Berlin/St. Petersburg. Wadim Stroikin war als Musiker bekannt, äußerte sich aber auch kritisch zum Ukraine-Krieg. Nun starb er bei der Durchsuchung seiner Wohnung.
Erneut ist in Russland ein Mensch bei einem mysteriösen Sturz aus einem Fenster gestorben. Der bekannte Sänger und Jazzgitarrist Wadim Stroikin fiel aus dem Fenster seiner im 10. Stock gelegenen Wohnung in St. Petersburg, als diese von der Polizei durchsucht wurde. Dies berichtet der Telegram-Channel „Mash na Mojke“. Stroikin starb demnach noch vor Ort.
Stroikin war für seine ablehnende Haltung zum russischen Krieg gegen die Ukraine bekannt und hatte sich 2022 in Beiträgen auf der russischen Plattform VKontakte gegen den Krieg ausgesprochen und sich kritisch zum russischen Staatschef Wladimir Putin geäußert. Nun wurde gegen ihn wegen angeblicher Unterstützung einer „terroristischen Organisation“ ermittelt. Diese soll Spenden für die ukrainische Armee gesammelt haben. Dem Sänger hätten bis zu 20 Jahre Haft gedroht.
Wie die St. Petersburger Zeitung „Fontanka“ berichtet, soll Stroikin während der Durchsuchung seiner Wohnung gebeten haben, in die Küche gehen zu dürfen um etwas Wasser zu trinken. Wenig später wurde sein lebloser Körper auf der Straße vor dem Wohnblock gefunden. Demnach soll der Sänger Suizid begangen haben. Ein Untersuchungskomitee ermittelt gerade zu den Hintergründen seines Todes.
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Immer wieder mysteriöse Fensterstürze in Russland
Der 59-jährige Stroikin stammte aus der im Ural gelegenen Stadt Sneschinsk und lebte lange Zeit in der Millionenstadt Jekaterinburg. Er brachte sich das Gitarre spielen selbst bei und studierte in den 90er-Jahren an der British School of Journalism in London. Beim inzwischen geschlossenen Radiosender Echo Moskwy moderierte er die Sendung „Anthologie der Autorenlieder“. Vor einigen Jahren war er nach St. Petersburg gezogen, wo er in seiner Wohnung, aber auch online Gitarrenunterricht gab.
In Russland sterben immer wieder Menschen bei mysteriösen Fensterstürzen: In den vergangenen Jahren starben so Rawil Maganow, Chef der Ölfirma Lukoil, Kristina Baikowa, Vizechefin der Loko-Bank oder auch der Wurst-Multimillionär Pavel Antow, der sich ebenfalls kritisch zum Ukraine-Krieg geäußert hatte. Auch aus der russischen Botschaft in Berlin stürzte im Dezember 2021 ein Diplomat zu Tode.
Anmerkung der Redaktion
Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über (mögliche) Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.
Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.