Hagen. Deutschland schaut am Sonntag wegen Friedrich Merz auf das Sauerland. Doch die Region bietet bei der Bundestagswahl noch andere Krimis.
Die Spannung wächst vor der Bundestagswahl: Letzte Umfragen deuten darauf hin, dass auch ein Bündnis von Union und SPD nicht auf eine parlamentarische Mehrheit kommen könnte. Sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) als auch sein CDU-Herausforderer Friedrich Merz kämpften daher am Freitag in NRW um Stimmen: Scholz in Dortmund, Merz in Oberhausen. Der Sauerländer gilt als Favorit für das Kanzleramt.
Abseits der Frage, wer der nächste Regierungschef wird, darf auch mit Spannung auf die Wahlen in der Region geschaut werden. Nimmt man die fünf Südwestfalen-Landkreise sowie Hagen, den Ennepe-Ruhr-Kreis, Dortmund und den Kreis Unna ins Visier, dann wird es hier spannend:

Hochsauerland-Merz-Effekt: Natürlich wird am Ende das bundesweite Abschneiden von CDU und CSU bei den Zweitstimmen über die kommende Bundesregierung entscheiden, ob Friedrich Merz Kanzler werden kann. Doch mit Interesse wird die Republik auch auf den Hochsauerlandkreis schauen. Wie schneidet der in Arnsberg lebende Merz in seiner Heimat als Wahlkreiskandidat ab? Bei der vergangenen Bundestagswahl war er auf für Sauerland-Verhältnisse eher magere 40,4 Prozent der Erststimmen gekommen. Weit weg von seinem Rekordergebnis im Jahr 2005, als er 57,7 Prozent erreichte. Merz selbst hat die Erwartungen gedämpft: Bei „Mitte 40“ Prozent hat er das Ziel definiert.
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Das drohende SPD-Desaster: Die SPD konnte nach ihrem Wahlsieg im Jahr 2021 zehn Abgeordnete aus der Region nach Berlin senden. Diesmal deutet vieles darauf hin, dass es nur noch fünf, maximal aber sieben sein werden. So erwarten Wahlexperte der Plattformen wahlkreisprognose.de und election. de oder das von der Uni Witten-Herdecke betriebene Projekt zweitstimme.org, dass sogar traditionelle SPD-Wahlkreise in Hagen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis diesmal an die CDU gehen könnten. Die dortigen SPD-Kandidaten sind aber nicht auf der Landesliste so weit oben abgesichert, dass sie über diesen Weg noch den Sprung ins Parlament schaffen könnten. Lediglich Dirk Wiese aus Brilon, SPD-Fraktionsvize im Bundestag, hat mit Platz 5 auf der Liste das Ticket nach Berlin so gut wie sicher. Zudem dürfen sich die SPD-Kandidaten in den beiden Dortmunder Wahlkreisen sowie Oliver Kaczmarek in Unna noch gute Chancen auf den Wahlkreissieg ausrechnen.

Die grüne Wüste: Nicht gänzlich unwahrscheinlich erscheint zudem das Szenario, dass aus der großen Region Südwestfalen, Hagen, EN-Kreis, Unna und Dortmund kein einziger Grünen-Abgeordneter im Bundestag sitzen wird. Janosch Dahmen, Kandidat aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, und Sandra Stein, Kandidatin aus dem Hochsauerlandkreis, haben mit den Listenplätzen 18 und 19 noch die besten Aussichten, Michael Sacher aus Unna mit Platz 23 muss schon auf ein sehr gutes Grünen-Ergebnis hoffen. Viel wird auch davon abhängen, ob die FDP und das BSW in den Bundestags einziehen werden.
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AfD-Aufschwung: Im aktuellen Bundestag gibt es mit Matthias Helferich aus Dortmund nur einen AfD-Abgeordneten aus der Region. Der war aber wegen seiner als rechtsextrem geltenden Äußerungen die gesamte Wahlperiode nicht Mitglied der Fraktion. Jetzt hat er mit einem sicheren Listenplatz einen erneuten Sitz im Bundestag so gut wie sicher. Gleiches gilt für Christian Zaum aus Bad Laasphe, der mit Platz 10 ebenfalls für die AfD in den Bundestag einziehen wir. Er ist auch einflussreicher Bezirkschef der Partei im Regierungsbezirk Arnsberg. Mit Otto Strauß aus dem HSK könnte es noch ein dritter AfD-Mann schaffen. Und: Wenn das AfD-Ergebnis noch besser ausfällt als erwartet, dann haben auch Peter Bonhoff und Ulrich von Zons aus dem Kreis Soest Chancen auf den Bundestag.

FDP-Zitterpartie: Die ganze Region gilt nicht gerade als FDP-Hochburg. Mit Johannes Vogel kandidiert im Wahlkreis Olpe/Märkischer Kreis der stellvertretende Bundesvorsitzende. Wenn die Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, ist es auch vorbei mit seiner Bundestagszeit.
Risiko neues Wahlrecht: Mit dem neuen Wahlrecht kann es sein, dass Wahlkreissieger wegen ihres schlechten Erststimmen-Ergebnisses nicht in den Bundestag einziehen. Letzte Prognosen sagen aber: Für unsere Region wird dies nicht der Fall sein. Wenn es doch so kommen sollte: Größter Wackelkandidat könnte der Wahlkreis 138 (Ennepe-Ruhr-Kreis II) sein: In dem eigentlich traditionelle SPD-Geprägten Wahlkreis könnte die CDU-Kandidatin, die Herdecker Bürgermeisterin Katja-Strauß-Köster, zwar das Direktmandat gewinnen - aber unter Umständen mit einem im NRW-Vergleich solch geringen Erststimmenanteil, dass sie kein Bundestagsmandat bekommt.