Meschede. Seit 30 Jahren ist Klaus Bockholt Lehrer in Meschede: Er unterrichtete schon die Eltern seiner Schüler – gemeinsam feiern sie besondere Momente.
Er ist der alte Hase im Lehrerkollegium an der St.-Walburga-Realschule in Meschede: Seit 30 Jahren unterrichtet Klaus Bockholt bereits an der Schule und hat schon unzählige Schülerinnen und Schüler zum Abschluss geführt. Dabei war sein Weg nach Meschede eher eine glückliche Fügung.
Eine tiefe Bindung zwischen Schüler und Lehrer
Klaus Bockholt ist Lehrer für Deutsch und katholische Religion und kommt ursprünglich aus Münster. Auf der Suche nach einer Anstellung wandte er sich damals an das Bistum Paderborn, wo man ihm – ohne weitere Informationen – eine Nummer gab, bei der er sich melden sollte. „Ich wusste nicht, dass ich in Meschede gelandet bin“, erinnert sich der 62-Jährige. Doch die Stelle passte und so zog Klaus Bockholt 1994 mit Frau und Kind ins Hochsauerland. „In den ersten drei Jahren haben wir immer wieder überlegt, ob wir wieder zurück nach Münster ziehen wollen. Aber ich habe die Schule und vor allem die Schüler so liebgewonnen, dass ich es nicht gemacht habe.“
Mit Start an der Schule übernahm Klaus Bockholt als Klassenlehrer direkt eine fünfte Klasse. An der St.-Walburga-Realschule begleiten die Klassenlehrer ihre Schüler bis zum Abschluss. „Ich hatte mit meinen Klassen ganz großes Glück. Sie waren fantastisch und wir sind mit der Zeit schwer zusammengewachsen“, erzählt Klaus Bockholt. „Wir haben eine tiefe Bindung und das, was die Schüler zurückgeben, ist wertvoller als Gold oder Diamanten.“
Überraschungen und Treffen: Viele schöne Erinnerungen
Dass auch die Schüler ihn als Lehrer sehr schätzen, wird in seinen Geschichten schnell deutlich. Zum Beispiel haben ihn die Kinder an seinem 50. Geburtstag mit einer kleinen Feier in der Schule überrascht. „Es war nicht zu erahnen, dass das auf mich zukommen würde. Ich sehe mich noch im Klassenraum stehen. Ich wollte mit dem Deutschunterricht anfangen und plötzlich gingen die Lampen an und es wurde gesungen“, erinnert sich Klaus Bockholt. Die Schüler hatten den Raum dekoriert und sogar Kuchen gebacken. „Es war ein wunderbares Erlebnis, das mich sehr berührt hat.“

Ein besonderes Erlebnis teilte er auch mit den Schülern aus seinen Abschlussklassen. Vor der offiziellen Zeugnisvergabe lud Klaus Bockholt die Schüler zu sich ein, aß gemeinsam mit ihnen, ließ die Schulzeit Revue passieren und verabschiedete sich im kleinen Kreis von ihnen. „Meine erste Klasse überraschte mich und führte einen perfekten Gruppentanz auf“, freut sich Klaus Bockholt. Der 62-Jährige ist mehr als ein Lehrer, er ist auch eine Vertrauensperson für seine Schüler.
Es ist also keine Überraschung, dass auch seine ehemaligen Schüler ihn noch an ihrem Leben teilhaben lassen. Einladungen zum Polterabend und zur Kommunion des Kindes habe er schon bekommen – und natürlich auch zum Jahrgangstreffen. „Das sind schöne Erlebnisse“, freut er sich.
Auch wenn schon unzählige Kinder in seinem Unterricht saßen, kann sich Klaus Bockholt noch an sehr viele von ihnen erinnern. „Wie viele Eltern von meinen Schülern habe ich schon unterrichtet. Ich weiß teils noch, wo die Schüler im Unterricht saßen. Und wenn wir hier Schriftproben machen würden, könnte ich sie auch heute noch den Schülern zuordnen.“
Blick in die Zukunft: „Es wird eine andere Schule“
Abgesehen von seiner Referendarstelle ist die St.-Walburga-Realschule die erste und einzige Schule, in der Klaus Bockholt unterrichtet hat. „Ich kenne den Betrieb in- und auswendig.“ In den nächsten Jahren wird der 62-Jährige in den Ruhestand gehen – wann genau, wisse er noch nicht.

In all den Jahren hat Klaus Bockholt auch mitbekommen, wie sich die Schule verändert hat. „Die Gesellschaftsstrukturen verändern sich und somit auch die Eltern und Schüler, zu unterrichten wie vor 25 Jahren ist nur noch bedingt möglich. Die Schule muss aktiv in der Schulentwicklung werden und bleiben“, sagt er.
„Ich stelle fest, dass die Fertigkeiten des Schreibens sowohl in der Rechtschreibung, Interpunktion als auch Grammatik jäh abgenommen hat. Doch“, relativiert er, „auch aus diesen Schülern sind Doktoren und fantastische Firmenleiter geworden. Es wird eine andere Schule, die sich den gesellschaftlichen Bedingungen anpasst, um dort neue Schüler auszubilden, die in dieser Gesellschaft, in diesem Berufsleben gut klarkommen.“ Das bedeute nicht, dass es schlechter sei.
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Emotionaler Abschied
Klaus Bockholt blickt zurück – von 1994 bis jetzt: „Wenn ich gehen werde, dann werde ich sehr traurig sein. Die Schule war mein Leben, und wenn ich mich noch so geärgert habe oder enttäuscht war, auch wenn es mal anstrengend war, ich würde diesen Beruf jedes Mal wieder ergreifen. Es war wunderbar, dass ich für die Kinder da sein konnte und dass das vielfach zurückgekommen ist.“
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