Essen. . Das grüne Heidhausen im äußersten Essener Süden erfreut sich großer Beliebtheit – entsprechend hoch ist der Baudruck. Folge 26 der Stadtteil-Serie „60 Minuten in...“.
Einmal durch Werden durch, dann links oder rechts abbiegen. Heidhausen, der Stadtteil im äußersten Süden, wird von der B 224 geteilt. Dahinter kommen Wiesen und Weiden. Und dann schon bald Velbert und das Bergische Land. Meinhard Brummack ist vor 43 Jahren hierhin gezogen. Sein Lieblingsplatz ist am kleinen „Heiligenhüsken“ an der Gabelung Barkhovenallee und Jacobsallee, die „eigentlich beide Kastanienallee heißen müssten, weil sie von diesen imposanten Bäumen gesäumt werden“. Das Heiligenhüsken kann er von seinem Küchenfenster aus sehen. „Zig tausend Mal bin ich da schon vorbei gefahren.“
So ein Heiligenhäuschen dient dem Schutz einer aufgestellten Heiligenfigur oder eines Heiligenbildes. „Dieses hier stammt von 1721 und wurde zur Erinnerung an den Heiligen Liudger aufgestellt. Damals gab es noch Feldprozessionen.“
„Man wohnt sehr gut hier“
Damals. Als Heidhausen hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt wurde und viele große Höfe das Bild prägten. „Feld und Flur sind oft nicht mehr da“, sagt der 66-Jährige ohne Bedauern. „Dafür wurden in der Vergangenheit viele Siedlungen gebaut. Man wohnt halt sehr gut hier. Heidhausen ist Essens Tor ins Bergische. Trotz der vielen Neubauten hat es seinen ländlichen Charakter behalten.“ Geschäftig geht es vor allem an der großen Kreuzung zu. Dort steht die Gaststätte „Zum Schwarzen“, sind viele Geschäfte und es führt die Hammer Straße in Richtung Fischlaken.
Der höchste Punkt der Stadt Essen
Im Stadtteil Heidhausen liegt mit 202,54 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Punkte der Stadt Essen - an der Preutenborbeckstraße. Von dort hat man bei klarem Wetter eine weite und freie Sicht. Gen Norden sieht man den Gasometer von Oberhausen, die Hochöfen von Duisburg und sogar die Niederrheinbrücke in Wesel. Beliebt ist diese Straße besonders in der Silvesternacht, denn von dort kam bestens das Feuerwerk über der Nachbarstadt Velbert bestaunen.
„So ein richtiges Ortszentrum haben wir nicht“, sagt Brummack, der 40 Jahre im Polizeidienst war und seit 2006 den Ruhestand genießt. „Früher war das mal der Bereich ums ehemalige Rathaus herum, am Heidhauser Platz.“ Heute ist das Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, ein Hotel. „Davor war früher immer Kirmes, und im Rathaus hatte die Polizei ihren Sitz. Zwei Arrestzellen gab es.“ Der Weg führt uns durch die Straße „An der Braut“ („da war früher eine Zeche“) zur „Grünen Harfe“. Das jüngste und größte Wohnbauprojekt hat die Heidhauser lange kontrovers beschäftigt. „Da gab es viel Gegenwind, aber jetzt haben sich die Wogen geglättet.“
Heishausens berühmter Sohn
Führend in moderner Lungenmedizin
Als vor über 100 Jahren mit der „Lungenheilstätte Holsterhausen“ der Vorgänger der heutigen Ruhrlandklinik entstand, zwang die Volkskrankheit Tuberkulose Mediziner und Politiker zum schnellen Handeln. Längst ist diese Seuche besiegt, doch sind an ihre Stelle weitaus größere Herausforderungen getreten, die die moderne Lungenmedizin nun zu meistern hat. Die Ruhrlandklinik - das Westdeutsche Lungenzentrum am Universitätsklinikum Essen - entwickelte sich zur führenden medizinischen Institution. Jährlich werden rund 18.000 Patienten versorgt.
Unweit der Stelle, wo die Bagger arbeiten und die ersten Baugrundstücke abgesteckt werden, steht der Oberhof Barkhov. Auch ein Baudenkmal „und die Wiege Heidhausens“. Dort wurde der Maler Theodor Mintrop geboren. Geduckt unter Bäumen erinnert ein Gedenkstein an den berühmten Heidhauser Sohn.
Ein stiller Ort, von denen es in Heidhausen einige gibt. Das mag Meinhard Brummack an seinem Stadtteil. Viel gebaut wird auch hier, wie überall im Essener Süden. Aber kein architektonischer Einheitsbrei, sondern, „das ist alles sehr individuell“, sagt er und zeigt auf ein beeindruckend großes Holzhaus am Rand der Siedlung.
Er mag außerdem, dass man in Heidhausen einen Golfplatz hat, die Ruhrlandklinik, eine aktive Freiwillige Feuerwehr und die Suchtklinik Kamillushaus, „die die erste katholische Einrichtung dieser Art in Deutschland war“.
Zeltdorf am Volkswald
Ansiedlung in der Heide
Das schwarz-rot-weiße Heidhauser Wappen ist ein sogenanntes „redendes Wappen“. Es zeigt zwei „Heidenkronen“ (Zackenkrone mit zwölf Zinken aus vorchristlicher Zeit) für „Heid-“ und ein Fachwerkhaus für „-hausen“ Die früheren Schreibweisen „Het(h)husen“ sind Bezeichnungen für eine Ansiedlung in der Heide - gemeint war damit eine Fläche, die der gemeinschaftlichen Nutzung einer Bauerschaft diente. Auch dieses Essener Stadtteil-Wappen hat keinen offiziellen Charakter. Der Heraldiker Kurt Schweder schuf es in den 1980er Jahren.
Einen Kaffee trinken wir zum Abschluss beim TC Am Volkswald. Wirt Pietro öffnet extra eine Stunde früher. Auf der schmucken Platzanlage spielt Meinhard Brummack seit Jahren Tennis. Außerdem ist er in der Nordic-Walking-Gruppe des Vereins höchst aktiv.
Die Novembersonne scheint auf die Terrasse. Von dort schaut man auf den ehemaligen Fußballplatz am Volkswald. Jetzt wohnen dort Flüchtlinge in Zelten. „Wenn sich die Menschen eingelebt haben, möchte ich sie zu einem Rundgang durch Heidhausen einladen, damit sie den Stadtteil kennenlernen.“
Heidhausen in Zahlen
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