Essen/München. .

Mit Praxischließungen haben Hausärzte gegen die geplante Gesundheitsreform protestiert. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, steht den Streikaktionen der Hausärzte kritisch gegenüber.

Mit Praxischließungen haben am Mittwoch Hausärzte gegen die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung protestiert. Bundesweit blieben zahlreiche Praxen zu. Eine Notfallversorgung war nach Angaben des Deutschen Hausärzteverbandes aber gesichert.

Kundgebung in der Essener Grugahalle

Auch in der Grugahalle in Essen wollten Mediziner gegen eine Änderung der Hausarztverträge durch die Regierung protestieren. Neben der Kundgebung in Essen sollte es eine weitere Großveranstaltung in Sindelfingen in Baden-Württemberg geben. Zum Protest in NRW hatten die Landesverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe des Deutschen Hausärzteverbands geladen.

Die Ärzte wollten mit dem Leitspruch „Warnung vor der Gesundheitsreform: Viele Hausarztpraxen schließen“ auf die Straße gehen. Nach der Kundgebung war ein Autokorso von Essen in die Niederlande angekündigt – ein Symbol für die Abwanderung vieler Ärzte.

Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, steht den Streikaktionen der Hausärzte gegen die geplante Gesundheitsreform kritisch gegenüber. Prinzipiell habe er zwar Verständnis für den Protest der Hausärzte, sagte Hoppe der Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ, Donnerstagausgabe): „Sie waren jahrelang die Aschenputtel in der ärztlichen Vergütungshierachie. Das haben sie mit der Einführung der Hausarztverträge überwunden. Jetzt haben sie die Befürchtung, es wieder zu werden.” Allerdings stelle er sich „wie viele die Frage, ob die Maßnahmen, die die Hausärzte jetzt ergreifen, angemessen sind”, so Hoppe.“

Grund für die Proteste: Gesundheitsminister Rösler will bei den Hausarztverträgen sparen. Die Vereinbarungen machen Ärzte zu einer Art Lotsen im Gesundheitssystem. Die teilnehmenden Patienten verpflichten sich, bei Gesundheitsproblemen immer zunächst ihren Hausarzt aufzusuchen. Dieser vermittelt sie - wenn nötig - an Fachärzte weiter. Auf diese Weise sollen teure Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Ärztehonorare sind deutlich gestiegen

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, sind die Honorare der etwa 149.000 Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland sind zwischen 2007 und 2009 im Schnitt um elf Prozent gestiegen. Die Zeitung beruft sich auf eine Auswertung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung, wonach die Honorare der Mediziner in den vergangenen drei Jahren sehr viel stärker gestiegen seien als die Löhne und Gehälter in Deutschland. In Hamburg lag das durchschnittliche Honorarplus der Mediziner dem Blatt zufolge sogar bei gut 24 Prozent. In Niedersachsen stiegen die Einnahmen der Mediziner um gut 20 Prozent. Die niedergelassenen Ärzte in Thüringen bekamen 23,6 Prozent mehr, die in Brandenburg 19 Prozent. Den geringsten Anstieg gab es in Bayern mit 2,6 Prozent und in Baden-Württemberg mit 3,5 Prozent. Das entspricht aber immer noch in etwa der Entwicklung der allgemeinen Löhne und Gehälter. Ausnahme war Baden-Württemberg. Während die Honorare dort 2008 noch um fünf Prozent stiegen, sanken sie 2009 um 1,5 Prozent.

Insgesamt gaben die Kassen nach dem Bericht im vergangenen Jahr gut drei Milliarden Euro mehr für die Leistungen der niedergelassenen Ärzte aus als noch 2007. Das macht im Schnitt etwa 20.000 Euro pro Arzt. Die Summe der gezahlten Honorare stieg auf rund 30,8 Milliarden Euro. (afp/ddp)