Siegen. Schuldunfähiger Angeklagter muss aber nun zunächst in den Entzug und dann in die Psychiatrie,.

„Ich wollte niemanden töten“, versichert der Angeklagte K. im letzten Wort. Er schäme sich, habe den Ernst der damaligen Lage nicht erkannt, fügt er an. Das Schwurgericht verlässt den Saal noch einmal fünf Minuten und verkündet dann das Urteil. Der Mann, der im August vor einem Jahr einen anderen an Kochs Ecke niederstach und glaubte, ihn umgebracht zu haben, ist schuldunfähig, wird deshalb freigesprochen. Er kommt aber für längere Zeit in eine Einrichtung. Wie lange genau, hängt von seiner Mitarbeit ab.

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Das Gericht betritt mit der Entscheidung Neuland. Erstmals wurde eine doppelte Unterbringung verhängt, zunächst in eine Entziehungseinrichtung und dann in die Psychiatrie. Der 36-Jährige leidet seit mindestens 2012 an einer paranoiden Schizophrenie, ist zudem abhängig von Drogen und Medikamenten. Er habe unter Angstgefühlen und Verfolgungswahn gelitten, erklärt die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach. Die Drogen seien zum Teil Selbstmedikation gewesen, hätten die Symptome aber auch verstärkt. Eine Schuldunfähigkeit sei nicht auszuschließen, werde daher angenommen.

Versuchte Tötung

Die Kammer glaube dem Angeklagten nicht, dass er den anderen nur verletzen wolle. Es könne durchaus sein, dass er sich in seinem Wahn bedroht und damit gerechtfertigt gesehen habe, sein Opfer zu attackieren. Wer aber einen anderen Menschen am Hals verletze, der wisse, dass sich dort empfindliche Organe befänden, der nehme den Tod des Opfers zumindest in Kauf. Womit sich K. im Normalfall einer versuchten Tötung schuldig gemacht hätte, in Tateinheit mit einer gefährlichen Körperverletzung. Sollte seine Erkrankung nicht behandelt werden, seien weitere Taten dieser Art zu befürchten.

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Zugleich mache der Angeklagte nach Haft und vorläufiger Unterbringung einen guten Eindruck. Das lasse hoffen, dass er nicht länger als drei Jahre in der Psychiatrie behandelt werden müsse. Um die Basis dafür zu bekommen, gehe es aber zunächst um die Bekämpfung der Drogensucht. Die werde zwei Jahre dauern und vorangestellt. „Das wollen Sie ja auch“, nickt Dreisbach dem Siegerländer zu.

Bewährung denkbar

Im Anschluss müsse geschaut werden, wie es ihm gehe und was nötig sei. Habe er genug Fortschritte gemacht, lasse sich die zweite Unterbringung zur Bewährung aussetzen. Die drei weiteren Jahre der Therapie könnten dann ambulant behandelt werden. Zumindest die folgende Nacht muss K. allerdings ganz profan in Attendorn verbringen. Der Rücktransport in die vorläufige Unterbringung ließ sich für Montag nicht mehr regeln.

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