Essen. Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg. Ein sinnloser Bruderkrieg, der den gesamten Kontinent ins Verderben stürzte und den Keim legte für den nächsten Krieg. WAZ-Redakteur Marcus Schymiczek erinnert an seinen Großvater, der als Soldat im Ersten Weltkrieg Menschlichkeit bewies - und einen Arm verlor.

Ich erinnere mich an meinen Großvater als einen strengen, wortkargen Mann. Aber da war er schon über 90 Jahre alt, geistig nicht mehr frisch und ich noch ein kleiner Junge. Und natürlich erinnere ich mich an seinen rechten Arm oder an das, was meinem Großvater davon geblieben war: ein kurzer Stumpf. Wollte er eine Flasche öffnen oder ein Einmachglas, klemmte er es unter die rechte Achsel und schraubte den Verschluss mit der linken Hand auf. Mit nur einem Arm fertigte er sogar Schuhe an. Mein Großvater war einmal Schuster von Beruf.

Und dann war da dieses Schwarzweißfotografie an der Wand der kleinen Dachgeschosswohnung in Borbeck. Es zeigt einen Mann in den besten Jahren, eine stattliche Erscheinung wie man damals sagte. Der Mann trägt eine graue Ausgehuniform mit großen Manschettenknöpfen und Koppelgürtel. Auch das war mein Großvater. Ja, mein Großvater war Soldat im Ersten Weltkrieg, an dessen Ausbruch vor 100 Jahren wir uns 2014 erinnern.

Anfangseuphorie hielt nicht lang

Anfangs entfacht der Weltenbrand noch Feierstimmung. Als sich am Abend des 30. Juli 1914 die Meldung von der Mobilmachung Russlands verbreitet, strömen auch in der Essener Altstadt die Massen auf die Straßen. „Die Straßenbahnen hatten Mühe vorwärts zu kommen“, heißt es in der Essener Chronik. „In den überfüllten Restaurants und auch im Freien wurden patriotische Lieder gesungen.“ Jeder glaubte an einen kurzen, siegreichen Feldzug. Welch’ ein Irrtum.

Ihre Fotos und Feldpostbriefe, Erzählungen und Erinnerungen sind gefragt!

Lebende Zeitzeugen des Ersten Weltkriegs gibt es keine mehr, selbst die damals jüngsten Soldaten, die den Fronteinsatz überlebten, sind längst verstorben. Das heißt aber nicht, dass es in Essener Schubladen keine alten Fotos, Feldpostbriefe oder sonstigen Dokumente aus jener Zeit mehr gäbe. Auch Ihre persönlichen Erinnerungen an den Großvater oder Urgroßvater können hochinteressant sein und sind gefragt. WAZ-Redakteur Marcus Schymiczek hat auf dieser Seite beispielhaft die Geschichte seines Großvaters erzählt.

Wenn Sie, liebe WAZ-Leserinnen und Leser, Erinnerungen oder Erinnerungsstücke besitzen, dann bitten wir Sie um Kontaktaufnahme. Möglich ist dies per Email unter redaktion.essen@waz.de oder per Post an WAZ-Lokalredaktion, Sachsenstraße 36, 45128 Essen. Oder Sie rufen uns unter 804 8193 an. Aus der Hand geben brauchen Sie Ihre Erinnerungsstücke übrigens nicht unbedingt, es gibt auch andere Möglichkeiten.

Tags drauf läuten in der ganzen Stadt die Kirchenglocken, die Feuerwehr verbreitet es auf Plakaten: Das deutsche Heer macht mobil. Zu Tausenden melden sich Freiwillige an den Sammelstellen des Militärs. 9000 junge Männer werden im Laufe eines einzigen Tages allein im Schulhof an der Alfredi-straße „abgefertigt“. Komplette Schulklassen melden sich, um in den Krieg zu ziehen. „Die gesamte Oberprima der Humboldt-Oberrealschule stellte sich in den Waffendienst. Andere Primaner folgten ihrem Beispiel“, schreibt der unbekannte Chronist begeistert.

Meldete Großvater sich freiwillig?

