Kreis Kleve. Landrätin Silke Gorißen hat sich bei den Helfern nach dem Unwetter Bernd bedankt. Rund 500 Menschen aus dem Kreis Kleve waren im Einsatz.

In den vergangenen Jahren haben heftige Starkregen- und Sturm-Wetterlagen stark zugenommen. Vom letzten Unwetter „Bernd“, Mitte Juli 2021, blieben der Kreis Kleve und der Niederrhein weitgehend verschont. Dennoch waren hunderte Helfer aus dem Kreisgebiet im Katastrophenschutz-Einsatz. Die Mitglieder der Hilfsorganisationen, Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehren und Mitarbeiter der Kreisleitstelle halfen in den besonders stark betroffenen Gebieten Menschen in höchster Not.

Landrätin Silke Gorißen bedankte sich jetzt bei Vertretern der einzelnen Gruppen mit einer individuellen Urkunde für deren Einsatz in den Katastrophengebieten im Rheinland, im Bergischen Land, in der Eifel und im Ahrtal. Rund 100 Einsatzkräfte hatte der Kreis Kleve zu einem Nachmittag ins Wunderland nach Kalkar geladen.

„Was Sie ohne Rücksicht auf das eigene Wohl geleistet haben, ist nicht selbstverständlich. Sie haben mit den Menschen vor Ort gesprochen, mit angepackt, ihnen geholfen und ihnen Hoffnung in dieser schweren Zeit gegeben. Dafür meinen tief empfundenen Dank!“, sagte die Landrätin. „Ich kann und möchte mir nicht vorstellen, wie es ist, dies selbst zu erleben. Wie es ist, wenn vor meiner Haustüre in wenigen Stunden aus einem kleinen Fluss ein reißender Strom wird, der Keller und Straßen überflutet, der alles mit sich reißt, Häuser beschädigt – und leider auch Menschenleben kostet. Viele von Ihnen waren vor Ort und haben das Ausmaß dieser Zerstörung selbst gesehen und erlebt.“

Rund 500 Helfer aus dem Kreis in den Katastrophengebieten

Insgesamt waren rund 500 Helfer in den Katastrophengebieten: Kreisbrandmeister Reiner Gilles zählte 16 Freiwillige Feuerwehren mit 66 Löschzugeinheiten auf, fünf Ortsgruppen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), sechs Bereitschaften des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), fünf Ortsvereine des Malteser Hilfsdienstes (MHD), drei Ortsverbände des Technischen Hilfswerks (THW), eine Gruppe der Johanniter Unfallhilfe (JUH) sowie Kräfte vom „International Search-and-Rescue“ (I.S.A.R.) Germany. Hinzu kommen viele Einzelpersonen, Firmen und spontane Gruppen.

Viele von ihnen haben sich vor Ort im Kreis Kleve eingebracht, die Hilfe organisatorisch unterstützt, Geräte und Fahrzeuge bereitgestellt oder auch Lebensmittel-, Sach- und Geldspenden geleistet. Allein für die Lagerung der Sachspenden hatte der Kreis Kleve eine rund 2.000 Quadratmeter große Halle am Airport Niederrhein gemietet.

Dank von Innenminister Herbert Reul

Die Landrätin überbrachte zudem den Dank des Innenministeriums des Landes Rheinland-Pfalz, vom Deutschen Landkreistag, vom Landkreistag NRW, vom Kreis Euskirchen, von der Stadt Erkrath, von der Stadt Hilden, der Stadt Wuppertal sowie von NRW-Innenminister Herbert Reul. Er betonte in seinem Anschreiben die Bedeutung der Arbeitgeber und Firmenchefs, die ihre Mitarbeiter für die ehrenamtliche Arbeit freigestellt hatten. Viele verzichteten zudem auf den finanziellen Ausgleich dafür. „In einer Situation wie dieser wird wieder einmal deutlich, dass Sie mit Ihren Unternehmen für das Ehrenamt im Katastrophenschutz unverzichtbar sind.“ Diesem Dank schloss sich Silke Gorißen gerne an.

Einsätze in Katastrophengebieten und im Kreis Kleve

Die Landrätin erinnerte exemplarisch an einige Einsätze, die die große Bandbreite und den zeitlichen Umfang der Unterstützung aus dem Kreis Kleve deutlich machen:

  • Kräfte der Löschzüge arbeiteten in der Bezirksbereitschaft mit.
  • Ein Hochleistungs-Wasser-Förderungs-Modul aus Emmerich am Rhein war in Langenfeld (Rheinland) zum Abpumpen von Wasser im Einsatz.
  • Die DLRG war maßgeblich im Wasserrettungszug in Erftstadt und im Bergischen Land im Einsatz. Aufgaben waren unter anderem Menschenrettung, Bergen von Sachgütern, Pegelmessung und technische Hilfeleistung.
  • DRK und MHD errichteten und unterhielten einen Betreuungsplatz in Essen. Allein dazu waren 18 Fahrzeuge angerückt - darunter vier LKW. Zu den Aufgaben gehörten Leitungsaufgaben, die Betreuung Evakuierter, medizinische Versorgung, Verpflegung und Logistik.
  • DRK, JUH und MHD waren bei der Evakuierung eines Pflegeheims in Wassenberg mit neun Fahrzeugen vor Ort.
  • Die Feuerwehr Kranenburg stellte zwei geländegängige Motorräder für Erkundung und Meldung in Erkrath und Ahrweiler.
  • Am Kieswerk Grotendonk in Kevelaer füllten Helfer ca. 14.000 Sandsäcke, die anschließend ins Katastrophengebiet gefahren haben. Das THW war maßgeblich beteiligt, unterstützt von der Feuerwehr und Firmen aus dem Kreis Kleve.
  • Ein Wechsellader-Fahrzeug aus dem Kreisgebiet half zur Unterstützung der Feuerwehr Mülheim (Ruhr) bei der Trinkwasser-Notversorgung im Ahrtal. Das WLF des Kreises Kleve mit Allrad-Antrieb eignet sich hervorragend für Transport von Trinkwasser-Containern in unwegsamen Gebiet.
  • Leitstellen-Disponenten waren zur Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen in Euskirchen im Einsatz.
  • Kräfte von DRK, DLRG, MHD, JUH, der Feuerwehren, Jugendfeuerwehr und der Einsatzleitwagen-2-Bedienmannschaft haben Sachspenden gesichtet, sortiert, gepackt und für den Transport in die Katastrophengebiete vorbereitet.

Bei Kaffee und Kuchen hatten die Helfer die Möglichkeit, sich über die Einsätze auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

>>>Die Flutkatastrophe im Juli 2021

Bei den Unwettern Mitte Juli waren vor allem Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen betroffen. Hier fielen teilweise 150 Liter Regen pro Quadratmeter – fast doppelt so viel, wie sonst im gesamten Monat Juli.

Mehr als 180 Menschen kamen bei der Flutkatastrophe ums Leben. Zahlreiche Menschen wurden verletzt oder verloren ihre Häuser und Wohnungen.

Nach Schätzungen lagen die Sachschäden durch das Unwetter bei einer Höhe von 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro.