Velmede/Bestwig. Es ist amtlich: Bestwig wird zu einer eigenen Ortschaft. Das Votum war mit 15:11 Stimmen allerdings knapp. Vorausgegangen war eine lange Debatte.
Nun ist es amtlich: Bestwig wird zu einer eigenen Ortschaft. Der Gemeinderat hat beschlossen, den Ortsvorsteher-Bezirk Velmede/Bestwig aufzuteilen - in einen Bezirk Velmede und einen Bezirk Bestwig. Die Entscheidung war allerdings keineswegs so einvernehmlich, wie manch einer sich das wohl vorgestellt hatte. Für den Antrag der CDU gab es deutlichen Gegenwind vor allem von der SPD. Sie sprach sich in der Sitzung gemeinsam mit den Grünen gegen einen solchen Schritt aus. Beide Fraktionen hätten gern vor einer Entscheidung eine Einwohnerversammlung einberufen. Das wiederum lehnte die CDU mit ihrer Mehrheit ab.
Halbstündige Debatte
Den Abstimmungen vorausgegangen war eine etwa halbstündige Debatte. Darin hatten die Sozialdemokraten ausführlich ihre Bedenken und auch Kritik geäußert. Man habe zahlreiche Gespräche mit Bürgern aus Velmede und Bestwig geführt. Man habe Rückmeldungen von Vereinen erhalten und den Ortsvorsteher in einer Fraktionssitzung zu Gast gehabt, erklärte SPD-Ratsmitglied Jörg Salinus. „Dabei überwogen die Stimmen, es bei der bisherigen Form zu belassen“, betonte er. Auf Unverständnis sei dabei vor allem gestoßen, dass solch eine gravierende Entscheidung am Bürger vorbei getroffen werden solle.
„Wenn nicht bei solch elementaren Entscheidungen, wann dann ist eine Bürgerbeteiligung angesagt?“
Es treffe zu, dass sich viele Bestwiger eine feste Ansprechperson wünschen. „Gleichzeitig ist aber auch mehrfach betont worden, dass genau das die eigentliche Aufgabe der Ratsmitglieder sein sollte“, so Salinus. Die aber seien wohl selten erreichbar. In den Gesprächen habe er den Eindruck gewonnen, dass es in erster Linie darum gehe, dass Bestwig nicht benachteiligt werde. Ein für die SPD denkbarer Ansatz als Alternative zur Splittung des Ortsvorsteherbezirks: Die Velmeder und Bestwiger Ratsmitglieder könnten gemeinsam mit dem Ortsvorsteher für Velmede/Bestwig über die Mittelverteilung sprechen - mit dem Ziel, eine für beide Ortsteile gerechte Verteilung zu erreichen.
Zudem, so Salinus, müsse man auch die Befürchtungen in den Vereinsvorständen ernst nehmen, wenn betont werde, dass es sich um einen Verein handele, der darauf bedacht sei, dass beide Ortsteile zusammen arbeiten und Bedenken geäußert werden, dass man sich künftig auf zwei Ansprechpartner konzentrieren müsse. Ferner gebe es genügend Beispiele, bei denen sich Velmede und Bestwig in der Vergangenheit gegenseitig geholfen hätten, weil man sich untereinander verpflichtet fühle. Als Beispiele nannte Salinus unter anderem die Ausstellung „150 Jahre Bahnhof Bestwig“ sowie das Dorfjubiläum. „In den Vereinen wachsen wir zusammen“, betonte Salinus. Man müsse sich fragen, ob man eine gut funktionierende und intakte Zusammenarbeit in den Orten durch eine Teilung beschädigen wolle. Für ihn sei die Kritik nachvollziehbar, dass sich die betroffenen Bürger übergangen fühlen.„Wenn nicht bei solch elementaren Entscheidungen, wann dann ist eine Bürgerbeteiligung angesagt“, so Salinus.