Die Maschinerie des Ersten Weltkrieges erfasst das zivile Leben wie kein Krieg zuvor. Am Gerlingplatz werden Automobile und Pferde requiriert. Der Zirkus Sarasani, der zufällig in Essen gastiert, muss eine stattliche Zahl seiner Pferde dem Militär überlassen. Der Vaterländische Frauenverein näht Hemden für die Soldaten, das Rote Kreuz schult Freiwillige zu Krankenträgern. Ab Anfang August fahren die Straßenbahnen nicht mehr im Takt, zu viele Fahrer und Schaffner sind schon eingezogen, jeder zweite Reservist wird zu den Waffen gerufen.

Essen im Ersten Weltkrieg

Die Besatzung eines Essener Lazarettzugs, fotografiert im Jahr 1914.
Die Besatzung eines Essener Lazarettzugs, fotografiert im Jahr 1914. © Deutsches Rotes Kreuz Essen
Verladung von Verletzten in einem Lazarettzug 1914.
Verladung von Verletzten in einem Lazarettzug 1914. © Fotoarchiv Ruhr Museum / Bestand Stadtbildstelle Essen
Die Freiwilligen Sanitätskolonnen Essen bei einer Übung in Essen, die möglicherweise  möglicherweise vor 1914 durchgeführt worden
Die Freiwilligen Sanitätskolonnen Essen bei einer Übung in Essen, die möglicherweise möglicherweise vor 1914 durchgeführt worden © Deutsches Rotes Kreuz Essen
Schwestern im Jahr 1914 im Einsatz.
Schwestern im Jahr 1914 im Einsatz. © Deutsches Rotes Kreuz Essen
Am 6. Mai 1918 stürzt in Essen-Heisingen ein Großkampfflugzeug ab.
Am 6. Mai 1918 stürzt in Essen-Heisingen ein Großkampfflugzeug ab. © Frank Radzicki / Essener Luftfahrtarchiv
Das Großkampfflugzeug prallte gegen den Heisinger Berg und wurde völlig zerstört. Sieben Besatzungsmitglieder kamen dabei um.
Das Großkampfflugzeug prallte gegen den Heisinger Berg und wurde völlig zerstört. Sieben Besatzungsmitglieder kamen dabei um. © Frank Radzicki / Essener Luftfahrtarchiv
Offenbar war es zu dem Zeitpunkt nebelig im Ruhrtal und die Besatzung verlor die Orientierung. Der Pilot versuchte eine Notlandung auf einer Wiese an der Ruhr. Ein Denkmal erinnert an den Absturz.
Offenbar war es zu dem Zeitpunkt nebelig im Ruhrtal und die Besatzung verlor die Orientierung. Der Pilot versuchte eine Notlandung auf einer Wiese an der Ruhr. Ein Denkmal erinnert an den Absturz. © Frank Radzicki / Essener Luftfahrtarchiv
Das Denkmal ist in der Vergangenheit wiederholt beschmiert worden.
Das Denkmal ist in der Vergangenheit wiederholt beschmiert worden. © Frank Radzicki / Essener Luftfahrtarchiv
Auch im Essener Stadtteil Frillendorf gibt es ein Denkmal, das in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg steht. Es erinnert an die Frillendorfer, die im Ersten Weltkrieg gestorben sind.
Auch im Essener Stadtteil Frillendorf gibt es ein Denkmal, das in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg steht. Es erinnert an die Frillendorfer, die im Ersten Weltkrieg gestorben sind. © Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool
Das Denkmal steht an der Ecke Ernestinenstraße und Auf der Litten in Essen.
Das Denkmal steht an der Ecke Ernestinenstraße und Auf der Litten in Essen. © Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool
Ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg, ein wichtiger Schritt in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt Essen: Mit Wirkung zum 10.04.1913 ist ein
Ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg, ein wichtiger Schritt in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt Essen: Mit Wirkung zum 10.04.1913 ist ein "Handel mit Backwaren" von Karl Albrecht, dem Vater der späteren Aldi-Inhaber, im Verzeichnis der Gerwerbe-Anmeldungen der Bürgermeisterei Stoppenberg angemeldet. Das Ladengeschäft befand sich damals in der Mittelstraße 87 (jetzige Huestraße) in Essen. © Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Das Ladengeschäft befand sich damals in der Mittelstraße 87 (jetzige Huestraße) in Essen.
Das Ladengeschäft befand sich damals in der Mittelstraße 87 (jetzige Huestraße) in Essen. © Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
