Duisburg. Ein Laden wie ein Wimmelbild: In einem Traditionsgeschäft in Duisburg gibt es ein gigantisches Sortiment. Warum manche Kunden überwältigt sind.
Wer den Laden „Geschenke Heeren“ auf der Mülheimer Straße betritt, ist erstmal verwirrt: Wohin soll man zuerst schauen? In jeder Ecke stehen, hängen oder liegen Waren. Es gibt Skulpturen, Postkarten und Geschenkanhänger, Stricknadeln, Möbelstücke und Damenmode, Porzellanfrösche, Einhörner und noch viel, viel mehr, was man (nicht) braucht. Eins steht fest: Mit seinem gigantischen Sortiment ist „Geschenke Heeren“ in Duissern eine Rarität in Duisburg – und das schon seit 70 Jahren.
Denn das Geschäft mit den großen Schaufenstern hat bereits in den 1950er Jahren eröffnet. Seitdem hat sich eine Menge angesammelt in den hölzernen Regalen und auf den silbernen Garderobenständern, die den Raum komplett ausfüllen.
„Geschenke Heeren“: Wie ein Kaufhaus in einem Schuhkarton
„Wie viele Teile wir im Sortiment haben?“ Iris Leenen-Heeren ist die Chefin des Hauses. Sie überlegt kurz, schüttelt dann den Kopf. „Ich weiß es nicht“, gibt die 67-Jährige lachend zu. Man glaubt es ihr sofort. Denn „Geschenke Heeren“ erinnert an ein Kaufhaus, das in einem Schuhkarton aufgebaut wurde. Es ist wie bei einem Wimmelbild: So viel zu sehen gibt es, dass das Auge fast nicht mitkommt.
Dass Größe und Vielfalt ihres Sortiments für Verwirrung sorgen kann, das wissen auch die Inhaber. „Mancher Kunde ist überwältigt, wenn er den Laden betritt“, erzählt Rüdiger Leenen, der früher Bauingenieur war. Heute ist er in Rente, aber Langeweile ist nicht sein Ding. Lieber steht er jeden Tag im Geschäft, um die (zumeist weibliche) Kundschaft zu begrüßen und zu bedienen.
Individuelle Bedienung und ein gigantisches Sortiment
Jeder werde individuell angesprochen und gefragt, was er (oder sie) denn benötige, erklärt Leenen. Seine Frau geleitet die Kunden dann zum gewünschten Teil, ob Seidenbluse, Holzskulptur, Hochzeitskarte oder Emaille-Schild mit der Aufschrift „Suche 5 fleißige Männer oder 1 Frau“. Manchmal hilft Leenen-Heeren älteren Damen auch aus den Schuhen, trägt den Rollator ins Geschäft. Das gehört für die Chefin dazu.
In ihrem Laden kennt die Einzelhandelskauffrau jeden Artikel. Die Modeabteilung aber ist ihre wahre Leidenschaft. Gerne gibt sie Tipps: „Das steht Ihnen wirklich gut. Aber vielleicht wollen Sie auch das hier mal probieren?“
„Wir haben für alles unsere Stammkunden“
Früher, als der Vater im Laden an der Mülheimer Straße noch Möbel und Wohnaccessoires verkaufte, empfing Iris Leenen-Heeren ihre Kundinnen im hinteren Teil des Hauses. Dort, auf der Gerhart-Hauptmann-Straße, befindet sich inzwischen die Buchhandlung „Flummi“.
In den 1990ern, als der Senior dann älter wurde, beschloss die Tochter, den Laden zur Mülheimer Straße zu übernehmen – und brachte ihre Modeartikel aus dem Hinterstübchen mit. „Erst haben wir überlegt, entweder die Kleidung oder die Möbel zu behalten. Aber dann haben wir einfach beides zusammengestellt“, erklärt die Duisburgerin.
Zwei vollständige Sortimente, dazu jede Menge Produkte, die man vielleicht mal verwenden kann – bis heute ist das so geblieben. „Es sieht ungewöhnlich aus bei uns. Aber wir haben für alles unsere Stammkundschaft“, sagt die Inhaberin.
Selbst am Niederrhein kennt man „Geschenke Heeren“
Überhaupt sind es meistens Stammkunden, die das Geschäft besuchen. So wie Maria Herudek, die heute „etwas Warmes, Weiches, Kuscheliges“ sucht. Zielsicher schreitet Iris Leenen-Heeren zu den Garderobenständern, greift eines der Teile heraus. „Wie wäre es hiermit?“
Den Geschmack ihrer Kundin scheint die Inhaberin gut zu kennen – den Mantel, den sie der 89-Jährigen anreicht, lässt diese direkt an. Dass sie hier so freundlich und individuell bedient wird, ist ein Grund, warum Maria Herudek regelmäßig bei den Heerens einkauft. „Außerdem ist hier die Auswahl so groß, man bekommt alles, was man haben möchte“, lobt die alte Dame.
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Immer wieder stehen aber auch neue Kunden im Laden. Selbst am Niederrhein kennt man „Geschenke Heeren“. Und das, obwohl es nicht einmal eine eigene Homepage gibt, von Social-Media-Präsenz ganz zu schweigen.
Die vielen Praxen sind gut fürs Geschäft
Aber die vielen Praxen auf der Mülheimer Straße sind gut fürs Geschäft. „Dass wir hier die Ärzte haben, ist ein großes Glück“, erklärt Iris Leenen-Heeren. Vor oder nach einem Arzttermin kämen nämlich viele auch bei ihr vorbei. Und auch die 901 brächte immer wieder Neugierige vorbei. „Manche sehen den Laden aus der Straßenbahn und wollen dann einfach wissen, was wir so haben.“
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Und doch: Dass sich „Geschenke Heeren“ halten kann, obwohl in Duisburg immer mehr alteingesessene Fachgeschäfte schließen, hat einen ganz profanen Hintergrund: Iris Leenen-Heeren und ihr Mann müssen keine Miete zahlen. Den beiden Hobbytänzern gehört die Immobilie, in deren Erdgeschoss sich das Ladenlokal befindet. „In der Stadt, mit Angestellten und Miete, würde das nicht lange gut gehen“, da ist das Ehepaar realistisch.
Ebenso klar sehen die beiden, dass an der Mülheimer Straße eigentlich eine Renovierung anstehen würde. Also raus mit den Röhrenlampen an der Decke und den braunen Fadentapeten an der Wand? Iris Leenen-Heeren schüttelt den Kopf. „Dann müssten wir wirklich alles neu und monatelang zumachen. Das rentiert sich nicht.“ Denn einen Nachfolger hat die 67-Jährige nicht.
Ein Teil der Ware ändert sich ständig
Und so bleibt an der Mülheimer Straße alles wie früher. Nur ein Teil der Ware ändert sich ständig. Als Nächstes kommen die Osterhäschen ins Schaufenster. Danach die Sommerdeko und immer so weiter. Das Konzept scheint aufzugehen. Seit nunmehr 70 Jahren.