Mit einem Appell an die Solidarität der Bochumer mit den Flüchtlingen verknüpfen die Maischützen das 628. Maiabendfest, das mit dem Festumzug aus Harpen in die Innenstadt am Samstag seinen Höhepunkt findet. Das Maiabendfest in Bochum hat mit einem politischen Signal begonnen. Ausdrücklich suchte der Baruchtumsverein den Schulterschluss mit den Flüchtlingen.

„Bei aller Festtagsstimmung dürfen wir nicht vergessen, dass neue Menschen zu uns kommen, die darauf angewiesen sind, dass wir ihnen Schutz gewähren“, hieß in der Rede des Vorsitzenden der Maiabendgesellschaft, Karl-Heinz Böke, zum Zapfenstreich am Freitagabend. Ausdrücklich bezieht er die Bürger ein, die „am Existenzminium leben, sich ausgegrenzt und im Stich gelassen fühlen“. Ihnen allen müssten die Werte entgegengebracht werden, „für die unsere Tradition steht: Hilfsbereitschaft, Mut, Gerechtigkeit“, beschwor Böke den Gemeinsinn, der die Historie der Maiabendgesellschaft präge.

Neuer Standort für die Hauptbühne

Mut brauchte es, um den Auftakt des ältesten Bochumer Brauchtumsfestes zu erleben. Bei fast winterlichen Werten zog es nur die Unentwegten zur Hauptbühne auf dem Boulevard, die weiter oben Richtung Hauptbahnhof besser, weil wahrnehmbarer positioniert ist als am Kuhhirten (wo inmitten des Mittelaltermarktes eine kleinere Bühne steht). Immerhin: Die Robbie-Williams-Coverband „Supreme“ heizte den wackeren Maischützen und ihren fröstelnden Besuchern wie zuletzt 2013 kräftig ein: „Let me entertain you!“

Die Gaukler und Marketender – bestens bekannt aus den Vorjahren – locken vor allem Familien an. Wo sonst kann der Nachwuchs in einem Holzkarussell kreisen, das allein von Muskelkraft angetrieben wird, oder sich als tapferer Ritter üben? Derweil haben die Eltern die Möglichkeit, „Zeitstelen“ zu studieren, auf denen die Maischützen die wichtigsten Ereignisse der letzten sechs Jahrhunderte in Bochum dokumentieren. Ein Stadtmuseum unter freiem Himmel.

Großer Festumzug

Der möge am Wochenende blau-weiß erstrahlen, hoffen die Brauchtumspfleger. Am Samstag wird marschiert: 100 Gruppen mit 2500 Teilnehmern sollen am frühen Nachmittag aus Harpen und vom Kirmesplatz gen Innenstadt laufen. Um 15.45 Uhr ist hier der große Festumzug geplant. Abends wird getanzt: zunächst zur Coverband „Push up“ (18 Uhr), später zu „Deejay Plus“ (20 Uhr). Ein Höhenfeuerwerk vom Dach der Sparkasse beendet den Fest-Samstag.

Am Sonntag ist Kindertag. Mit der Aktion „Mach mit! im Ehrenamt“ ziehen die Maischützen ab 11 Uhr auf dem Boulevard ein buntes Kinderprogramm u.a. mit Auftritten mehrerer Schulchöre und -orchester auf. „Wir gehen davon aus, dass unser Fest durch die gleichzeitigen Demonstrationen in der Innenstadt nicht beeinträchtigt wird“, betont Vorstandsmitglied Michael Schüren.

Über den Besuch vieler Flüchtlinge würden sich die Maischützen an den Feier-Tagen besonders freuen. Denn siehe oben: Die Gemeinschaft zählt.
Junge, do kass di drop verloten!