Gevelsberg. Dirk Henning, neuer Trainer des FC Gevelsberg-Vogelsang, verrät im Interview Jugend-Pläne, seine Meinung zu Prämien und er gibt ein Versprechen.

Für Dirk Henning geht mit dem Abbruch der Saison 2019/2020 ein Kapitel zu Ende. Seit Gründung des FSV Gevelsberg im Jahr 2003 war der 54-Jährige im Jugendvorstand des Vereins aktiv und betreute über die Jahre verschiedene Mannschaften in der Jugendabteilung der Gevelsberger. Zur neuen Saison tritt der Coach nach großem Streit beim FSV eine neue Aufgabe an: Beim FC Gevelsberg-Vogelsang soll Henning für Kontinuität und attraktiven Fußball sorgen. Im Interview spricht der neue Trainer des Aufsteigers in die Fußball-A-Kreisliga über Hoffnungen, Erwartungen und sein neues Umfeld.

Herr Henning, nach 17 Jahren in der Jugendabteilung des FSV Gevelsberg wagen Sie nochmal den Schritt zu den Senioren. Und dann auch noch bei einem anderen Verein. Wie kam der Kontakt zustande?

Dirk Henning: Ich muss schon sagen: Früher war der FC Gevelsberg-Vogelsang für mich ganz weit weg. Klar, man hat mal gegeneinander gespielt, aber eigentlich hatte ich keine besondere Beziehung zu dem Verein. Doch dann kam alles ganz anders.

Was ist passiert?

Philipp Wiesner wurde Anfang des Jahres in den Vorstand des FC gewählt und zum Sportlichen Leiter ernannt. Er hat sich dann mit mir in Verbindung gesetzt, weil der aktuelle Trainer Thomas Jakobi angekündigt hatte, zur neuen Saison etwas kürzertreten zu wollen. Ich habe mich dann mit Philipp zusammen gesetzt und wir haben beide schnell gemerkt, dass es miteinander ganz gut klappen könnte.

Worum ging es in dem Gespräch?

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Philipp hat mir erzählt, wie er die erste Mannschaft und den ganzen Verein neu aufstellen will. Und zwar mit jungen, hungrigen Spielern. Ich habe immer gesagt, dass, wenn ich nochmal in den Seniorenbereich gehe, ich auf jeden Fall mit jungen Spielern zusammenarbeiten will. So ungefähr vom Jahrgang 1996 bis 1999, weil ich das einfach gerne mache und mich viele der Jungs schon aus der Vergangenheit kennen. Dann haben wir uns auch noch darüber unterhalten, wie wir Fußball spielen wollen. Wir waren beide der Meinung: Schnell und attraktiv muss unser Spiel aussehen. So haben wir dann gesagt: Das passt!

Auch wenn die Corona-Krise ein geregeltes Vereinsleben in den vergangenen Wochen kaum möglich gemacht hat: Wie wurden Sie beim FC Gevelsberg-Vogelsang aufgenommen?

Richtig gut! Wir haben uns ja schon vor dem Lockdown zusammengesetzt, daher konnte ich mir bereits einen Eindruck von den Strukturen und den Leuten im Verein machen. Ich habe ja schon gesagt, dass Vogelsang für mich immer relativ weit weg war, deshalb war ich total positiv überrascht davon, dass hier eine so familiäre Atmosphäre herrscht. Das hat mich auf jeden Fall auch darin bestätigt, den richtigen Schritt gegangen zu sein.

Neben Ihren Aufgaben als Trainer der ersten Mannschaft hat Ihr Sportlicher Leiter Philipp Wiesner auch angekündigt, mit Ihnen die Jugendarbeit wieder ankurbeln zu wollen. Wie ist da der Stand?

