Essen. Drei junge Frauen aus NRW, drei verschiedene Wahlentscheidungen: So unterschiedlich denken sie über das Ergebnis der Bundestagswahl 2025.

  • „Wie glücklich oder unzufrieden seid ihr mit dem Ergebnis der Bundestagswahl 2025? Und welche Erwartungen habt ihr jetzt an die Parteien?“
  • Das haben wir junge Frauen aus dem Ruhrgebiet gefragt.
  • Hier erzählen Celina (21), Berivan (23) und Debbie (24) von ihrer Wahlentscheidung, ihren Hoffnungen und Ängsten.

Celina (21): „Merz wird die junge Generation im Blick haben“

Celina (21) studiert an der TU Dortmund – und hat bei der Bundestagswahl 2025 die CDU gewählt.
Celina (21) studiert an der TU Dortmund – und hat bei der Bundestagswahl 2025 die CDU gewählt. © FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Für Celina waren Wirtschaft und Sicherheit die wichtigsten Themen bei der Bundestagswahl. Nach der Wahl ist die 21-Jährige, die an der TU Dortmund studiert, zuversichtlich:

„Ich denke, dass Merz das Land gut regieren wird. Deshalb habe ich mein Kreuz auch bei der CDU gesetzt. Allerdings hatte ich gehofft, dass wir noch mehr Stimmen bekommen würden, so wie es die Prognosen vorher gezeigt haben. Jetzt ist klar, dass die SPD Teil der Regierung sein wird.

Ich hoffe, dass sie ihrem Auftrag nachkommt, die Bevölkerung zu schützen und unsere Sicherheit in den Mittelpunkt stellt. Von der CDU erhoffe ich mir, dass sie die Ideen aus dem Wahlprogramm umsetzt. Etwa, dass illegale Migration begrenzt wird und Grenzkontrollen eingeführt werden. Als junge Frau möchte ich abends rausgehen können, ohne mich unwohl zu fühlen.

Meine Hoffnung ist, dass am Ende des Monats neben Einkauf und Miete auch noch etwas zum Leben übrig bleibt. Gerade wir Studenten leiden unter den viel zu hohen Kosten. Auch Friedrich Merz hat Kinder und Enkelkinder, die von den Problemen im Land betroffen sind. Also gehe ich davon aus, dass er unter anderem auch deshalb alle Generationen im Blick haben wird.“

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Berivan (23): „Ich bin extrem glücklich mit dem Ergebnis der Linken“

Berivan (23) lebt und studiert in Bochum. Sie unterstützt die Linke.
Berivan (23) lebt und studiert in Bochum. Sie unterstützt die Linke. © FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Berivan hat vor der Wahl gezweifelt, ob sie lieber die Linke oder doch eher die SPD wählen soll. Mit ihrer Entscheidung ist die Studentin aus Bochum im Rückblick sehr zufrieden:

„Ich bin vor Freude aufgesprungen, als ich das Wahlergebnis der Linken gesehen habe. Ich war den ganzen Tag nervös, weil ich Angst hatte, dass die Linke es nicht über die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Dass sie fast neun Prozent der Stimmen holt, hätte ich nie gedacht.

Dass die Partei gerade bei jungen Menschen wie mir so gut abschneidet, wundert mich allerdings überhaupt nicht. Zum einen, weil sie total gute Arbeit auf Social Media macht. Ich gucke mir gern ihre Videos an und finde es richtig, dass die Politikerinnen und Politiker so viel dafür tun, um auf TikTok und Instagram präsent zu sein.

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Vor allem haben mich aber die Themen überzeugt. Ich hatte den Eindruck, dass sich bei den anderen Parteien alles um die Migrationsdebatte gedreht hat. Bei der Linken ging es hingegen viel um teure Mieten und hohe Lebenskosten. Das sind Themen, die mich und viele Studierende im Alltag beschäftigen. Ich würde zum Beispiel gern Ende des Jahres ausziehen, weiß aber nicht, ob ich mir das leisten kann. Von daher bin ich auf der einen Seite extrem glücklich mit dem Wahlergebnis.