1912 wurde der Flughafen Gelsenkirchen-Rotthausen-Kray eingeweiht.
1912 wurde der Flughafen Gelsenkirchen-Rotthausen-Kray eingeweiht. © Frank Radzicki / Essener Luftfahrtarchiv
In unmittelbarer Nähe zu dem Flughafen befanden sich die Kondor-Flugzeugwerke. Dort wurden während des Ersten Weltkriegs in Lizenz Aufklärungsflugzeuge der Albatros-Werke gebaut.
In unmittelbarer Nähe zu dem Flughafen befanden sich die Kondor-Flugzeugwerke. Dort wurden während des Ersten Weltkriegs in Lizenz Aufklärungsflugzeuge der Albatros-Werke gebaut. © Frank Radzicki / Essener Luftfahrtarchiv
Militärisch wurde der Flughafen nicht genutzt, dafür aber zum Beispiel von der Fliegerschule Josef Schlatter.
Militärisch wurde der Flughafen nicht genutzt, dafür aber zum Beispiel von der Fliegerschule Josef Schlatter. © Frank Radzicki / Essener Luftfahrtarchiv
Das Blechwalzwerk Schulz-Knaudt von Süden, mit  Bahngleisen (1912-14).
Das Blechwalzwerk Schulz-Knaudt von Süden, mit Bahngleisen (1912-14). © Fotoarchiv Ruhr Museum / Bestand Stadtbildstelle Essen
Der Stinnes-Hafen wurde 1914 in Betrieb genommen.
Der Stinnes-Hafen wurde 1914 in Betrieb genommen. © Geschichtskreis Carnap/v.d.Höh
Der Handelshof 1912.
Der Handelshof 1912. © Fotoarchiv Ruhr Museum / Bestand Stadtbildstelle Essen
Die Krupp-Werke von Westen aus betrachtet (Blickrichtung Kronenberg) (zwischen 1900 und 1920): Hauptverwaltung, Zeche Sälzer Neuack, St. Anna Kirche am Westbahnhof.
Die Krupp-Werke von Westen aus betrachtet (Blickrichtung Kronenberg) (zwischen 1900 und 1920): Hauptverwaltung, Zeche Sälzer Neuack, St. Anna Kirche am Westbahnhof. © Fotoarchiv Ruhr Museum / Bestand Stadtbildstelle Essen
Das Hotel zum Deutschen Haus in der Kastanienallee in Essen, fotografiert im Jahr 1918.
Das Hotel zum Deutschen Haus in der Kastanienallee in Essen, fotografiert im Jahr 1918. © Repro: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool
Das Hotel zum Deutschen Haus in der Kastanienallee in Essen, fotografiert im Jahr 1918.
Das Hotel zum Deutschen Haus in der Kastanienallee in Essen, fotografiert im Jahr 1918. © Repro: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool
Norbert Fabisch ist Geschichtslehrer am Victoria-Gymnasium. Er zeigt die Abiturarbeiten im Fach Deutsch aus dem Jahr 1915.
Norbert Fabisch ist Geschichtslehrer am Victoria-Gymnasium. Er zeigt die Abiturarbeiten im Fach Deutsch aus dem Jahr 1915. © Dirk Bauer/WAZ FotoPool
Norbert Fabisch ist Geschichtslehrer am Victoria-Gymnasium. Er zeigt die Abiturarbeiten im Fach Deutsch aus dem Jahr 1915.
Norbert Fabisch ist Geschichtslehrer am Victoria-Gymnasium. Er zeigt die Abiturarbeiten im Fach Deutsch aus dem Jahr 1915. © Dirk Bauer/WAZ FotoPool
Die Schülerinnen der damaligen Mädchenschule mussten sich mit der Frage
Die Schülerinnen der damaligen Mädchenschule mussten sich mit der Frage "Ist der 1. Weltkrieg ein heiliger Krieg?" auseinander. © Dirk Bauer/WAZ FotoPool
Die Schülerinnen der damaligen Mädchenschule mussten sich mit der Frage
Die Schülerinnen der damaligen Mädchenschule mussten sich mit der Frage "Ist der 1. Weltkrieg ein heiliger Krieg?" auseinander. © Dirk Bauer/WAZ FotoPool
Die Schülerinnen der damaligen Mädchenschule mussten sich mit der Frage
Die Schülerinnen der damaligen Mädchenschule mussten sich mit der Frage "Ist der 1. Weltkrieg ein heiliger Krieg?" auseinander. © Dirk Bauer/WAZ FotoPool
Die erste Mannschaft von Tura 86 Essen im Jahr 1915.
Die erste Mannschaft von Tura 86 Essen im Jahr 1915. © Tura 86 Essen
Der Abiturjahrgang 1915 des Viktoria-Gymnasiums Essen.
Der Abiturjahrgang 1915 des Viktoria-Gymnasiums Essen. © Viktoria-Gymnasium
Die Ansichtskarte zeigt die  Synagoge und die Altkatholische Friedenskirche in Essen, etwa 1917. Beides Gebäude entstanden kurz vor und während des Ersten Weltkriegs.