„Durch zwei Ortsvorsteher wird die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen und der Verwaltung im Doppelort gestärkt. Die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger werden bestmöglich vertreten. Der Zusammenhalt wird gestärkt.“
Dass es keineswegs darum geht, historische Grenzen zu verschieben, Ortsschilder zu versetzen oder Gräben zwischen den beiden Orten zu ziehen, machten sowohl Fraktionschef Alexander Brockhoff als auch Gertrudis Dohle und Martin Bracht für die CDU deutlich. Es gehe einzig und allein darum, Aufgaben und Pflichten organisatorisch im größten Ortsvorsteher-Bezirk sinnvoll aufzuteilen und auch in Zukunft geeignete Kandidaten für dieses ehrenvolle Amt zu finden, so Brockhoff. „Die Schaffung eines eigenen Ortsvorsteher-Bezirks für Bestwig ist aus unserer Sicht die beste und effektivste Lösung“, stellte er klar. Diese Lösung biete eine klare und zukunftsfähige Struktur, ohne unnötige bürokratische Hürden. „Durch zwei Ortsvorsteher wird die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen und der Verwaltung im Doppelort gestärkt. Die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger werden bestmöglich vertreten. Der Zusammenhalt wird gestärkt“, so Brockhoff.
„Es ist keinesfalls die Absicht der CDU-Fraktion, bestehende Strukturen zu ändern und einen Graben zwischen Velmede und Bestwig aufzuwerfen.“
Gertrudis Dohle sprach angesichts der von der SPD geäußerten Bedenken von „Missverständnissen“. Die CDU habe quasi einen Antrag zur Beschaffung einer zusätzlichen Stelle eingereicht, wie man in der Industrie sagen würde. „Das soll einzig und allein dazu dienen, den bisherigen Ortsvorsteher der Ortschaft Velmede mit den Ortsteilen Bestwig, Velmede, Föckinghausen, Nierbachtal und Halbeswig und somit rund 4600 zu betreuenden Einwohnern mit eigenem Ortsvorsteher in Bestwig zu entlasten“, wurde Dohle konkret. „Hierdurch würde sich die Zahl der zu betreuenden Einwohner in der Ortschaft Velmede um rund 1400 Einwohner reduzieren und in unserem Doppelort Velmede-Bestwig wären wir in der komfortablen Lage, für die Bürger zwei Ansprechpartner vor Ort zu haben.“
Als Einheit empfunden
Es sei keinesfalls die Absicht der CDU-Fraktion, bestehende Strukturen zu ändern und einen Graben zwischen Velmede und Bestwig aufzuwerfen. Ganz im Gegenteil sei man stolz darauf, dass es für größere Vereine im Doppelort immer wichtig gewesen sei, dass kein Kirchturmdenken zwischen Velmede und Bestwig aufkomme. Unabhängig von der Ortschaft habe man sich immer als Einheit empfunden und sich gemeinsam für den Doppelort Velmede-Bestwig einsetzt. Sei es bei der Schützenbruderschaft Velmede/Bestwig, beim TuS Velmede/Bestwig oder bei der Freiwilligen Feuerwehr Velmede/Bestwig. Und das solle sich durch die Bereitstellung eines zusätzlichen Ortsvorstehers für Bestwig nicht ändern. Im Übrigen sei seit der Vorstellung des Antrags in der November-Sitzung des Rates keiner dieser Vereine mit einem Einspruch an die CDU herangetreten. „Einige Bestwiger Bürger haben sich sehr positiv für diesen Antrag ausgesprochen“, betonte Dohle.
„Es bedrückt mich, dass es in der Sache solch gravierende Unterschiede in der Wahrnehmungen gibt.“
Es bedrücke ihn, dass es in der Sache solch gravierende Unterschiede in der Wahrnehmungen gebe, betonte Martin Bracht mit Blick auf die SPD. Dass Ratsmitglieder, wie von Salinus vorgeschlagen, stärker als primäre Ansprechpartner fungieren sollen, hält Bracht für wenig zielführend. Natürlich sei man als Ratsmitglied ansprechbar. „Aber mit diesem Argument könnte man im Umkehrschluss die Funktion des Ortsvorstehers grundsätzlich infrage stellen“, betonte Bracht. Und das tue sicherlich niemand. Schließlich sei die Funktion des Ortsvorstehers eben als Bindeglied zwischen Rat und Bürgern bewusst eingeführt worden.
„Wir sind voller Überzeugung der Meinung, dass es eine gute Entscheidung ist, die nur zum Wohle der Bürger erfolgt.“ Es sei eine zukunftsweisende Entscheidung, bei der er lediglich Vorteile und keine Nachteile sehe, betonte Bracht. Und das gelte im Übrigen insbesondere auch für die Ratsmitglieder aus Velmede und Bestwig. Man müsse einfach auch mal Mut zur Veränderung haben.
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