Auf der anderen Seite bin ich aber auch extrem besorgt. Dass so viele Menschen für die AfD gestimmt haben, macht mir große Angst. Ich bin mit fünf Jahren aus der Türkei ins Ruhrgebiet gekommen. Als Jugendliche habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen, das war ein Riesenschritt für mich. Bochum ist längst zu meiner Heimat geworden, hier fühle ich mich zuhause. Dass jetzt so viele junge Menschen für eine in Teilen rechtsextreme Partei gestimmt haben, ist erschreckend.

Wahlkreis-Sieger: Wer für das Ruhrgebiet im Bundestag sitzt

Regierungsviertel am Morgen
Wer wird im nächsten Deutschen Bundestag für die Interessen des Ruhrgebiets kämpfen? © picture alliance/dpa | Fabian Sommer
***MONTAGE*** CDU Kreisverband Wesel Sascha van Beek
Am östlichen Rand des Ruhrgebiets, im Kreis Wesel, gewinnt Sascha van Beek (CDU) den Wahlkreis Wesel I (112) souverän mit 34,8 Prozent der Erststimmen. Kevin Waldeck (SPD) kommt auf 28,1 Prozent der Stimmen. © Montage: Lena Lübner | Foto: CDU Kreisverband Wesel
***MONTAGE*** Kerstin Radomski CDU Wesel
Nur ein Teil des Wahlkreises Krefeld II/Wesel II (113) gehört noch zum Ruhrgebiet. Kerstin Radomski (CDU) gewinnt ihn mit 31,9 Prozent der Stimmen gegenüber 30,3 Prozent für den SPD-Kandidaten Jan Dieren. © Montage: Lena Lübner | Foto: Tobias Koch
***Montage*** Bärbel Bas
Den Wahlkreis Duisburg I (114) hat die bisherige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas für die SPD gewonnen. Für sie stimmten 39 Prozent der Menschen, eines der bundesweit besten Ergebnisse. Ihr Gegenkandidat Dennis Benjamin Schleß von der CDU erhielt 22 Prozent der Stimmen.  © Montage: Antonia Keßler | Foto: Deutscher Bundestag / Tobias Koch
***MONTAGE*** Unterwegs mit SPD-Kandidat Mahmut Özdemir in AfD-Hochburg
Der SPD-Politiker und bisherige Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Mahmut Özdemir, hat den Wahlkreis Duisburg II (115) mit 33,1 Prozent der Stimmen gewonnen. Zweitplatzierter war hier nicht die CDU, sondern der AfD-Kandidat Sascha Lensing. © Montage: Lena Lübner | Foto: Stefan Arend/FFS
***Montage*** SPD-Unterbezirksparteitag in Oberhausen
Im Wahlkreis Oberhausen – Wesel III (116) hat der SPD-Abgeordnete Dirk Vöpel sein Mandat verteidigt. 31,4 Prozent der Menschen stimmten für ihn, Simone-Tatjana Stehr (CDU) erhielt 26,9 Prozent. © Montage: Antonia Keßler | Foto: Martin Möller / Funke Foto Services
***Montage*** Sebastian Fiedler
Sebastian Fiedler ist 2021 erstmals in den Deutschen Bundestag eingezogen und hat sein Mandat im Wahlkreis Mülheim – Essen I (117) verteidigt. Für ihn stimmten 32,6 Prozent der Menschen, 28,9 Prozent der Erststimmen gingen an Astrid Timmermann-Fechtner (CDU). Damit hat Fiedler den Wahlkreis gewonnen, obwohl die CDU die meisten Zweistimmen holte. © Montage: Antonia Keßler | Foto: Maurice Weiss
***Montage*** Essener SPD-Kandidaten Ingo Vogel
Im Wahlkreis Essen II (118) heißt der Gewinner Ingo Vogel. Der Sozialdemokrat holte den Wahlkreis mit 30,3 Prozent der Zweitstimmen. Sein Gegenkandidat von der CDU, Florian Fuchs, kam auf 24,7 Prozent. © Montage: Antonia Keßler | Foto: SPD Essen
