Meschede. Eine Frau stiehlt Geld aus der Kasse der Second-Hand-Boutique. Jetzt spricht das Mescheder Caritas-Team von einem „Weihnachtswunder“.

In der Second-Hand-Boutique „Von mir zu dir“, der ehemaligen „Truhe“ in Meschede, hat eine Diebin in die Kasse gegriffen. 80 Euro waren verschwunden. Jetzt spricht das ehrenamtliche Team von einem „Weihnachtswunder“. Und findet: „Auch das muss die WESTFALENPOST berichten.“

Kasse war einmal abgerechnet

Es ist Freitag, 29. November, kurz von Geschäftsschluss. Nur noch eine Kundin steht im Laden, hat eine Kleinigkeit gekauft und bezahlt gerade bei den ehrenamtlichen Verkäuferinnen. Die Kasse ist bereits abgerechnet, das Geld soll ein zweites Mal gezählt werden. Die Kunden verlässt den Laden. Da stellen die Verkäuferinnen fest: Die kompletten Tageseinnahmen, 80 Euro, sind verschwunden.

Anita Wiese (links) und Dagmar Dicke leiten die Scond-Hand-Boutique „Von mir zu dir“ in Meschede.
Anita Wiese (links) und Dagmar Dicke leiten die Scond-Hand-Boutique „Von mir zu dir“ in Meschede. © Caritas Meschede

Eine Mitarbeiterin läuft noch hinter der Frau her, aber die war mit einem Mann unterwegs, der offenbar draußen gewartet hatte. Der Verkäuferin war das zu unsicher, man habe sie ja auch nicht einfach auffordern dürfen, ihre Tasche zu öffnen. 80 Euro - was wenig klingt, ist für die Second-Hand-Boutique viel Geld.

Geld für soziale Projekte in den Gemeinden

Seit 2005 gibt es das Modell der Mescheder Caritaskonferenzen, gespendete Kleidung zu sortieren und weiterzuverkaufen. Das Geld fließt zurück in die Pfarrgemeinden und wird da für soziale Projekte eingesetzt.

„„Die Geschichte geht weiter. Wir freuen uns so sehr!“

Anita Wiese
Leiterin Caritas-Boutique

„Das ist uns in all‘ den Jahren noch nie passiert“, sagt Dagmar Dicke, die Leiterin des Projekts. Es sei schon mal vorgekommen, dass jemand zwei Pullover übereinander angezogen habe, oder dass Kleidung in Taschen verschwunden sei. „Aber noch nie hat bei uns jemand in die Kasse gegriffen.“ Die Mitarbeiterinnen wollen jetzt noch besser aufpassen. „Es ist so ärgerlich, dass man einen Tag umsonst gearbeitet hat“, sagt eine. Auch Dagmar Dicke ist verärgert: „Die Frau hat ja nicht uns bestohlen, sie hat es den Ärmsten der Armen weggenommen.“

Anzeige wird erstattet

Erst hatten die Caritas-Mitarbeiterinnen darauf verzichten wollen, Anzeige zu erstatten, da das „ja sowieso im Sande verläuft“. Jetzt aber werden sie es doch tun. „Es geht ja auch darum, andere zu warnen“, findet Dagmar Dicke.

„Das ist uns in all‘ den Jahren noch nie passiert.“

Dagmar Dicke
Leiterin des Second-Hand-Ladens
Die Second-Hand-Boutique
Blick in die Second-Hand-Boutique „Von mir zu dir“ in Meschede. Dort ist es zu einem Diebstahl gekommen. © WP | Ilka Trudewind

Auch Michael Schemme, Pressesprecher der Polizei im HSK, rät dazu, konsequent Anzeige zu erstatten, um das Bild nicht zu verfälschen. Nur dann könne die Polizei Schwerpunkte erkennen. „Und wir können nur die Fälle verfolgen, von denen wir hören.“ Schon manches Mal hätten Zeugen nach einer öffentlichen Polizeimeldung noch zur Aufklärung des Falls beitragen können, „weil sie sich an Details oder Täterbeschreibungen erinnern.“

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Täterbeschreibung

Die Frauen beschreiben die mutmaßliche Diebin folgendermaßen: 25 bis 30 Jahre alt, klein und stabil gebaut. Sie trug eine türkisfarbene Tasche und einen kleinen Rucksack.

Die neue Wendung

Einen Tag nach der ersten Berichterstattung in unserer Zeitung melden sich die Leiterinnen des Shops, Dagmar Dicke und Anita Wiese, mit einem „Weihnachtswunder“. Denn: Ein mit exakt 80 Euro gefüllter Umschlag liegt am Donnerstagmorgen hinter der Tür. Die Mitarbeiterinnen haben keine Ahnung, wer das Geld dort deponiert hat. „Ob da wohl jemand ein schlechtes Gewissen hatte?“, vermuten sie. „Oder ob ein Spender oder eine Spenderin die Kasse einfach um den fehlenden Betrag auffüllen wollte?“ Was sie aber wissen: „Die Geschichte geht weiter.“ Und: „Wir freuen uns so sehr!“

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