Bochum. Ein Team der Hochschule Bochum erforscht das Potenzial für E-Roller-Sharing in Bochum. Bald geht es mit den Rollern auf Deutschlandtour

Sie sind klein, wendig, in der Nutzung klimaschonend und könnten in Zukunft zum festen Bestandteil des Straßenverkehrs in Bochum gehören: E-Roller. Nicht zu verwechseln mit dem E-Scooter, der schon lange das Stadtbild prägt. Eine Forschungsgruppe der Hochschule Bochum beschäftigt sich mit der Frage, welche Bedingungen für die Nutzung der Roller in Bochum herrschen müssen, um ein Sharing-Konzept für die elektrisierten Fahrzeuge umzusetzen. Dazu testen sie seit drei Jahren E-Roller in Bochum. „Bobbysharing“ nennt sich das Projekt, das vom Nachhaltigkeitslabor der Hochschule Bochum seit 2018 von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführt wird. Um in den Austausch mit anderen Städten und Unternehmen zu treten, geht ein Teil des Teams bald mit den Rollern auf Tour durch Deutschland.

Deutschlandtour: Team aus Bochum fährt mit Elektro-Rollern 2500 Kilometer

Innerhalb von 18 Tagen möchten die Projekt-Teilnehmer 25 Städte bereisen und dabei 2500 Kilometer hinter sich bringen. Die Elektro-Roller, mit denen die Strecke gefahren wird, stammen von der Firma Kumpan. Das Unternehmen unterstützt das Forschungsprojekt und stellt seit Projektbeginn 2018 einen Teil der Roller zur Verfügung. Die Höchstgeschwindigkeit der Modelle beträgt 45 km/h, berichtet Alina Dicke vom Projektteam. Die Tour sei ein Reallabor, erklärt sie. „Wir werden definitiv vor Herausforderungen stehen“. Besonders interessant sei die Bewältigung der Länge der zu fahrenden Strecke. „Jeder Roller hat drei Akkus dabei, die vollgeladen sind. Das bringt pro Roller eine Reichweite von 180 Kilometern“. Zusätzlich wird das Team Ladekabel dabei haben. Problematisch könne dabei die Lade-Infrastruktur sein, schätzt Dicke. Denn durch die Beschaffenheit der Strecke könne sich die Reichweite durchaus verringern. „Vor allem bei bergigem Gelände“, so Dicke. Um Daten wie Geschwindigkeit, Steigung und Strecke zu erfassen, ist in jedem Roller ein Datenlogger installiert. So sollen die Daten nach der Tour ausgewertet und analysiert werden, welcher Bedarf sich für die Nutzung eines Rollers in einem Sharing-System ergibt.

Erforschung nachhaltiger Mobilitätslösungen in Bochum

Besonders der Vergleich von Bochum zu anderen Städten ist für das Forschungsteam von Interesse. „Wir stehen ja seit Beginn des Projektes im Austausch mit Unternehmen. Irgendwann ist die Idee übergesprungen: Warum schauen wir uns nur Bochum an?“, erzählt Dicke. „Wir möchten also nicht nur unsere Ergebnisse woanders vorstellen, sondern auch Anregungen bekommen. In anderen Städten können wir Dinge sehen, die wir hier nicht haben“. Das Team ist davon überzeugt, dass ein Sharing Angebot für E-Roller den Straßenverkehr in Bochum entlasten könnte. „Es gibt viel zu viele Pkw. Ein Auto wird außerdem meist von nur einer Person benutzt. Ein Roller ist prinzipiell platzsparender“, meint Dicke. Neben einem elektrifizierten öffentlichen Personen-Nahverkehr sei E-Roller-Sharing eine der nachhaltigsten motorisierten Lösungen, um das Mobilitätsbedürfnis in einer Stadt zu bedienen. Zum Akku Austauschen gibt es aktuell zwei Stationen. Eine befindet sich an der Zentrale der Stadtwerke in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Die andere steht auf dem Campus der Hochschule. In Zukunft sollen auch innovative Ladekonzepte aus erneuerbarer Energie in das Konzept integriert werden. Auf dem Campus ist dazu bereits ein Solarpanel installiert.

Info: Shared Mobility

Sharing-Systeme gelten als eines der nachhaltigsten Mobilitätskonzepte. Shared Mobility erweitert das Mobilitätsangebot und erleichtert den Verzicht auf privaten Fahrzeugbesitz. In Bochum gibt es bereits E-Scooter-Sharing, Bikesharing und Carsharing.


Das Projekt der Hochschule Bochum ist unter bobbysharing auf Instagram zu finden. Zudem gibt es eine eigene Website. https://bobbyescooter.de/