Essen. . Der Pferdefleisch-Skandal schwappt nach NRW: Real nimmt vorsorglich seine Lasagne aus den Regalen. Eine Warnung des EU-Schnellwarnsystems löste im NRW-Verbraucherschutzministerium Alarm aus. Lieferlisten belegten, dass über den Zwischenhändler, der falsch etikettierte Lasagne nach Großbritannien lieferte, auch ein Lager in NRW versorgt worden sei, hieß es.
Nicht immer haben Lebensmittelkontrolleure ein so leichtes Spiel wie vor knapp neun Jahren in Gelsenkirchen. Da betraten sie genau in jenem Moment eines der zwei gigantischen Kühllager in ihrer Stadt, als ein Fleischhändler damit begann, zehn Jahre altes Fleisch in frisches umzuetikettieren. So offensichtlich wie beim Gammelfleisch-Skandal geht es bei dem aktuellen um rumänisches Pferdefleisch leider nicht zu. Dessen Wege sind verschlungener. Doch auch sie führen nun nach Nordrhein-Westfalen.
Am späten Dienstagabend jedenfalls löste eine Warnung des EU-Schnellwarnsystems im NRW-Verbraucherschutzministerium Alarm aus. Lieferlisten belegten, dass über jenen Zwischenhändler, der falsch etikettierte Lasagne nach Großbritannien geliefert hat, auch ein Lager in Nordrhein-Westfalen versorgt worden sei. „Wir versuchen nun, die Wege der Waren von diesem Lager aus weiterzuverfolgen“, erklärt Ministeriums-Sprecher Stephan Malessa.
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Im Laufe des Tages jedenfalls saßen Lebensmittelkontrolleure unter anderem im Büro der Tiefkühlfirma Eismann in Mettmann. Auch hier geht es um Lasagne. „Ja, die waren bei uns. So wie bei vielen anderen Firmen auch!“, versucht Firmen-Sprecher Hubertus Menke zu relativieren. Die Kontrolleure seien vor allem an der Lieferkette interessiert gewesen. Eismann habe aufgrund einer Information bereits in der vergangenen Woche zwei Produkte aus dem Sortiment genommen. Ein Laborbefund liege bislang noch nicht vor.
Auch Real nahm vorsorglich Lasagne aus dem Verkauf
Auch bei Kaiser’s Tengelmann hatte man vor ein paar Tagen vorsorglich reagiert und eine Lasagne der Marke A&P aus den Truhen genommen. Hersteller der Tiefkühllasagne sei der französische Hersteller Comigel, der auch die mit Pferdefleisch verarbeitete englische Lasagne produziert hat. Der Laborbefund steht noch aus.
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Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte, der Tipp sei vom Großhändler Markant gekommen, einer Schweizer Firma, deren deutscher Part in Offenburg beheimatet ist. Markant wollte gestern gegenüber dieser Zeitung keine Stellungnahme dazu abgeben. Auch Real nahm vorsorglich Lasagne der Marke Tip aus dem Verkauf, ebenso Mini-Cheeseburger von Agro-On. Ein Fernsehsender habe das Unternehmen auf die Produkte aufmerksam gemacht. „Laut Labor befanden sich in der Lasagne 0,4 Prozent Pferdefleisch“, sagt Real-Sprecher Jablonski. Real startete am Abend einen Rückruf.
Der Skandal schwappt ins Land der Pferdeliebhaber
Die Suche nach dem als Rind deklarierten Pferdefleisch hat in Deutschland gerade erst begonnen. Doch so sicher es ist, dass ordnungsgemäß verarbeitetes Pferdefleisch an sich keine Gefahr für den Menschen darstellt, ja, manchem gar als Delikatesse gilt, so sehr drängen sich diese Fragen auf: Warum wurde Pferdefleisch verarbeitet, das doch von der Branche als teurer eingeschätzt wird? Von welchen Tieren genau stammt das Fleisch, wieso erschien es den Erzeugern von Lasagne und Mini-Cheeseburgern profitabler?
Ausgerechnet nach NRW, ins Land der Pferdeliebhaber, schwappt der Skandal nun. Laut Verbraucherministerium sind alle Lebensmittelüberwachungsbehörden angewiesen worden, gezielt nach Produkten zu suchen, die im Verdacht stehen, Pferde- statt Rindfleisch zu enthalten. Stichproben jedoch ergaben, dass dieser Hinweis bei vielen Kontrolleuren noch nicht angekommen ist. „Unsere sechs Leute sind unterwegs. Aber es gab keinen konkreten Hinweis, wonach sie suchen sollen“, erklärte Bochums Stadtsprecher Thomas Sprenger. Ähnlich klang das auch in anderen Städten des Ruhrgebiets.