Die Ansichtskarte zeigt die Synagoge und die Altkatholische Friedenskirche in Essen, etwa 1917. Beides Gebäude entstanden kurz vor und während des Ersten Weltkriegs. © Repro: Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Das Ensemble von Alter Synagoge (links) und Altkatholischer Friedenskirche am Edmund-Körner-Platz heute.
Das Ensemble von Alter Synagoge (links) und Altkatholischer Friedenskirche am Edmund-Körner-Platz heute. © Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Die Altkatholischer Friedenskirche wurde zur Zeit des Ersten Weltkriegs gebaut, zwischen 1914 und 1916.
Die Altkatholischer Friedenskirche wurde zur Zeit des Ersten Weltkriegs gebaut, zwischen 1914 und 1916. © Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Die Synagoge wurde 1913 errichtet - ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg.
Die Synagoge wurde 1913 errichtet - ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg. © WAZ FotoPool
Innenansicht der Synagoge aus dem Jahr 2013.
Innenansicht der Synagoge aus dem Jahr 2013. © Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Historische Polizei-Kopfbedeckungen - etwa aus dem Kaiserreich - können die Besucher im Polizeimuseum in Essen an der Norbertstraße entdecken.
Historische Polizei-Kopfbedeckungen - etwa aus dem Kaiserreich - können die Besucher im Polizeimuseum in Essen an der Norbertstraße entdecken. © Dirk Bauer/WAZ FotoPool
Ignatz Schymiczek diente im Ersten Weltkrieg als Wehrmann in der zweiten Garde-Infanteriedivision. Im ersten Teil unserer Serie
Ignatz Schymiczek diente im Ersten Weltkrieg als Wehrmann in der zweiten Garde-Infanteriedivision. Im ersten Teil unserer Serie "1914 - Essen und der Erste Weltkrieg" geht es um ihn. © privat
Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie
Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie "1914 - Essen und der Erste Weltkrieg". © Sebastian Konopka/ WAZ FotoPool
Eine Rarität ist diese Aufnahme, die den Frontkämpfer Karl Schwochert in einer Gefechtspause im Schützengraben zeigt. Sie entstand am 23. Juni 1918 zwischen den Abwehrschlachten bei Noyon und Reims.
Eine Rarität ist diese Aufnahme, die den Frontkämpfer Karl Schwochert in einer Gefechtspause im Schützengraben zeigt. Sie entstand am 23. Juni 1918 zwischen den Abwehrschlachten bei Noyon und Reims. © privat
Diese Feldpostkarte ist datiert vom 20. Dezember 1914. Karl Schwochert, stehend, hat damals schon vier Monate an der Westfront hinter sich.
Diese Feldpostkarte ist datiert vom 20. Dezember 1914. Karl Schwochert, stehend, hat damals schon vier Monate an der Westfront hinter sich. © privat
Das Ehrenkreuz mit Eichenkranz am Bande für Frontkämpfer erhielt Karl Schwochert 1935. Doch mit den Nazis hatte er nichts am Hut.
Das Ehrenkreuz mit Eichenkranz am Bande für Frontkämpfer erhielt Karl Schwochert 1935. Doch mit den Nazis hatte er nichts am Hut. © Sebastian Konopka/ WAZ FotoPool
Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie
Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie "1914 - Essen und der Erste Weltkrieg". © Sebastian Konopka/ WAZ FotoPool
Kitschig und verklärende Feldpostkarten sollten in der Heimat über das barbarische Gemetzel hinwegtäuschen, das an der Front tobte. Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie
Kitschig und verklärende Feldpostkarten sollten in der Heimat über das barbarische Gemetzel hinwegtäuschen, das an der Front tobte. Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie "1914 - Essen und der Erste Weltkrieg". © privat
Eine Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg. Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie
Eine Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg. Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie "1914 - Essen und der Erste Weltkrieg". © privat
Eine Feldpostkarte aus Straßburg: Weil der Platz auf der Rückseite knapp bemessen war, ging es auf der Vorderseite weiter - akkurat und in Sütterlin. Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie
