Duisburg. Der aus Duisburg stammende Architekt Jürgen Bahl hat mehr als den „halben“ Innnenhafen gestaltet. Hitachi, Looper, Five Boats: allesamt Büroimmobilien, die aus seinem Hagener Büro stammen. Der Architekt kennt sich also aus mit Stadtgestaltung. Er rät Duisburg zur Planung aus einem Guss – und zu mehr Selbstbewusstsein: „Duisburg ist eine Großstadt und in der 1. Liga“.

Er hat die Stadt gestaltet wie kaum ein anderer, vor allem Duisburgs Vorzeigemeile, den Innenhafen. Der Architekt Jürgen Bahl. Hitachi-Gebäude, Five Boats, der Looper, das sind nur einige seiner die Bassin-Promenade prägenden Bürobauten. Funktional und doch Ausrufezeichen aus Stahl und Glas. „Architekten sind Dienstleister“, sagt Bahl. Sie erfüllen Aufträge für ihre Kunden. Bahl blickt dabei aber über den Tellerrand seiner bleibenden Arbeiten hinaus, schreibt Duisburg Kernsätze ins Gestaltungs-Handbuch.

Das würde Bahl in Essen, Dortmund oder Köln nicht so tun. Aber der 54-jährige ist gebürtiger Duisburg, aufgewachsen in Huckingen, und sein Herz hängt fraglos an der Stadt. „Da ist schon auch Stolz dabei“, sagt er, auf der Buckel-Brücke im Innenhafen stehend, zwei seiner architektonischen Hinterlassenschaften im Rücken. Links Hitachi, rechts „Five Boats“. Jede Woche ist er zurzeit wieder einen Tag zur Baubesprechung in Duisburg: Der Neubau der Targo-Bank ist seine aktuelle Baustelle.

Langlebig, nicht modisch

Büro-Architektur prägt das Bild einer Stadt. Die Masse macht’s. Bei 100.000 qm Büroraum, denen Bahl in den vergangenen Jahren hier seine bauliche Form gegeben, bleibt das nicht aus. Seine Gebäude sind Landmarken, Fassaden und Gebäudeformen, die auffallen, Akzente setzen. Dabei betont Bahl: „Architektur ist nicht l’art pour l’art. Sie ist immer der Funktionalität verpflichtet. Sie muss langlebig, darf nicht modisch sein.“ Klare Linien und Formen sind dabei seine Gestaltungsmaxime. Was für den Betrachter nicht ersichtlich ist: Bahl baut für Büro-Beschäftigte: Heißt: die Arbeitsbedingungen müssen optimal sein. Licht, Klima, Technik, Raum spielen wichtige Rollen.

Dem Architekten half, dass seine Auftraggeber – oft die Essener Projektentwickler Kölbl und Kruse – keine Schuhkartons oder Klinker-Quadrate wollten. So hat der Architekt Raum (und Budget) auch für architektonische Qualität. Und die zahlt sich aus. Wie im Innenhafen. „Im Mix von Büroimmobilien, ­Gastronomie und Wohnen ist das gelungen. Das war wichtig für Duisburg.“

Duisburg spielt in der 1. Liga

Doch zugleich vermisst Bahl, dass Duisburg mehr aus seinem Innenhafen macht, der zu seinen Anfängen eine regelrechte Aufbruchstimmung erzeugte: „Der Düsseldorfer Medienhafen ist heute in aller Munde, Duisburg nicht“, rät er Duisburg zu etwas mehr Selbstbewusstsein: „Duisburg ist eine Großstadt und spielt in der 1. Liga, nicht in der dritten.“

Stadtgestaltung und Stadtentwicklung brauchen einen Plan, empfiehlt Bahl. Stadtplanung eben. Und die sieht der Architekt mit dem Masterplan von Norman Foster für die Innenstadt eigentlich gegeben. Nur in der sichtbaren Masse fehlt es noch. So lobt Bahl die Pläne und Entwicklungspotenziale des neuen Mercatorquartiers. Mit ihm sollte gelingen, was in seinen Augen fehlt: die bessere Verbindung zwischen Innenstadt und Innenhafen, mit Quartieren für Wohnen, Arbeiten, Handel, aber auch mit mehr grünen Wegebeziehungen.

Mangelndes Selbstbewusstsein und Stehvermögen

Sein fachlicher Blick, gepaart mit alter Duisburg-Zuneigung, macht allerdings auch Sünden aus: „Die Duisburger Freiheit hätte genug Kraft gehabt. Da hat man die Pläne sang- und klanglos gegen die Wand gefahren. Ein Möbelhaus in dieser privilegierten Lage ist eine Katastrophe. Außerdem bekommt die Innenstadt dadurch Schluckbeschwerden“, warnt der 54-Jährige.

Dass Duisburg letztlich diesen Strohhalm ergriff, ist für Bahl aber auch Bestätigung für mangelndes Selbstbewusstsein und Stehvermögen: „Wir hatten hier in Duisburg nie volle Gläser. Aber sie sind halb voll und nicht halb leer.“