Jerusalem. Pia Meßing hat bei der U20-Europameisterschaft im Siebenkampf die Silbermedaille geholt. Leicht war es aber nicht für das Talent des TV Gladbeck.

Sie hat es wieder geschafft! Nachdem Pia Meßing im vergangenen Jahr bei der U18-Europameisterschaft in Jerusalem die Bronzemedaille gewonnen hat, sicherte sich das Top-Talent des TV Gladbeck nun bei der U20-EM an gleicher Stelle sogar Silber. Nur ihre Landsfrau Sandrina Sprengel (LG Steinlach-Zollern) sammelte noch mehr Punkte als die 18-Jährige, die auf 5790 Zähler kam. Die beiden Deutschen profitierten auch davon, dass die in Führung liegende Topfavoritin Jana Koscak aus Kroatien verletzungsbedingt aufgeben musste.

Als nach zwei langen Wettkampftagen im Jerusalemer Givat-Ram-Stadion das abschließende Rennen über 800 Meter beendet war, umarmten sich Sandrina Sprengel, Kajsa Zimmermann (SV Halle) und Pia Meßing, die drei deutschen Siebenkämpferinnen, erst einmal kurz. Anschließend schnappten sich die Siegerin und die Silbermedaillengewinnerin Deutschland-Fahnen und ließen sich, obwohl sie ausgepowert waren, noch fotografieren.

Ganz klar, die 800 Meter hatten die letzten Körner gekostet. Pia Meßing, die vor dem Rennen bereits Rang zwei belegt hatte, kämpfte auf den zwei Stadionrunden noch einmal mit Herz und Hingabe und behauptete schließlich in 2:20,85 Minuten ganz kontrolliert und souverän den Silbermedaillen-Platz.

TV Gladbeck veranstaltet im Stadion eine Art Public Viewing

Leicht war das aber alles nicht. „Ich kann definitiv sagen, dass es mein erster Mehrkampf ist auf dem Niveau, wo ich durch Höhen und Tiefen gehe“, hatte Pia Meßing zu leichtathletik.de am Ende des ersten Wettkampftages bekannt.

Während TVG-Trainer Oliver Sell in Jerusalem vor Ort war und seine Athletin coachte und ihr die Daumen drückte, verfolgte sein Kollege Heiner Preute im heimischen Gladbeck das Geschehen in Jerusalem auf dem Tablet. Das 800-Meter-Rennen verfolgte er im Wittringer Stadion. Heiner Preute: „Wir haben eine Art Public Viewing veranstaltet, alle ab der U14-Gruppe haben beim 800 Meter Lauf mitgefiebert.“ Das sei eine coole Kiste gewesen.

Erfolgreich: Pia Meßing und ihr Trainer Oliver Sell. Das Bild ist entstanden am Rande des Borsig-Meetings des TV Gladbeck.
Erfolgreich: Pia Meßing und ihr Trainer Oliver Sell. Das Bild ist entstanden am Rande des Borsig-Meetings des TV Gladbeck. © FUNKE Foto Services | Oliver Mengedoht

Dabei war Pia Meßing nach den ersten vier Disziplinen noch alles andere als zufrieden gewesen. „Es lief vieles nicht so, wie ich es mir erhofft habe“, sagte die TVG-Athletin am Tag ihres 18. Geburtstages. Und weiter: „Vor allem das Kugelstoßen. Ich muss das jetzt hinter mir lassen und morgen richtig einen draufpacken.“

Pia Meßing hat im Kugelstoß-Wettbewerb Punkte liegen gelassen

Heiner Preute sah das aus der Distanz ein wenig anders, konnte jedoch auch Pia Meßings Sicht der Dinge durchaus nachvollziehen. „Es war einfach noch mehr möglich“, sagte der erfahrene Trainer. „Aber so schlecht war der erste Tag gar nicht.“

Was sich belegen lässt: Immerhin hat Pia Meßing im Hochsprung ihre persönliche Bestleistung ein- und über 200 Meter in 24,80 Sekunden eine Siebenkampf-Bestleistung aufgestellt. Und das Auftaktrennen über 100 Meter Hürden war auch nicht übel, Preute bezeichnete es als „stabil“. In 13,79 Sekunden hatte Pia Meßing das Ziel erreicht, damit war sie nur vier Hundertstel unter ihrer persönlichen Bestmarke geblieben.

Im Kugelstoßen ließ sie dagegen tatsächlich Punkte liegen, 11,28 Meter waren nicht das, was sie sich im Lager des TV Gladbeck vorgenommen oder vorgestellt hatten. „Beim Einstoßen war Pia besser, sie hat ganz entspannt 12,20 Meter geschafft“, so Heiner Preute, „aber die Stabilität hat sie noch nicht.“

Pia Meßing läuft das 800 Meter Rennen ganz kontrolliert

Am Ende des ersten Tages standen letztlich 3429 Zähler und Rang sieben für Pia Meßing zu Buche. „Ich will“, so das sportliche Multitalent, „einfach zeigen, was ich kann. Heute hat das noch nicht ganz geklappt, deshalb will ich es morgen umso mehr.“

Ihren Worten ließ Pia Meßing Taten folgen. 6,07 Meter im Weitsprung bei starkem Gegenwind waren eine deutliche Ansage. Denn die Konkurrenz kam mit den schwierigen äußeren Bedingungen nicht so gut zurecht, so dass die Gladbeckerin im Ranking nach vorne rückte. Nach dem Speerwurf-Wettbewerb lag sie schließlich auf dem zweiten Platz.

Es folgte das Rennen über 800 Meter. Das“, hatte Pia Meßing kurz vor ihrer Abreise zur WAZ gesagt, „ist für mich eine Hassliebe.“ Und weiter: „Eigentlich mag ich die 800 Meter nicht, aber sie gehören nun einmal dazu. Man muss sich noch einmal durchkämpfen.“

EM-Einzelsilber - das ist der bisher größte Erfolg für den TV Gladbeck

Pia Meßing kämpfte sich durch - mit Erfolg!

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Für Pia Meßing ist der Gewinn der EM-Silbermedaille der bisher größte sportliche Erfolg ihrer sportlichen Karriere. Und es ist übrigens auch der größte Erfolg für die Leichtathletikabteilung des TV Gladbeck. Anno 2017 hatte die TVerin Meike Gerlach bei der U20-EM im italienischen Grosseto ebenfalls Silber gewonnen - als Mitglied der deutschen 4x400-Meter-Staffel.

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