Eine Feldpostkarte aus Straßburg: Weil der Platz auf der Rückseite knapp bemessen war, ging es auf der Vorderseite weiter - akkurat und in Sütterlin. Die Geschichte seines Großvaters Karl Schwochert erzählt Berthold Proschaska im zweiten Teil unserer Serie "1914 - Essen und der Erste Weltkrieg". © privat
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater, der ebenfalls Hermann Eumann hieß.
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater, der ebenfalls Hermann Eumann hieß. © Dirk Bauer/ WAZ FotoPool
Hermann Eumann (93) aus Essen bewahrt ein seltenes Erinnerungsstück seines Vaters aus dem Ersten Weltkrieg auf - seine schwarze Brieftasche mit einem Einschussloch. An der Westfront traf den Essener eine Kugel in der Hüfte und durchschlug dann die Gesäßtasche.
Hermann Eumann (93) aus Essen bewahrt ein seltenes Erinnerungsstück seines Vaters aus dem Ersten Weltkrieg auf - seine schwarze Brieftasche mit einem Einschussloch. An der Westfront traf den Essener eine Kugel in der Hüfte und durchschlug dann die Gesäßtasche. © Dirk Bauer/ WAZ FotoPool
Das zerschossene Soldbuch.
Das zerschossene Soldbuch. © privat
Das Eiserne Kreuz von Hermann Eumann.
Das Eiserne Kreuz von Hermann Eumann. © Dirk Bauer/ WAZ FotoPool
Das Feld- und Soldbuch von Hermann Eumann mit den Einsatzorten.
Das Feld- und Soldbuch von Hermann Eumann mit den Einsatzorten. © Dirk Bauer/ WAZ FotoPool
Hermann Eumann (links) in einem Schützengraben des Ersten Weltkriegs.
Hermann Eumann (links) in einem Schützengraben des Ersten Weltkriegs. © privat
Hermann Eumann (rechts) mit seinem Bruder Franz während des Ersten Weltkriegs.
Hermann Eumann (rechts) mit seinem Bruder Franz während des Ersten Weltkriegs. © privat
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater.
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater. © privat
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater (rechts).
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater (rechts). © privat
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater.
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater. © privat
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater.
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater. © privat
Eine Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg. Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater.
Eine Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg. Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater. © privat
Der Kommandant von Besser von Hermann Eumann.
Der Kommandant von Besser von Hermann Eumann. © privat
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater.
Hermann Eumann erzählt im dritten Teil unserer Serie von seinem Vater. © privat
Johann Büse zog als Soldat in den Ersten Weltkrieg. Seine Enkelin erinnert sich im vierten Teil unserer Serie an ihren Großvater.
Johann Büse zog als Soldat in den Ersten Weltkrieg. Seine Enkelin erinnert sich im vierten Teil unserer Serie an ihren Großvater. © privat
Johann Büse zog als Soldat in den Ersten Weltkrieg. Seine Enkelin erinnert sich im vierten Teil unserer Serie an ihren Großvater.
Johann Büse zog als Soldat in den Ersten Weltkrieg. Seine Enkelin erinnert sich im vierten Teil unserer Serie an ihren Großvater. © privat
Leser Knut Räppold hat uns dieses Foto von dem Vater seiner Tante (links) geschickt.
Leser Knut Räppold hat uns dieses Foto von dem Vater seiner Tante (links) geschickt. © privat
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt.
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt. © privat
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt.
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt. © privat
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt.
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt. © privat
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt.
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt. © privat
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt.
