf den anderen verändern.“ Manuela will daher für andere etwas Gutes tun und hat im vergangenen Herbst mit dem Basteln von Weihnachtskugeln eine außergewöhnliche Spendenaktion ins Leben gerufen. „Rund 700 Euro sind dabei für das geplante Hospiz Tobit zusammen gekommen“, sagt Iris Blache.
Wenn Manuela wieder fit ist, will sie mit weiteren Spendenaktionen auf die Wichtigkeit des Hospizes aufmerksam machen. „Im Sommer möchte ich Schmetterlinge basteln“, verspricht sie. „Jeder von uns kann durch einen schweren Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen werden.“
Iris Blache nickt zustimmend und sagt: „Ihr Engagement zeigt, wie wichtig Solidarität und Mitmenschlichkeit gerade in schwierigen Zeiten sind. Mit ihrer Aktion hat sie nicht nur Menschen in Not geholfen, sondern auch ein starkes Zeichen gesetzt.“
Mehr Nachrichten? Folgen Sie der WP Arnsberg/Sundern in den sozialen Medien:
Sie haben vermutlich einen Ad-Blocker aktiviert. Aus diesem Grund können die Funktionen des Podcast-Players eingeschränkt sein. Bitte deaktivieren Sie den Ad-Blocker,
um den Podcast hören zu können.