***Montage*** Der CDU Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer
Im Süden von Essen gewinnt Matthias Hauer (CDU) den Wahlkreis Essen III (119) mit 35,7 Prozent der Erststimmen und verteidigt ihn damit gegen den bekannten Schausteller Albert Ritter von der SPD (24,7 %). © Montage: Antonia Keßler | Foto: Andreas Buck / FUNKE Foto Services
***Montage*** Essen - Ruhrgebeitsabgeordnete der SPD
Der Abgeordnete Frank Schwabe (SPD) hat seinen Wahlkreis Recklinghausen I (120) mit 33,1 Prozent erneut gewonnen und sich damit gegen seinen Kontrahenten Michael Breilmann von der CDU durchgesetzt (28,8 %). © Montage: Antonia Keßler | Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services
***MONTAGE*** Lars Ehm
Mit Lars Ehm gewinnt erstmals seit 1961 die CDU den Wahlkreis Recklinghausen II(121). Er erhält 31,6 Prozent der Erststimmen. Brian Nickholz (SPD) kommt nur noch auf 29 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: CDU/Handout
***MONTAGE*** Essen - Ruhrgebeitsabgeordnete der SPD
Die AfD gewinnt in Gelsenkirchen die meisten Zweistimmen. Als Direktkandidat setzt sich aber der SPD-Abgeordnete Markus Töns im Wahlkreis 122 erneut durch. Er bekommt 31,4 Prozent der Erststimmen. Zweiplatzierter ist Friedhelm Rikowski von der AfD (25,8 %). © Montage: Lena Lübner | Foto: Lars Heidrich/FFS
***MONTAGE*** Nicklas Kappe tritt innerhalb der CDU Gladbeck als Bundestagskandidat an
Mehr als 50 Jahre hat die SPD den Wahlkreis Bottrop-Recklinghausen III (124) direkt gewonnen. Nun hat sich Nicklas Kappe von der CDU mit 31,7 Prozent der Erststimmen gegen Dustin Tix von der SPD (29,5 %) durchgesetzt. © Montage: Lena Lübner | Foto: Thomas Gödde/FFS
***MONTAGE*** M. Kleinrensing WP Hagen Bundestagswahl
Am Freitag stand sie in Oberhausen noch auf der Bühne beim Wahlkampfendspurt der NRW-CDU, am Sonntag gewinnt sie ihren Wahlkreis: Tijen Ataoğlu erhält 28,9 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Hagen – Ennepe-Ruhr-Kreis I (137), Timo Schisanowski (SPD) kommt auf 25,6 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: Michael Kleinrensing/WP
***MONTAGE*** Neue Agenda-Beauftragte in Herdecke
Der Wahlkreis Ennepe-Ruhr-Kreis II (138) geht nur knapp an die Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster von der CDU. Sie holt 30,9 Prozent der Erststimmen. Axel Echeverria (SPD) kommt auf 30,0 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: Lena Siegel/WP
***MONTAGE*** Lars Klingbeil bei ThyssenKrupp Steel
Der Sozialdemokrat Serdar Yüksel gewinnt den Wahlkreis Bochum I (139) mit 32,7 Prozent der Erststimmen. Fee Roth von der CDU kommt auf 24,6 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: Sven Simon/imago
***MONTAGE*** Hendrik Bollmann
Im Wahlkreis Herne – Bochum II (140), bislang Wahlkreis von Michelle Müntefering, verteidigt die SPD ihre Position: Hendrik Bollmann bekommt 33,5 Prozent der Erststimmen und zieht in den Bundestag ein. Christoph Bußmann (CDU) kommt auf 23,8 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: SPD
***MONTAGE*** Jens Peick
Dortmund bleibt eine SPD-dominierte Stadt. Der Bundestagsabgeordnete Jens Peick verteidigt seinen Wahlkreis Dortmund I (141) und erhält 30,6 Prozent der Erststimmen. Sarah Beckhoff (CDU) kommt auf 23,7 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: Gerd Pietrowski
***MONTAGE*** Sabine Poschmann
 