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Das ist richtig, ich habe in den vergangenen Jahren viele Kontakte zu anderen Vereinen in der Umgebung geknüpft, daher bietet es sich auch an, etwas für die Jugendabteilung des Vereins zu tun. Wir wollen in Zukunft mehrere Jugendmannschaften zusammen mit dem FC Schwarz-Weiß Silschede auf die Beine stellen und eine richtig starke Gevelsberger Jugend aufbauen. Bisher war immer das Problem, dass, sobald die Jugendlichen etwas gegen den Ball treten konnten, schon der TuS Ennepetal oder die TSG Sprockhövel auf der Matte stand und die Jungs dann dahin gewechselt sind. Das wollen wir in Zukunft verhindern, indem wir in Gevelsberg selbst eine gute Perspektive mit einer leistungsstarken Jugend bieten. Ob das alles so klappt, bleibt natürlich noch abzuwarten, aber das ist auf jeden Fall der grobe Fahrplan für die nächsten Jahre.

Blicken wir noch einmal zurück: An diesem Samstag hätte ursprünglich das letzte Saisonspiel mit der B-Jugend des FSV Gevelsberg angestanden, bei der Sie zuletzt als Trainer aktiv waren. Konnten Sie sich von Ihrer Mannschaft verabschieden?

Ursprünglich hatten wir eine Mannschaftsfahrt geplant, bei der wir uns nochmal gebührend hätten voneinander verabschieden können. Die aktuellen Umstände haben uns da aber leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sobald sich die Situation beruhigt hat und wir wieder reisen dürfen, holen wir das aber auf jeden Fall nach – das habe ich den Jungs versprochen und das halte ich natürlich auch.

Neben Trainerjob und Engagement für die Jugend des FC haben Sie in den vergangenen Monaten auch Sponsoring-Arbeiten für den Verein übernommen. Wie schwer fällt es während der Corona-Krise, neue Sponsoren davon zu überzeugen, Ihren neuen Verein zu unterstützen?

Ehrlich gesagt fiel uns das in den letzten Wochen und Monaten überhaupt nicht schwer. Ich kenne noch viele Sponsoren von früher, daher habe ich da einen engen Draht zu vielen Leuten.

Bedeutet das auch, dass Sie für die nächste Saison eine schlagfertige Mannschaft auf den Platz bekommen?

Dirk Henning: Ehrenamt auch außerhalb des Sports sein Leben

Dirk Henning begann seine fußballerische Laufbahn beim TuS Ennepetal. Dort durchlief er alle Jugendmannschaften bis hin zu den Senioren, mit denen Henning in der Bezirksliga spielte.

Später wechselte er zu BW Voerde. Für den Bezirksligisten stand Henning zwei Spielzeiten auf dem Feld, bevor er zum FSV Gevelsberg wechselte und 2003 die Jugendabteilung übernahm.

In Gevelsberg ist „Mr. Ehrenamt“ auch noch an zahlreichen weiteren Stellen aktiv. Er sammelt für den guten Zweck bei den Taubenvätern und ist in der Festzugleitung des Kirmesvereins.

Das war auch eine Sache, über die ich mit Philipp Wiesner und dem Vorstand gesprochen habe. Ich halte überhaupt nichts davon, einzelnen Spielern Prämien zu bezahlen. Das gab es bei mir noch nie. Wir spielen nicht in der Oberliga oder Regionalliga, daher gibt es keine Bezahlung für Einzelspieler. Nach der Saison unterstützen wir die Mannschaft gerne finanziell für eine Mannschaftsfahrt, da haben alle mehr von.

Ab heute ist Mannschaftstraining wieder erlaubt. Gehen Sie also direkt mit der Mannschaft auf den Platz?

Nein, wir gehen natürlich sofort in den Wald (lacht). Aber Spaß beiseite: Unser Vorsitzender Thomas Jakobi hat da einen super Job gemacht und bei der Stadt Gevelsberg ein Konzept vorgelegt, wie wir den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen wollen. Wir starten ab dem 15. Juni dann mit der Vorbereitung auf die nächste Saison.

Wir wird die Vorbereitung aussehen?

Die Hauptsache ist erst einmal, dass sich die Mannschaft richtig kennenlernt und ein Mannschaftsgefühl entwickelt. Wir werden auf jeden Fall vielen gemeinsamen Aktivitäten nachgehen. Dazu haben wir eine Kanufahrt geplant und wollen den einen oder anderen Grillabend machen. Ich habe auf jeden Fall schon richtig Bock auf meine neue Aufgabe, endlich mit den Jungs auf dem Platz loszulegen und gemeinsam zu kicken!