Hannover. Radfahren gehört für viele zum Urlaub dazu. Damit es mehr Spaß macht, wurden viele Radwege im Nordwesten des Landes ausgebaut und attraktiver gemacht.

Ferien ohne Drahtesel - das ist für viele mittlerweile unvorstellbar. Um Streckenradler und Tagesausflügler glücklich zu machen, haben die Tourismusregionen im Nordwesten kräftig an der Qualitätsschraube gedreht.

Viele Angebote wurden unter die Lupe genommen und optimiert. So krempelte der Landkreis Uelzen sein gesamtes Radwegenetz um. Und dafür wurde er in diesem Frühjahr vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) als erste norddeutsche Destination als "Radreiseregion" zertifiziert. Voraussetzung für die rare Auszeichnung ist laut ADFC "eine sehr hohe Qualität des Radangebots", von der Wegebeschaffenheit bis hin zur touristischen Infrastruktur.

Zahlreiche Touren und Routen

Die Region bietet 36 Touren zwischen 17 und 68 Kilometern Länge, rund um Klöster, Heidschnucken und Wellness. Im Flecken Suderburg können sich Radler zudem mittels "Stoppomat" ein Zehn-Kilometer-Zeitfahrrennen liefern.

Die Vechtetalroute verläuft durch die Grafschaft Bentheim, Nordrhein-Westfalen und die Niederlande. Sie wurde in die ADFC-Riege der "Qualitätsradrouten" aufgenommen. Neben einer "kleinteiligen Landschaft" punkte die Route mit 80 Kunstwerken am Wegesrand, sagt Johann Bardenhorst aus Bad Bentheim. "Man muss nicht der Kunstbegeisterte sein, um diese Route zu radeln. Man befasst sich aber damit. Umgekehrt bringen wir Kunstbegeisterte aufs Rad."

Urbane Radtouren in Bremen

Das Land Bremen bietet unter dem Motto " bike it" urbane Radrunden an. "Neu ist in dieser Saison "Wasser, Wind und Wiesen", eine untypische Bremerhaven-Tour, weil sie weniger das maritime als das grüne Bremerhaven mit Parks, Grünzügen und Naturschutzgebieten zeigt", sagt Jans Joost-Krüger von der Wirtschaftsförderung. "Film-Night Rides" (Kino-Touren) und Touren zu Jazzklubs ziehen seit 2015 das jüngere Publikum an.

Das Oldenburger Münsterland hat seine rund 300 Kilometer lange Boxenstopp-Route um "Energie-Stationen" rund um Wasser, Wind und Biomasse aufgepeppt. Die Energiewende wirke sich auch auf das Landschaftsbild aus, sagt Vivien Ortmann vom Verbund Oldenburger Münsterland. "Uns ist aus touristischer Sicht wichtig, dass die Gäste das verstehen. Wir möchten die Gäste auch auf die Höfe bekommen, um ihnen ein realistisches Bild der Landwirtschaft zu zeigen."

Radfahren in Niedersachsen und Hannover

"Südostniedersachsen ist keine Radtraditionsregion wie das Emsland oder Ostfriesland, wo im Alltag viel Rad gefahren wird", sagt Karin Proell von der Tourismus Marketing Niedersachsen. Dank eines "Masterplans" für den Großraum Braunschweig ändere sich das nun schrittweise. Erstes Ergebnis ist das Festival "Sattelfest", das am 5. und 6. Juni zum zweiten Mal stattfindet. In Planung ist nach Angaben von Sprecherin Sibille Rosinski zudem "ein Radrundweg, der die Höhepunkte der Region verbinden soll".

Die Region Hannover ist schon einen Schritt weiter. Im Juli 2015 fiel dort der Startschuss für die 800 Kilometer lange "Kulturroute". Sie nutzt nach Angaben der Projektbeauftragten Petra Boerger größtenteils die Infrastruktur bereits vorhandener Fernradwege, etwa des Leine-Heide-Radwegs oder des Weser-Radwegs. "Die Idee ist, mit dem Rad die kulturellen Leuchttürme abzufahren." Die Etappen führen unter anderem zum Celler Schloss, den Herrenhäuser Gärten, dem Kloster Loccum oder nach Hameln. "Das Besondere ist auch, dass alle 15 Etappen mit dem ÖPNV gut erreichbar sind", sagt Boerger.

Cuxland und Ostfriesland

Im Cuxland ist die Hälfte der Frischekur abgeschlossen. Der Nordwestzipfel Niedersachsens wird von 13 Fernradwegen gekreuzt. Deren Trassenführungen wurden laut Referentin Christine Brandt optimiert. Zudem seien zwölf Knotenpunkte mit Infotafeln neu gestaltet worden, außerdem wurden abschließbare Boxen für Räder und Gepäck sowie flutsichere Sanitäranlagen installiert. Bis 2017 sollen nun noch die Themenrouten des Landkreises generalüberholt werden.

Auch Kombi-Angebote sind populär, wie "Paddel und Pedal" auf der ostfriesischen Halbinsel. An 20 Stationen können Radler ins Kanu steigen und entschleunigen. "Das ist eine ganz andere Welt, ohne Eile", schwärmt Kurt Radtke aus Leer. "Das ist nachhaltiger Tourismus. Man muss nicht in jedem Jahr das Rad neu erfinden." Auch die Ostfriesen setzen auf Qualität. Zwei Stationen wurden bereits vom Kanuverband zertifiziert, zwei weitere sollen in diesem Jahr folgen.

Laut Radverkehrsanalyse des Landes Niedersachsen nutzten 2015 übrigens 17,4 Prozent der Radtouristen Elektrofahrräder. "Pedelecs nehmen zu, nicht nur bei der älteren Generation", meint Ortmann. Das erhöhe auch den Bedarf an längeren Etappen. (dpa)