Dir Dortmunder Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann (SPD) holt ihren Wahlkreis Dortmund II (142) erneut und gewinnt 32,4 Prozent der Erststimmen. Michael Depenbrock (CDU) kommt auf 24,9 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: Achim Melde/Deutscher Bundestag
***MONTAGE*** Oliver Kaczmarek
Im Wahlkreis Unna (143) I behauptet sich Oliver Kaczmarek (SPD) nur knapp. 31,8 Prozent der Erststimmen gehen an ihn, der Konkurrent der CDU, Tilmann Rademacher, kommt auf 29,8 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: Deutscher Bundestag/Inga Haar
***MONTAGE*** Michael Thews
Michael Thews (SPD) gewinnt den Wahlkreis Hamm – Unna II (144) mit 32,2 Prozent der Erststimmen. Der CDU-Kandidat Arnd Hilwig kommt auf 30,1 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: Michael Thews/SPD
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Damit die AfD jetzt nicht noch stärker wird, ist es wichtig, dass sich ohne große Probleme eine neue Regierung bildet. Dass es vermutlich auf eine Große Koalition zwischen CDU und SPD hinauslaufen wird, finde ich in Ordnung. Friedrich Merz ist meiner Meinung nach zwar total unsympathisch. Aber ich habe Hoffnung, dass sich schon etwas verändern wird – vor allem, weil wir dank der Linken eine starke Opposition haben werden.“

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So haben junge Menschen gewählt

Vor allem zwei Parteien konnten bei jungen Menschen punkten: Die Linke holte 25 Prozent der Stimmen der 18-bis 24-Jährigen, die AfD 20 Prozent. Beide Parteien waren damit deutlich erfolgreicher als bei der Bundestagswahl 2021 (Linke plus 17 Prozent, AfD plus 13 Prozent).

Deutlich schlechter abgeschnitten haben hingegen die Grünen: Während vor vier Jahren noch 23 Prozent der jungen Wählerinnen und Wähler für sie stimmten, waren es in diesem Jahr nur 12 Prozent. Noch mehr Stimmen verloren hat die FDP. Sie konnte nur sechs Prozent der jungen Menschen von sich überzeugen (minus 15 Prozent). CDU (13 Prozent) und SPD (12 Prozent) liegen bei den jungen Wählerinnen und Wählern etwa gleich auf.

Debbie (24): „Die Jugend ist gespalten“

Debbie (24) studiert an der Uni in Duisburg – und hat bei der Bundestagswahl 2025 die SPD gewählt.
Debbie (24) studiert an der Uni in Duisburg – und hat bei der Bundestagswahl 2025 die SPD gewählt. © FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Debbie (24) hat hingegen die SPD gewählt. Dass die Partei gegen Herausforderer Merz verliert, hat die Studentin aus Bottrop jedoch bereits geahnt:

„Für mich war klar, dass Merz das Rennen macht. Es ist ja häufig so, dass regierende Parteien bei einer Wahl abgestraft werden. So ist es auch bei der SPD der Fall. Bei dieser Bundestagswahl stand einiges auf dem Spiel. Ich finde es erschreckend, dass so viele die AfD gewählt haben – auch junge Menschen. Daran sieht man auch, wie gespalten die Jugend ist: Auf TikTok ist man entweder in der linken- oder in der rechten Bubble.

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Ich mache mir Sorgen um die demokratischen Parteien der Mitte. Warum erreichen sie viele Menschen aus meiner Generation nicht? Der Fokus der neuen Regierung muss definitiv mehr auf Bildung liegen. Ich engagiere mich ehrenamtlich in dem Bereich und bekomme mit, dass Schülerinnen und Schülern häufig das Wissen über Politik fehlt.“

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