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt. © privat
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt.
Leser Knut Räppold hat uns diese Feldpostkarte von dem Vater seiner Tante (links) geschickt. © privat
Die Geschichte des Oberstabsarztes Rudolf Müller erzählt sein Enkel im fünften Teil unserer Serie.
Die Geschichte des Oberstabsarztes Rudolf Müller erzählt sein Enkel im fünften Teil unserer Serie. © privat
Die Geschichte des Oberstabsarztes Rudolf Müller erzählt sein Enkel im fünften Teil unserer Serie.
Die Geschichte des Oberstabsarztes Rudolf Müller erzählt sein Enkel im fünften Teil unserer Serie. © privat
Oberstabsarzt Rudolf Müller war von 1914 bis 1918 Chefarzt in einem Feldlazarett in Frankreich und Belgien.
Oberstabsarzt Rudolf Müller war von 1914 bis 1918 Chefarzt in einem Feldlazarett in Frankreich und Belgien. © privat
Die Geschichte des Oberstabsarztes Rudolf Müller erzählt sein Enkel im fünften Teil unserer Serie.
Die Geschichte des Oberstabsarztes Rudolf Müller erzählt sein Enkel im fünften Teil unserer Serie. © privat
Die Geschichte des Oberstabsarztes Rudolf Müller erzählt sein Enkel im fünften Teil unserer Serie.
Die Geschichte des Oberstabsarztes Rudolf Müller erzählt sein Enkel im fünften Teil unserer Serie. © privat
Tod im Graben: ein englischer Soldat, aufgenommen von Dr. Rudolf Müller.
Tod im Graben: ein englischer Soldat, aufgenommen von Dr. Rudolf Müller. © privat
Ein deutscher Fliegeroffizier wird in Frankreich mit allen militärischen Ehren beigesetzt.
Ein deutscher Fliegeroffizier wird in Frankreich mit allen militärischen Ehren beigesetzt. © privat
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie.
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie. © Rotkreuz-Museum Essen
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie.
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie. © Rotkreuz-Museum Essen
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie.
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie. © Rotkreuz-Museum Essen
Der Essener Rotkreuz-Lazarettzug trug den Namen seines Stifters, des Essener Diplomaten Julius von Waldthausen. Das Bild zeigt seine Frau Elinor.
Der Essener Rotkreuz-Lazarettzug trug den Namen seines Stifters, des Essener Diplomaten Julius von Waldthausen. Das Bild zeigt seine Frau Elinor. © Rotkreuz-Museum Essen
Am Hauptbahnhof in Essen hatte das Rote Kreuz eine Unfall-Hilfstelle eingerichtet, um die Ankommenden in den Lazarettzügen zu empfangen.
Am Hauptbahnhof in Essen hatte das Rote Kreuz eine Unfall-Hilfstelle eingerichtet, um die Ankommenden in den Lazarettzügen zu empfangen. © Rotkreuz-Museum
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie.
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie. © Rotkreuz-Museum Essen
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie.
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie. © Rotkreuz-Museum Essen
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie.
Das Rotkreuz-Museum in Essen dokumentiert unter anderem die Geschichte der beiden Essener Lazarettzüge - mehr dazu im fünften Teil unserer Serie. © Rotkreuz-Museum Essen
Das Ernst-Moritz-Arndt-Haus in der Julienstraße in Essen dienten als Hilfskrankenhaus. Verwundete sitzen neben ihren Betten und flechten Körbe.
Das Ernst-Moritz-Arndt-Haus in der Julienstraße in Essen dienten als Hilfskrankenhaus. Verwundete sitzen neben ihren Betten und flechten Körbe. © Rotkreuz-Museum Essen
Soldaten im Ersten Weltkrieg - über seinen Großvater Friedrich Rosenbach (zweiter von links) berichtet Harald Junior im siebten Teil unserer Reihe.
Soldaten im Ersten Weltkrieg - über seinen Großvater Friedrich Rosenbach (zweiter von links) berichtet Harald Junior im siebten Teil unserer Reihe. © privat
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Und mein Großvater? War auch er im Rausch nationaler Begeisterung in den Krieg gezogen? Hatte er sich gar freiwillig gemeldet?

