Bei Rot-Weiss Essen versuchen sie, zur Tagesordnung zurückzufinden, was nicht so leicht ist. Organisatorisch nicht, und sportlich sowieso nicht.

  • Der Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen erhielt über 90 Bewerbungen für den Cheftrainerposten
  • Namen gibt der Verein nicht natürlich preis, aber vier Kandidaten sollen zur engeren Auswahl zählen
  • Zum Spiel am Samstag in Rödinghausen will Sportdirektor Jürgen Lucas nicht allzu viel ändern

Der Staub, den die Entlassung von Cheftrainer Sven Demandt aufwirbelte, hat sich etwas gelegt. An der Hafenstraße versuchen sie, zur Tagesordnung zurückzufinden, was nicht ganz leicht ist. Organisatorisch nicht, und sportlich sowieso nicht. Aber den Rot-Weissen bleibt nichts anderes übrig, denn schon am kommenden Samstag geht der Ligabetrieb weiter beim SV Rödinghausen (14 Uhr).

Unter den Fans treibt das fröhliche Trainerraten bunte Blüten, weil die Verantwortlichen bei Rot-Weiss natürlich keine Namen liefern. Aber wer wird denn nun Demandts Nachfolger? Spanende Frage. Die Tipps sind – wie so oft in dieser Situation – Wunschdenken oder pure Spekulation, aber stets mit der Hoffnung verbunden, dass sich durch den neuen Zampano alles zum Guten wendet.

Alle Schritte werden mit den Gremien abgestimmt

Die Ausschreibung des Essener Traditionsclubs klingt so attraktiv, dass sich in den vergangenen Tagen über 90 Trainer um die vakante Stelle beworben haben. „Wahnsinn“, findet Sportdirektor Jürgen Lucas, der nun besonders gefordert ist. Nicht etwa, dass er allein auf Trainersuche geht, aber er ist sozusagen zunächst einmal ausführendes Organ. „Jürgen Lucas ist hier sehr aktiv“, lobt RWE-Chef Michael Welling. „Wir stimmen aber den Prozess und die Schritte mit den Gremien ab und tauschen uns aus. Die finale Entscheidung treffen wir dann zusammen.“ Und: Einen Schnellschuss werde es nicht geben.

Bei der Arbeit: Sportdirektor Jürgen Lucas  mit Co-Trainer Carsten Wolters (l.). Foto: Socrates Tassos
Bei der Arbeit: Sportdirektor Jürgen Lucas mit Co-Trainer Carsten Wolters (l.). Foto: Socrates Tassos

Der ja immer einen gewissen Aktionismus in sich birgt, doch diesen Eindruck wollen sie an der Hafenstraße tunlichst vermeiden. Gleichwohl sagt Lucas: „Vielleicht wird es ja schon nächste Woche was, das sollte unser Ziel sein.“

Die stattliche Bewerberzahl hat zwar Eindruck hinterlassen, so richtig weitergeholfen hat sie nicht. „Der Kreis ist dadurch nur um zwei Kandidaten erweitert worden“, sagt Lucas. Der Rest sei uninteressant aus unterschiedlichen Gründen: Qualifikation, Gehalt, passt nicht ins Profil usw..

Peter Hyballa wird es nicht

Fest steht, dass es Peter Hyballa nicht wird. Das war relativ schnell klar, weil die Vorstellungen beider Seiten sich nicht decken. Der Fußballlehrer sieht seine Zukunft im Profibereich.„Persönlich hatte ich keinen Kontakt zu RWE, daher gab es auch keine Absage an mich. Ich gehöre nicht zu den 92 Bewerbern an der Hafenstraße“, bestätigte Hyballa dem Reviersport. Von vier Kandidaten ist die Rede, zwei sollen besonders interessant sein und sind in der ganz engen Wahl.

Auch interessant

Jürgen Lucas ist von morgens bis in den späten Abend hinein unterwegs. Er ist in seinem Beruf eingespannt und muss sich aktuell besonders intensiv seinem Ehrenamt bei RWE widmen. Gemeinsam mit Co-Trainer Carsten Wolters und Torwarttrainer Manuel Lenz kümmert sich Lucas um die Trainingseinheiten, bei denen auch noch U 19-Coach Damian Apfeld zur Hand geht. Die Verantwortlichen wollen ihre Augen möglichst überall haben, damit ihnen nichts entgeht und ein möglichst kompletter Eindruck von der Mannschaft entsteht. Schließlich stehe diese nun ganz besonders in der Pflicht, hieß es nach Demandts Freistellung.

Vierköpfiges Trainerteam soll alles im Auge behalten

Allerdings wird es zunächst keine völlig neue Handschrift geben, betont Jürgen Lucas Er wird nicht alles von heute auf morgen umkrempeln . „Das wäre ja ein Widerspruch.“ Schließlich habe er sich stets intensiv mit Sven Demandt ausgetauscht und alle Entscheidungen mitgetragen. An Ideen mangele es zwar nicht, so Jürgen Lucas, doch würde er jetzt eine komplett neue Linie fahren, müsste diese in ein, zwei Wochen vielleicht schon wieder geändert werden, sofern sie nicht den Vorstellungen des neuen Chefs entspricht. Fraglich, ob das einem verunsicherten Team gut täte.