Heiligenhaus. 22-Jähriger hat die wohl kleinste Radiosonde für Wetterballons konstruiert, um Müll zu vermeiden. Er tritt damit nun bei bekanntem Wettbewerb an.

Noch gut eine Woche, dann steht in Heilbronn mit dem Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“ der Höhepunkt des bekannten Wettbewerbs an. Mittendrin: Ein Heiligenhauser, der in Velbert das Berufskolleg Niederberg besucht. Marvin Rzok (22) tritt in der Kategorie „Technik“ als NRW-Sieger an und hofft, auch die Jury in Heilbronn überzeugen zu können.

Bei seinem Projekt „FemTo-APRS – die kleinste LoRa-Radiosonde der Welt!“ geht es darum, die Sonden von Wetterballons auf ein Minimum an Größe zu reduzieren und damit den Wetterballonmüll zukünftig deutlich zu reduzieren.

Dreimal täglich starten an 16 Orten in ganz Deutschland Wetterballons

„Dreimal täglich startet der Deutsche Wetterdienst an 16 Standorten Sonden, die in die Atmosphäre aufsteigen, dort Temperatur und Luftdruck messen und die Daten übermitteln“, erklärt Marvin Rzok, der Ende 2021 seine Amateurfunk-Lizenz machte und sich deshalb intensiv mit dem Thema Funk beschäftigte.

Heiligenhauser hat für seine Forschung alte Wetterballons eingesammelt

Die Wetterballons interessierten ihn, deswegen baute der Tüftler einen Empfänger, der ihm anzeigt, wenn eine der Sonden - plus dazugehörigem Heliumballon natürlich - nach erledigter Aufgabe in der Nähe zu Boden geht. Dann ist sie nur noch Müll, darf eingesammelt und nach Gutdünken verwendet werden. „Im Laufe der Zeit habe ich Hunderte eingesammelt, die kommen beispielsweise aus Essen, da stehen die Chancen gut, dass in der Nähe welche landen.“ Der einzige Sammler ist er nicht, denn für manche Sonden gibt es Pfand, andere können gut recycelt werden. „In Düsseldorf standen wir mal mit zwölf Autos in einem Wald“, schmunzelt Marvin, der derzeit eine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme bei der Firma Horstmann macht und das Velberter Berufskolleg Niederberg besucht.

Derzeitige Sonden wiegen bis zu ein Kilo, die von Marvin rund zehn Gramm

Beim Aufsammeln blieb es für ihn aber nicht, er wollte selber Starts durchführen. „Das wäre aber teuer geworden. Die Sonden wiegen bis zu einem Kilo, je mehr sie wiegen, desto mehr Helium benötigt man, um sie in die Luft zu bekommen. Helium ist sehr teuer, dazu kommt der enorme Müllberg der entsteht, wenn soviel Material einfach in der Umwelt landet.“ Möglichst klein und umweltfreundlich musste die Sonde also sein - die von ihm entwickelte wiegt rund zehn Gramm und ist nur briefmarkengroß.

Herkömmliche Sonde (rechts) und Marvins Entwicklung (links): Der Größen- und Gewichtsunterschied ist drastisch.
Herkömmliche Sonde (rechts) und Marvins Entwicklung (links): Der Größen- und Gewichtsunterschied ist drastisch. © FUNKE Foto Services | Uwe Möller

Das Produkt von Marvin Rzok ist bereits marktreif

„Anfang 2023 hatte ich das erste Modell fertig und habe damit Flüge durchgeführt. Darüber sind in diesem Bereich Forschende auf mich aufmerksam geworden und haben nachgefragt.“ Es entstand eine Win-win-Situation: Marvin ließ die Interessenten seine Sonde testen und bat im Gegenzug um Rückmeldung und Verbesserungsvorschläge. Mittlerweile ist sein Produkt marktreif – und das bleibt nicht unbemerkt: Es gab bereits illegale Kopierversuche seiner Sonden, die allerdings scheiterten – „der Mikrokontroller lässt sich nicht auslesen, da ist eine Verschlüsselung eingebaut.“
Eine dreistellige Zahl der Sonden hat er mittlerweile hergestellt, „ein Pilotprojekt mit dem Wetterdienst wäre natürlich toll“.

„Höhle der Löwen“-Scouts suchen bei Wettbewerb nach Ideen

Jetzt aber steht erst einmal die Finalrunde von „Jugend forscht“ am Fronleichnamswochenende an: „Am Freitag gibt es die Jury-Gespräche, in deren Verlauf ich einen fünfminütigen Vortrag halten darf. „Vor Ort sind auch gerne mal Scouts von „Die Höhle der Löwen“, die nach Ideen suchen. 

Für Marvin Rzok ist es aus Altersgründen die letzte mögliche Teilnahme am Wettbewerb, beileibe aber nicht die erste: zweimal hat der Auszubildende bereits teilgenommen. 2017 stellte Marvin seine Idee eines automatisierten Gewächshauses vor, das Pflanzen fast ohne das Zutun von Menschen gedeihen lässt. Zwei Jahre später faszinierte die Jury seine Idee eines Schokoladen-3D-Druckers.

Heiligenhauser hat schon reichlich „Jugend forscht“-Erfahrung

Mit beiden Projekten errang er – damals noch Schüler der Gesamtschule Heiligenhaus, an der er auch bereits 2018 beim Start eines Stratosphärenballons in einer Projektgruppe mitarbeitete – jeweils den zweiten Platz der Regionalrunde von „Jugend forscht“. Zudem betreibt er seit 2015 den Youtube-Channel Marvtec und ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Heiligenhaus.

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„Technik fasziniert mich immer schon. Mit 15 Jahren habe ich leuchtende Schlüsselanhänger produzieren lassen auf Basis einer selbst entwickelten Platine“, erinnert er sich zurück. Jetzt heißt es aber erst einmal: Daumen drücken für „Jugend forscht“.