Seinem Naturell hätte das nicht entsprochen. Bei Kriegsausbruch ist er fast 30 Jahre alt. 1916 dient er als „Wehrmann“ in der 2. Garde-Infanteriedivision. Der einfache Dienstgrad spricht dafür, dass mein Großvater als Reservist mobilisiert wurde. Bei Kriegsbeginn beträgt die Ausbildungszeit für Reservisten noch zwei Monate, im Verlauf des Krieges sinkt die Drillzeit auf sechs Wochen. Der Krieg für „Kaiser und Vaterland“ forderte immer schneller frisches Blut.

Auf den Kriegsschauplätzen des Ersten Weltkriegs 

Die Division meines Großvaters wird an fast allen Kriegsschauplätzen eingesetzt. 1914 an der Marne, im Sommer 1916 an der Somme, wo während der britischen Offensive 1,2 Millionen Soldaten ihr Leben lassen, 1918 wieder an der Marne.

Mein Großvater gehört einer Behelfs-Mineur-Kompanie an. 1904 war er aus Oberschlesien ins Ruhrgebiet gekommen, wie so viele Zugewanderte arbeitete auch er im Bergbau, auf Zeche Prosper in Bottrop. Das kaiserliche Heer macht sich die Ausbildung der Bergleute zunutze. Im unterirdischen Vortrieb graben Mineure sich unter die gegnerischen Stellungen vor. Die Tunnel füllen sie mit Sprengstoff und jagen die Ladung in die Luft. Schon im Mittelalter hatten Armeen diese Art der Kriegsführung erprobt. Im Stellungskrieg der Jahre 1914 bis 1918 erinnern sich Strategen beider Seiten dieser Technik.

Im Januar 1915 wird meinem Großvater eine „besondere Anerkennung“ ausgesprochen, „weil er sich beim Bergen von zwei in einem Stollen verschütteten Kameraden unter schwierigen Verhältnissen durch Mut und aufopfernde Tätigkeit ausgezeichnet hat.“ So steht es auf einer Urkunde zu lesen, die ihm damals als Anerkennung für seine Tat überreicht worden war. Neben dem Foto, das ihn in Uniform zeigt, ist das Schriftstück das einzige verbliebene Zeugnis seiner Soldatenzeit. War mein Großvater ein Held? Er hat in einem Krieg, in dem das Leben eines einzelnen nicht viel wert war, etwas Menschliches getan, indem er Menschen half, die in Not geraten waren. Dafür bekam er einen Orden.

Den Wahnsinn überlebt

Was es hieß, für Kaiser und Vaterland in den Krieg zu ziehen, schildert ein anderer Soldat aus Borbeck in einem Feldpostbrief. Nach dem Sturm französischer Stellungen am 20. August 1914 schreibt Hugo Baumeister: „Rechts und links von mir lagen Tote und Verwundete. Es war ein furchtbares Jammern und Stöhnen.“ Auf dem Schlachtfeld findet Baumeister zwei verwundete Kameraden, auch sie stammen aus Borbeck. Einen der beiden kann er retten, der andere stirbt. „Er hatte bald ausgelitten. Die Wangen blass und eingefallen, das Auge schon gebrochen. Ich sah, dass es zu Ende ging.“ Baumeisters Regiment verliert an diesem Tag 1640 seiner 3300 Mann. Im April 1915 fällt auch Baumeister.

Mein Großvater hat diesen Wahnsinn überlebt. Bei Charleroi, wo seine Division sich 1918 auf dem Rückzug befindet, wird er schwer verwundet. 1,6 Millionen deutsche Soldaten waren da in diesem Krieg bereits gefallen, 260.000 galten als vermisst. Mein Großvater verlor seinen rechten Arm.

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